Eurovision Song Contest 2026 in Wien von Boykotten und Protesten begleitet
Der Eurovision Song Contest 2026 findet in der Wiener Stadthalle statt und ist von politischen Debatten geprägt. Erstmals in der Geschichte des Bewerbs legen laut Bericht fünf öffentlich-rechtliche TV-Stationen aufgrund der Teilnahme Israels einen Boykott ein.
Mehrere Länder verzichten heuer auf eine Teilnahme: Irland, die Niederlande, Slowenien, Spanien und Island sind laut Bericht nicht beim Bewerb vertreten. Rund um das Finale am Samstag werden in Wien weitere Protestveranstaltungen erwartet.
Politische Dimensionen des Song Contest
Der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier wird als Experte zum Verhältnis von Song Contest und Politik herangezogen. Er erklärt, die Punktevergabe sei auch eine politische Botschaft zwischen den teilnehmenden Nationen. Statistisch sei nachgewiesen, dass benachbarte Länder einander tendenziell mehr Punkte geben; als Beispiele nennt er Zypern und Griechenland, die baltischen Staaten sowie Länder des ehemaligen Jugoslawiens.
Filzmaier weist darauf hin, dass Liedtexte politisch seien und es naiv wäre, das Gegenteil anzunehmen. Er schildert außerdem, dass in Spanien bis in die 1970er Jahre ein diktatorisches Regime unter General Franco geherrscht habe, das das Singen auf Katalanisch oder Baskisch verboten und Spanisch vorgeschrieben habe. Unter diesen Umständen habe Österreich seine Teilnahme am Song Contest einmal verweigert.
Frühe Boykotte und politische Lieder
1968 gewann Massiel aus Spanien den Eurovision Song Contest. Im Folgejahr wurde der Bewerb nach Spanien vergeben. Der Auftritt und Sieg Massiels wird in dem Zusammenhang mit dem ersten Song-Contest-Boykott der Geschichte genannt.
In den 1970er und 1980er Jahren beschäftigten sich laut Bericht immer mehr Song-Contest-Beiträge mit sozialpolitischen Bewegungen. Als Beispiel wird Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ aus dem Jahr 1982 angeführt. Für Österreich sang Simone 1990 „Keine Mauern mehr“, während Toto Cutugno aus Italien im selben Jahr mit „Insieme“ („Gemeinsam“) gewann.
Filzmaier wird mit der Einschätzung zitiert, dass nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zerfall des Ostblocks ein vereinigtes Europa politischer Zeitgeist gewesen sei und sich dies auch in den Liedern widerspiegelt habe. Genannt werden zudem Themen wie Friedens- und Umweltbewegung.
Selbstdarstellung und sexuelle Identität
Laut Bericht nutzten autoritär regierte Länder Song-Contest-Auftritte wiederholt, um ihr Image zu verbessern. Als Beispiel wird der Auftritt des russischen Duos t.A.T.u. im Jahr 2003 genannt. Die Gruppe trat mit einer angedeuteten lesbischen Beziehung auf und galt damit als Beispiel dafür, wie sich Russland dem Westen weltoffen und liberal präsentierte, während im eigenen Land die Rechte von LGBTQI+-Personen zunehmend eingeschränkt wurden.
Ab den späten 1990er Jahren spielte sexuelle Freiheit beim Song Contest dem Bericht zufolge eine immer größere Rolle. 1998 gewann Dana International, eine transsexuelle Israelin, den Wettbewerb. Dieser Sieg wird als Auftakt für politische Debatten über Geschlechtsidentität und die Rechte sexueller Minderheiten im Kontext des Song Contest beschrieben.
Aktuelle Debatten rund um Israel
Der Eurovision Song Contest 2026 ist laut Bericht von Diskussionen rund um die Militäroffensive Israels geprägt. Diese Offensive wird als Reaktion auf den Überfall der palästinensischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 beschrieben. Bei diesem Angriff wurden demnach rund 1.200 Menschen in Israel getötet, etwa 250 Personen wurden als Geiseln verschleppt.
Im Zusammenhang mit diesen Ereignissen wird die Teilnahme Israels als Grund für den Boykott der fünf öffentlich-rechtlichen TV-Stationen genannt. Details zu diesen Anstalten werden im Bericht nicht ausgeführt.
Proteste in Wien und Nakba-Gedenken
Rund um das Finale in der Wiener Stadthalle werden in der Stadt weitere Protestveranstaltungen erwartet. Für den Freitag vor dem Finale ist ein „Song Protest“ angekündigt. Ursprünglich sollte diese Kundgebung in der Venediger Au beim Prater stattfinden, wurde laut Bericht aber wegen Auflagenproblemen auf den Maria-Theresia-Platz verlegt.
Der Maria-Theresia-Platz liegt unweit der „MQ Kantine“ im Wiener MuseumsQuartier, die als offizielles Fan-Café für den israelischen Teilnehmer Noam Bettan geführt wird. In der Nähe befindet sich auch das Eurovision Village am Rathausplatz.
Der Wiener Landespolizeivizepräsident Dieter Csafan erklärte zur Verlegung des „Song Protest“, der ursprüngliche Veranstaltungsort habe die behördlichen Auflagen nicht erfüllt. Der gewünschte Ersatzort sei geprüft und genehmigt worden; es habe nichts gegen ihn gesprochen.
Der 15. Mai wird im Bericht als Nakba-Gedenktag bezeichnet. An diesem Tag wird an die Flucht und Vertreibung von etwa 700.000 bis 750.000 Palästinensern während der Gründung des Staates Israel und des ersten Arabisch-Israelischen Krieges 1948 erinnert. Dieser Gedenktag soll eine zentrale Rolle beim „Song Protest“ einnehmen.







