Die anhaltend hohe Hitze lässt die Wassertemperaturen in Vorarlberger Badegewässern deutlich steigen und begünstigt damit das Auftreten der sogenannten Badedermatitis. In Bregenz wurden zuletzt in Ufernähe, in etwa 0,5 Meter Tiefe, Wassertemperaturen von rund 27 Grad gemessen. Beim Baden in stehenden und seichten Gewässern kann es bei solchen Bedingungen zu Hautveränderungen wie Rötungen oder juckenden Quaddeln kommen. Laut Kinderärzten gibt es aktuell aber noch keine Häufung entsprechender Fälle.
Hohe Wassertemperaturen als Auslöser
Verantwortlich für die Hautreaktionen sind Zerkarien, die Larven bestimmter Saugwürmer, die natürlicherweise im Wasser vorkommen können. Wenn das Badewasser über längere Zeit mehr als 24 bis 26 Grad Celsius aufweist, können laut Gerhard Hutter von der Abteilung Gewässergüte des Umweltinstituts Vorarlberg gehäuft Fälle von Badedermatitis auftreten. Der Kontakt mit den Larven kann beim Menschen eine allergische Reaktion auslösen. Typische Symptome sind Hautjucken, gerötete Hautstellen oder ein Ausschlag mit kleinen Pusteln.
Zerkarien sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Sie befallen eigentlich Wasservögel wie Enten, der Mensch ist für sie lediglich ein sogenannter Fehlwirt. Die erwachsenen Saugwürmer leben in den Vögeln und produzieren Eier, die mit den Exkrementen ins Wasser gelangen. Dringen die daraus entstehenden Larven in menschliche Haut ein, können sie dort nicht weiter vordringen und sterben ab. Der Befall bleibt oberflächlich und wird als ungefährlich eingestuft.
Die Bildung von Zerkarien hat laut Umweltinstitut Vorarlberg nichts mit der Wasserqualität zu tun. Diese sei an allen Badestellen im Land aktuell ausgezeichnet, wie das Institut mitteilt. Für Mitte August sind erneute Messungen der Wasserqualität an den Vorarlberger Badegewässern geplant.
Verbreitung im Süß- und Salzwasser
Zerkarien können sowohl im Süß- als auch im Salzwasser gebildet werden. Eine Badedermatitis kann daher grundsätzlich auch im Urlaub am Meer auftreten, nicht nur an heimischen Seen oder Flussufern. Betroffen sind vor allem Bereiche mit stehendem oder seicht auslaufendem Wasser, in denen sich Wasservögel und damit auch die Larven bevorzugt aufhalten.
Empfohlene Vorsichtsmaßnahmen
Um das Risiko einer Hautreaktion zu verringern, wird empfohlen, nach dem Baden sofort zu duschen, den Körper mit einem Tuch abzutrocknen und nasse Badebekleidung zu wechseln. Zusätzlich wird geraten, Enten und andere Wasservögel an Badegewässern nicht mit Futter anzulocken, da sich dadurch mehr Tiere und in der Folge auch mehr Larven im jeweiligen Gewässerbereich ansammeln können.
Grundsätzlich gilt Badedermatitis als eine der häufigeren, aber vergleichsweise harmlosen Hautreaktionen im Zusammenhang mit dem Baden in natürlichen Gewässern. Der Verlauf ist in der Regel selbstlimitierend, da die Larven im menschlichen Körper nicht überleben können und die Beschwerden nach einiger Zeit von selbst abklingen. Eine ärztliche Behandlung ist bei den typischen Symptomen üblicherweise nicht zwingend erforderlich, kann bei stärkeren Beschwerden aber sinnvoll sein. Da Kinder häufig in seichten Uferbereichen spielen, in denen sich Wasservögel und Larven bevorzugt aufhalten, gelten sie allgemein als eine Gruppe, die von solchen Hautreaktionen öfter betroffen sein kann.
Für die kommenden Wochen bleibt die Wassertemperatur ein zentraler Faktor: Je länger warme Bedingungen in stehenden oder seichten Gewässern anhalten, desto günstiger sind die Voraussetzungen für eine verstärkte Zerkarienbildung. Die für Mitte August angekündigten Messungen sollen zeigen, wie sich die Situation an den Vorarlberger Badestellen weiterentwickelt.








