Klagenfurt untersucht Nutzung von Tiefengeothermie für Fernwärme
In Klagenfurt wird das Potenzial der Tiefengeothermie als zusätzliche Energiequelle für die Fernwärmeversorgung untersucht. Die Stadtwerke Klagenfurt haben dazu ein langfristig angelegtes Projekt für das kommende Jahrzehnt gestartet.
Derzeit nutzt rund jeder zweite Haushalt in Klagenfurt Fernwärme. Diese stammt zu 90 Prozent aus Biomasse, Leistungsspitzen werden mit Gas und Öl abgedeckt.
Groß angelegtes Untersuchungsgebiet
Das Untersuchungsgebiet für die Tiefengeothermie umfasst 630 Quadratkilometer in Klagenfurt und 22 Umlandgemeinden. Ziel ist es, die geologischen Verhältnisse im Untergrund besser zu verstehen und die Eignung für eine mögliche Nutzung heißer Tiefenwässer zu prüfen.
Heinz Koch, Bereichsleiter für Fernwärme bei den Stadtwerken Klagenfurt, verweist darauf, dass es derzeit zwei Abschätzungen zu den geologischen Verhältnissen unter dem Klagenfurter Becken gibt. Bisher habe im Rahmen dieses Projekts noch niemand in den Boden unter dem Becken geschaut. Koch rechnet im Bereich der Bruchzone, in der Klagenfurt liegt, mit geologischen Verschiebungen.
Das Projekt ruft bei der Wissenschaft großes Interesse hervor. Neben den Kärntner Landesgeologen sind Spezialisten aus Graz und Leoben eingebunden.
Messkampagne mit passiver Seismik
Im August und September sollen 320 kleine Messgeräte im Projektgebiet aufgestellt werden. Diese Seismometer werden im Bereich des Klagenfurter Beckens vergraben, messen 30 Tage lang Bodenschwingungen und zeichnen diese auf. Das eingesetzte Verfahren wird als passive Seismik bezeichnet.
Nach Darstellung von Heinz Koch handelt es sich dabei um ein relativ kostengünstiges und innovatives Messverfahren. Die aufgezeichneten Daten sollen mit Rechenalgorithmen ausgewertet werden, um einen Blick in die Tiefe des Untergrunds zu gewinnen. Laut bisheriger Beschreibung ist derzeit nicht bekannt, wie die geologischen Verhältnisse unterhalb des Klagenfurter Beckens genau sind.
Mögliche Energiequelle aus großer Tiefe
Bei Tiefengeothermie wird heißes Wasser aus dem Inneren der Erde für die Heizung von Gebäuden genutzt. Im Zusammenhang mit dem Projekt wird Tiefengeothermie als Grundlastenergie beschrieben, die das ganze Jahr zur Verfügung steht, sowie als Energiequelle mit unerschöpflichem Vorrat. Es wird dargestellt, dass einmal erschlossenes heißes Wasser aus dem Erdinneren immer zur Verfügung stünde.
Für die Umsetzung von Tiefengeothermie-Projekten werden Bohrungen in bis zu vier Kilometer Tiefe benötigt. Nach Angaben von Heinz Koch ist die Grundinvestition für Tiefengeothermie sehr hoch. Die Energie aus dem Erdboden selbst koste seiner Darstellung nach nichts. Die hohen Anfangsinvestitionen könnten sich relativieren, wenn ganzjährig Energie aus dem Boden gewonnen werden kann. Koch führt aus, dass man über viele Jahre Energie haben könne, die nach getätigter Investition nichts mehr koste.
Im Rahmen des Projekts wird von einer potenziellen Leistung der Tiefengeothermie von 15 bis 20 Megawatt ausgegangen. Mit dieser Leistung könnten mehr als 20.000 Haushalte versorgt werden. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass die tatsächlich erreichbare Leistung noch nicht gesichert ist.
Langer Zeithorizont und offene Fragen
Erste Messergebnisse der Untersuchungen werden frühestens 2027 erwartet. Zwischen den ersten Untersuchungen und einer möglichen Energieproduktion aus Tiefengeothermie könnten mehrere Jahrzehnte vergehen. Es ist offen, ob Tiefengeothermie in Klagenfurt nach Abschluss der Untersuchungen technisch und wirtschaftlich umgesetzt wird und ab wann eine mögliche Energieproduktion beginnen könnte.
Im Zusammenhang mit dem Projekt wird die Hoffnung auf poröses und stark zerklüftetes Konglomerat-Gestein unter dem Klagenfurter Becken beschrieben, in dem Heißwasser zirkulieren könnte. Ob sich solches Gestein mit zirkulierendem Heißwasser tatsächlich dort befindet, ist derzeit unklar.
Ähnliche Geothermie-Projekte entstehen derzeit in Graz und Wien.








