Analyse zeigt ungleiche Verteilung von Ärztinnen und Ärzten in Wien
In Wien sind niedergelassene Ärztinnen und Ärzte laut einer Analyse des Momentum-Instituts ungleich auf die Bezirke verteilt. Während in der Innenstadt eine hohe Ärztedichte verzeichnet wird, ist die Versorgung in den Außenbezirken deutlich geringer.
Besonders große Unterschiede zeigen sich bei der Zahl der Patientinnen und Patienten pro Ärztin bzw. Arzt in den verschiedenen Teilen der Stadt.
Deutliche Unterschiede zwischen Innenstadt und Außenbezirken
In der Inneren Stadt kommen laut Momentum-Institut auf eine Ärztin 26 Patientinnen und Patienten. In den Bezirken 8 und 9 sind es demnach 66 Patientinnen und Patienten pro Ärztin.
In Simmering kommen laut der Analyse auf eine Ärztin über 800 Patientinnen und Patienten. Insgesamt wird berichtet, dass die Ärztedichte in der Innenstadt sehr hoch und in den Außenbezirken weitaus geringer ist.
Struktur der niedergelassenen Versorgung
In Wien gibt es mehr als 6.000 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Knapp 4.300 von ihnen sind Wahlärztinnen und Wahlärzte, ihr Anteil liegt damit bei etwa 70 Prozent.
Rund 1.500 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte verfügen über Kassenverträge, das entspricht etwa einem Viertel aller niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Laut Bericht haben manche Ärztinnen und Ärzte in Wien nur kleine Kassenverträge.
Die Ärztekammer gibt an, dass keine Übersicht über die Verteilung der Wahlärztinnen und Wahlärzte nach Bezirken vorliegt. Nach Angaben der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) sind die Kassenstellen in den innerstädtischen Bezirken deutlich geringer als in den Außenbezirken. In den Außenbezirken seien die Kassenstellen aufgrund der hohen Einwohnerzahl stark überlastet.
Hinweise auf Auswirkungen für Patientinnen und Patienten
Paul Steinmaßl vom Momentum-Institut erklärte in der Sendung „Wien heute“, dass sich bei weniger verfügbaren Ärztinnen und Ärzten Wartezeiten verlängern können, Praxen überfüllter und Personal überlasteter werden. Er erläuterte zudem, dass sich Behandlungen verzögern und Krankheiten später erkannt werden können, wenn weniger Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung stehen.
Steinmaßl äußerte außerdem, eine zunehmende Verfügbarkeit von Wahlärztinnen und Wahlärzten könne den Trend zu einer Zwei-Klassen-Medizin befeuern.
Lebenserwartung und Beschwerden von Patientinnen und Patienten
Laut Momentum-Institut liegt die Lebenserwartung in einkommensstarken Bezirken deutlich höher als in anderen Bezirken. Im 15. Bezirk leben die Menschen demnach im Schnitt vier bis fünf Jahre kürzer als in der Inneren Stadt oder in der Josefstadt.
Patientenanwalt Gerhard Jelinek erklärte, dass es in Wien zu wenig Kassenärztinnen und Kassenärzte gebe. Beschwerden von Patientinnen und Patienten beträfen eher einen Mangel in bestimmten Fachrichtungen, eine klare regionale Zuordnung dieses Mangels lasse sich daraus nach seinen Angaben nicht erkennen.
Jelinek berichtete, Patientinnen und Patienten fänden oft niemanden in Wohnortnähe und klagten über lange Wartezeiten. Diese Situation sei für Patientinnen und Patienten unerfreulich. Er verwies darauf, dass Österreich ein solidarisch finanziertes Gesundheitssystem habe und für die geleisteten Beiträge jede Person eine ausreichende kassenärztliche Versorgung haben sollte. Nach seiner Einschätzung besteht derzeit keine ausreichende kassenärztliche Versorgung für alle.








