In Meiningen soll mithilfe einer Genossenschaft ein neues Dorfgasthaus entstehen. Seit einem Jahr gibt es im Ort keine solche Einrichtung mehr. Thomas Muther und der Architekt Ulrich Feistenauer haben dafür das Projekt „Frenerhus“ ins Leben gerufen. Anteile daran können für je 500 Euro erworben werden. Ziel ist es, bis Ende 2026 eine halbe Million Euro zusammenzubekommen. Drei Viertel dieser Summe sind bereits erreicht.
Genossenschaft sammelt Geld für altes Gebäude neben der Kirche
Das eingesammelte Kapital soll in den Um- und Ausbau eines 120 Jahre alten Gebäudes neben der Meininger Kirche fließen. Die Genossenschaft selbst würde das künftige Gasthaus nicht betreiben, sondern es an einen Wirt verpachten. Damit bleibt die Trägerschaft von der eigentlichen Gastronomie getrennt.
Das Projekt ist Teil eines Prozesses zur Weiterentwicklung des Dorfzentrums, der in Meiningen bereits seit einigen Jahren läuft. Zwischen dem geplanten Gasthaus und der Kirche ist zudem ein Dorfplatz mit Brunnen und Sitzgelegenheiten vorgesehen. Damit soll im Ortskern ein neuer Treffpunkt entstehen, der über die reine Gastronomie hinausgeht.
Landesförderung für Dorfwirtshäuser
Das Land Vorarlberg hat vor zwei Jahren den sogenannten „Wirtshauspakt“ beschlossen. Damit stehen jährlich 500.000 Euro zur Unterstützung von Dorfgasthäusern zur Verfügung. Nach Angaben der Wirtschaftskammer gibt es aktuell 152 Dorfgasthäuser in Vorarlberg. Das sind etwa zehn mehr als vor zwei Jahren.
Dieser Zuwachs geht laut Wirtschaftskammer allerdings ausschließlich auf Neuübernahmen ehemaliger Dorfgasthäuser zurück. Einige der übernommenen Betriebe sind inzwischen als Pizzerien oder asiatische Lokale geführt worden. Der Gastronomie-Sprecher der Wirtschaftskammer, Mike Pansi, fordert vor diesem Hintergrund eine stärkere Förderung der Branche.
Dorfgasthäuser als Teil des Ortslebens
Dorfgasthäuser erfüllen in kleineren Gemeinden üblicherweise mehrere Funktionen zugleich. Sie dienen nicht nur der Bewirtung, sondern häufig auch als Ort für Vereinssitzungen, Familienfeiern oder informelle Treffen. Fällt ein solcher Betrieb weg, fehlt in vielen Orten ein zentraler sozialer Anlaufpunkt, für den es keinen unmittelbaren Ersatz gibt.
Wirtschaftlich stehen klassische Dorfgasthäuser vielerorts unter Druck. Der laufende Betrieb erfordert grundsätzlich verlässliches Personal, gleichbleibende Öffnungszeiten und oft auch Investitionen in ältere Bausubstanz. Gerade in kleineren Gemeinden mit begrenztem Kundenpotenzial lassen sich diese Kosten nicht immer allein aus dem laufenden Geschäft decken. Genossenschaftliche Modelle, wie sie nun in Meiningen verfolgt werden, verteilen das unternehmerische Risiko auf mehrere Anteilseigner und trennen zugleich Eigentum und Betrieb: Die Trägerschaft stellt die Infrastruktur bereit, während ein Pächter die eigentliche Gastronomie führt. Dieses Modell wird auch andernorts genutzt, um den Fortbestand von Dorfgasthäusern zu sichern, wenn sich für eine klassische Einzelübernahme kein Interessent findet.
Landesförderungen wie der Vorarlberger „Wirtshauspakt“ setzen an einem ähnlichen Punkt an. Solche Programme sollen üblicherweise Investitionskosten abfedern oder Übernahmen erleichtern, etwa wenn ein bestehender Betrieb ohne Nachfolge vor der Schließung steht. Ob und in welchem Umfang einzelne Projekte von solchen Mitteln profitieren, hängt von den jeweiligen Förderkriterien und Antragsverfahren ab.








