Ehemaliges Kabelwerk in Wien-Meidling: Neue Gedenktafel erinnert an NS-Zwangsarbeit
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Gedenktafel erinnert an NS-Zwangsarbeit im ehemaligen Kabelwerk in Wien-Meidling

Im heutigen Wohnviertel „Kabelwerk“ in Wien-Meidling erinnert eine neue Gedenktafel an ein ehemaliges NS-Zwangsarbeiterlager. An einer Wand der früheren Kabel- und Drahtwerke AG (KDAG) wurde dazu an einem Mittwoch eine Tafel enthüllt.

Die Gedenktafel ruft die Schicksale jener Menschen in Erinnerung, die auf dem Areal zur Zwangsarbeit verpflichtet waren. Sie befindet sich an einer Backsteinwand der früheren KDAG in der Oswaldgasse im Bezirksteil Altmannsdorf, neben dem Eingang zum Vorhof des „Theater am Werk“.

Erinnerung an deportierte Ungarinnen und Ungarn

Auf der Gedenktafel wird den deportierten jüdischen Frauen und Männern aus Ungarn gedacht, die dort in der Zeit des Nationalsozialismus von 1944 bis April 1945 Zwangsarbeit leisten mussten. Bezirksvorsteher Wilfried Zankl (SPÖ) sprach bei einem kurzen Festakt zur Enthüllung von vielen Menschen, die dort zur Arbeit gezwungen worden seien und unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt gewesen seien.

Zankl bezeichnete die Gedenktafel als Zeichen des Erinnerns und der Verantwortung unter dem Credo „Niemals vergessen“ und betonte, hinter den Namen auf den Tafeln stünden individuelle Schicksale. Nach seinen Angaben ging die Initiative für die Gedenktafel ursprünglich von einem Bewohner des Kabelwerks aus.

Historische Einordnung durch Bezirksmuseum

Hans Werner Bousska vom Bezirksmuseum Meidling schilderte, dass bereits vor 1944 Italiener, Ukrainer und Franzosen als Kriegsgefangene in der KDAG Zwangsarbeit leisten mussten. Er datierte diese Zwangsarbeit in die Zeit nach der Okkupation Österreichs durch das Deutsche Reich 1938 und nach Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939.

Laut Bousska wurden später aus Debrecen deportierte Ungarinnen und Ungarn zunächst in die Volksschule Bischoffgasse in Schönbrunn gebracht, die als Außenstelle des Konzentrationslagers Mauthausen geführt wurde. Dort seien 3.964 Menschen untergebracht worden. Die Schule existiert nach dieser Darstellung bis heute.

Bousska beschrieb, dass Männer und Frauen damals jeden Tag den „Grünen Berg“ hinauf zur Zwangsarbeit in die KDAG getrieben worden seien. Den umliegenden Bewohnern sei es bei Strafe verboten gewesen, den Häftlingen etwa Äpfel oder Birnen zuzustecken. Bei der Ankunft in der KDAG seien die Häftlinge durchsucht worden, um ihnen gegebenenfalls zugestecktes Essen abzunehmen.

Lagerauflösung und Deportationen

Das Zwangsarbeiterlager im Bereich des heutigen Kabelwerks wurde rund um das Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 aufgelassen. Laut Bezirksmuseum wurden viele Häftlinge, darunter Männer, Frauen und Kinder, in das Konzentrationslager Bergen-Belsen gebracht.

Nach Angaben des Bezirksmuseums Meidling kamen in Bergen-Belsen hauptsächlich in der Gefangenschaft geborene Kinder durch Hunger und Infektionskrankheiten ums Leben.

Vom Industriebetrieb zum Wohnviertel

Die Kabel- und Drahtwerke AG wurden 1897 gegründet und produzierten über mehr als 100 Jahre Kabel und Drähte. Nach der Übernahme durch Siemens Austria wurde der Betrieb 1997 geschlossen.

Auf dem ehemaligen Werksareal entstand in der Folge das moderne Wohnviertel „Kabelwerk“. Heute befindet sich dort unter anderem das „Theater am Werk“, neben dessen Vorhof-Eingang die Gedenktafel angebracht ist.

Rolle öffentlicher Erinnerung

Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler, parteilos und von der SPÖ nominiert, sprach ebenfalls bei der Veranstaltung. Sie sagte, Geschichte entstehe, indem man zurückblicke und neu lesen lerne. Sie berichtete, in der Nähe aufgewachsen zu sein und damals nichts von dem Leid in der Kabelfabrik erfahren zu haben.

Kaup-Hasler erklärte, vor 40 bis 50 Jahren sei niemand darum bemüht gewesen, diese Vergangenheit aufzuarbeiten. Erst durch die „Affäre Waldheim“ Mitte der 1980er-Jahre habe sich in Österreich das Bewusstsein durchgesetzt, dass Nationalsozialisten auch in Österreich unter den Menschen gelebt hätten. Sie betonte, im öffentlichen Raum sichtbare Zeichen setzen zu wollen, die zum Innehalten anregen, und begründete dies auch damit, dass in der Gegenwart, insbesondere in sozialen Medien, wieder Hass gepredigt und Feindbilder erzeugt würden.