„`html
Die Arbeitslosigkeit bei Frauen über 50 Jahren ist in Vorarlberg im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 19,4 Prozent gestiegen. Die Arbeitsmarktexpertin Ingrid Mairhuber von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt in Wien bringt diese Entwicklung im Gespräch mit dem ORF Vorarlberg mit der schrittweisen Erhöhung des Pensionsantrittsalters für Frauen in Verbindung, die seit Jänner 2024 läuft.
Deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit in Vorarlberg
Im Juli waren in Vorarlberg 10.555 Menschen beim AMS als arbeitssuchend gemeldet. Das entspricht einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders stark betroffen ist die Altersgruppe der über 50-Jährigen: Hier stieg die Arbeitslosigkeit um 16,2 Prozent. Innerhalb dieser Gruppe zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern. Während die Arbeitslosigkeit bei Männern über 50 um 13,6 Prozent zunahm, lag der Anstieg bei Frauen über 50 bei 19,4 Prozent.
Ingrid Mairhuber verweist darauf, dass die Erwerbslosigkeit von Frauen ab 60 Jahren bereits wenige Monate nach dem Start der Anhebung des Pensionsantrittsalters stark angestiegen ist. Die Anhebung begann im Jänner 2024. Das Pensionsantrittsalter für Frauen liegt derzeit bei 61 Jahren und sechs Monaten und wird in den kommenden Jahren weiter angehoben, bis es in sieben Jahren bei 65 Jahren liegen wird.
Als einen möglichen Faktor nennt Mairhuber den Wegfall von Bonuszahlungen, die Frauen bislang erhielten, wenn sie über das reguläre Pensionsantrittsalter hinaus arbeiteten. Durch die Anhebung des Pensionsalters entfällt dieser finanzielle Anreiz, da sich der Bezugspunkt für solche Zahlungen verschiebt. Mairhuber spricht sich zugleich gegen eine spätere Pension für Männer aus.
Stufenweise Anhebung des Pensionsantrittsalters
Die schrittweise Angleichung des Pensionsantrittsalters von Frauen an jenes der Männer ist ein langfristig angelegter Prozess, der bereits vor Jahren gesetzlich beschlossen wurde. Grundsätzlich sieht ein solches Modell vor, das Antrittsalter in regelmäßigen Abständen um einige Monate anzuheben, um einen abrupten Einschnitt für die Betroffenen zu vermeiden. Damit verschiebt sich der Zeitpunkt, ab dem Frauen ohne Abschläge in Pension gehen können, über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich nach hinten.
Für den Arbeitsmarkt bedeutet eine solche Anhebung grundsätzlich, dass mehr Frauen im höheren Alter länger erwerbstätig bleiben oder zumindest dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen müssen, bevor sie Anspruch auf die reguläre Alterspension haben. Ob Betroffene in dieser Zeit tatsächlich eine Beschäftigung finden oder halten können, hängt von verschiedenen Rahmenbedingungen ab, etwa von der Nachfrage nach älteren Arbeitskräften in einzelnen Branchen sowie von gesundheitlichen und familiären Voraussetzungen.
Bonusregelungen für einen späteren Pensionsantritt sind in vielen Pensionssystemen ein gängiges Instrument, um einen Verbleib im Erwerbsleben über das reguläre Antrittsalter hinaus finanziell attraktiver zu machen. Verschiebt sich das reguläre Antrittsalter selbst nach hinten, verändert sich damit auch der Zeitraum, in dem solche Bonuszahlungen wirksam werden können. Für Arbeitnehmerinnen kann das bedeuten, dass sich der wirtschaftliche Anreiz, über das bisher gewohnte Alter hinaus zu arbeiten, gegenüber der bisherigen Regelung verändert.
Der Arbeitsmarkt für Menschen über 50 gilt allgemein als besonders sensibel gegenüber konjunkturellen Schwankungen. Ältere Arbeitssuchende sind bei einem Stellenverlust häufig länger auf Arbeitssuche als jüngere Beschäftigte, was sich in den Arbeitslosenstatistiken entsprechend niederschlagen kann. Wie stark einzelne Faktoren wie gesetzliche Änderungen, demografische Entwicklungen oder branchenspezifische Entwicklungen zu den aktuellen Zahlen in Vorarlberg beitragen, lässt sich aus den vorliegenden Werten allein nicht abschließend trennen.
„`







