Eurovision in Wien: Proteste gegen Israels Teilnahme und Kundgebung für Solidarität
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Proteste und Gegenkundgebung zum Eurovision Song Contest in Wien

In Wien haben am Samstagnachmittag rund um das Finale des 70. Eurovision Song Contests mehrere politische Aktionen stattgefunden. Neben einer Demonstration gegen die Teilnahme Israels gab es auch eine Kundgebung gegen Antisemitismus.

An der Demonstration beteiligten sich einige hundert Personen. Sie protestierten gegen die Teilnahme Israels am Song Contest und führten ihre Aktion unter dem Motto „Keine Bühne für den Völkermord“ durch.

Demonstrationszug zur Wiener Stadthalle

Der Demonstrationszug startete um 14.00 Uhr am Christian-Broda-Platz beim Westbahnhof. Von dort zogen die Teilnehmenden über die Schmelzbrücke hinter die Wiener Stadthalle. Das Ende der Demonstration war für 17.00 Uhr geplant.

Während des Zuges waren zahlreiche Palästina-Fahnen zu sehen. An der Demonstration nahm auch der palästinensische Botschafter in Österreich, Salah Abdel Shafi, teil. Er bezeichnete die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest als „Schande“ und als Versuch, Völkermord zu normalisieren. Zudem erklärte er, Kunst sei niemals unpolitisch und man sei vereint in Liebe und Frieden, aber nicht im Genozid.

Die Organisationsgruppe der Demonstration äußerte kein Verständnis für die Teilnahme Israels am Wettbewerb. In einer Stellungnahme wurde kritisiert, dass trotz eines behaupteten Waffenstillstands täglich Palästinenserinnen und Palästinenser im Gazastreifen umgebracht würden und Hilfsgüter weiter zurückgehalten würden. Zudem sei Israel im Rahmen des Song Contests eine „Propaganda-Bühne“ geboten worden. Die Organisation führte außerdem an, die geschätzten rund 23 Millionen Euro Kosten für den Song Contest könnten aus ihrer Sicht besser in die Mindestsicherung oder den öffentlichen Verkehr investiert werden.

Kundgebung gegen Antisemitismus am Urban-Loritz-Platz

Ebenfalls am Samstag fand in Wien Protest gegen einen als „grassierenden antizionistischen Boykott-Wahnsinn“ bezeichneten Zustand statt. Am Urban-Loritz-Platz waren von 14.00 bis 21.00 Uhr eine Kundgebung und ein Infostand geplant.

Veranstalter dieser Aktion waren das Bündnis gegen Antisemitismus und Artists Against Antisemitism Wien. Sie wollten nach eigenen Angaben ein „Zeichen für Gastfreundschaft und Solidarität“ setzen. Aktivisten verteilten einen Leitfaden mit dem Titel „12 Punkte gegen Antisemitismus“.

In diesem Leitfaden wurde unter anderem dazu aufgerufen, soziale Medien kritisch zu hinterfragen und antisemitische Vorfälle konsequent bei der Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) zu melden. Die Organisatorinnen und Organisatoren betonten, weiterhin entschieden gegen jeden Antisemitismus Stellung zu beziehen. Dies gelte nach ihren Angaben ebenso für Rassismus, Sexismus und andere Formen von Diskriminierung. In einer Zeit von „globalen Intifada“-Rufen und Brandanschlägen sei Wegsehen aus ihrer Sicht keine Option mehr.

Laut Polizei kam es bei sämtlichen bisherigen Veranstaltungen zu keinen Zwischenfällen; sie verliefen demnach ruhig.