Erhebung: Knapp ein Drittel der Wiener Bevölkerung armutsgefährdet
In Österreich gelten rund 19 Prozent der Menschen als armuts- und ausgrenzungsgefährdet. In Wien liegt dieser Anteil mit rund 29 Prozent deutlich höher.
Laut einer Erhebung der Statistik Austria leben im Jahr 2025 österreichweit rund 1,7 Millionen armuts- und ausgrenzungsgefährdete Menschen, davon rund 585.000 in Wien.
Betroffene in Wien nach Altersgruppen
Von den rund 585.000 armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Menschen in Wien sind 220.000 Frauen ab 18 Jahren und 214.000 Männer ab 18 Jahren. 151.000 der Betroffenen sind Kinder.
Als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet gilt, wer unter 60 Prozent des mittleren Einkommens in Österreich verdient. In Wien beträgt das Risiko der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung für Frauen ab 18 Jahren im Durchschnitt 27 Prozent, ebenso für Männer ab 18 Jahren.
In alleinerziehenden Haushalten in Wien liegt das Risiko der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung bei 46 Prozent. Rund 80 Prozent der Alleinerziehenden in Wien sind Frauen.
Hinweise auf Frauen- und Kinderarmut
Die Armutskonferenz warnt besonders vor wachsender Frauenarmut und vor den Folgekosten von Kinderarmut. Die Plattform für Alleinerziehende verzeichnete zuletzt eine steigende Nachfrage nach Unterstützung.
Frauenarmut in Österreich steht nach Darstellung von Martin Schenk, dem Leiter der Armutskonferenz, mit dem Sozialstaatsmodell in Zusammenhang. Das Bismarcksche Sozialstaatsmodell wird dabei als eines beschrieben, das stark die Absicherung von Frauen in der Familie und von Angehörigen definiert.
Alleinerziehung sei in skandinavischen Ländern laut Schenk kein Risikofaktor für die Armutsstatistik. Als Beispiel für grundlegende Änderungen nennt er eine eigene Unterhaltssicherung.
Debatte über Arbeitslosenversicherung und Budget
Die Armutskonferenz übt Kritik an höheren Arbeitslosenversicherungsbeiträgen für niedrige Einkommen. Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl, die der ÖVP angehört, wird mit der Aussage zitiert, man wolle damit dem Trend zu Teilzeitarbeit entgegenwirken. Sie verweist zudem auf vorgesehene Offensivmaßnahmen zum Ausbau der Kinderbetreuung.
Die Armutskonferenz fordert, Kürzungen zu überdenken, die besonders armutsgefährdete Menschen treffen, und das Doppelbudget für 2027 und 2028 entsprechend anzupassen.
Vorschläge gegen Kinderarmut
Es wird beschrieben, dass sich Kinderarmut auf den Fortschritt in der Bildungs- und Lebensgeschichte auswirkt und dass eine Reduktion von Kinderarmut in den nächsten Jahren weniger Kosten verursachen würde.
Als denkbare Gegenmaßnahme nennt Martin Schenk eine Kindergrundsicherung. Zudem spricht er einen guten Ausbau des Chancenbonus in den Schulen als weitere Maßnahme an.








