Bei Gewittern auf Klettersteigen sollten sich Bergsportlerinnen und Bergsportler im Absturzgelände nicht aus dem Stahlseil aushängen. Das ist das zentrale Ergebnis einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung, an der die Tiroler Bergrettung beteiligt war. Für die Forschung wurden an der TU Graz Versuche mit künstlich erzeugten Blitzen durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigen, dass das Stahlseil eines Klettersteigs wie eine Art Blitzableiter wirkt. Wer sich dennoch aushängt, um dem Seil auszuweichen, geht laut den Forschungsergebnissen ein höheres Risiko ein, da dabei die Gefahr eines Absturzes aus der Wand besteht.
Verhalten am Stahlseil bei Blitzgefahr
Markus Isser, medizinischer Landesausbildungsleiter der Bergrettung Tirol, ging mit einem Team der Frage nach, welches Verhalten am Klettersteig das geringere Risiko birgt. Die Empfehlung lautet, im Absturzgelände am Seil zu bleiben, dabei aber bestimmte Verhaltensregeln zu beachten. Die Beine sollten geschlossen gehalten werden, um eine mögliche Schrittspannung zu reduzieren. Die Hände sollten nicht das Stahlseil berühren. Zudem sollten Ausrüstungsgegenstände aus Metall keinen Kontakt zum Boden haben.
Isser zufolge zeigten die Versuche, dass über ein Plastikseil nur wenig Energie übertragen wird. Karabiner am Klettergurt stellten den Tests zufolge kein zusätzliches Risiko dar, solange sie nicht den Boden berühren. Isser weist zugleich darauf hin, dass es die sicherste Option sei, den Klettersteig zu verlassen, falls das noch rechtzeitig möglich ist.
Als Orientierung für den zeitlichen Abstand zu einem heranziehenden Gewitter nennt Isser die sogenannte 30-Sekunden-Regel: Liegt die Zeitspanne zwischen einem Blitz und dem folgenden Donner unter 30 Sekunden, sollten entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Er weist zudem darauf hin, dass Gewittern häufig bereits Blitze aus zunächst noch blauem Himmel vorausgehen, die als besonders gefährlich gelten.
Schutzverhalten abseits von Klettersteigen
Auch außerhalb von Klettersteigen liefert die Untersuchung konkrete Verhaltensempfehlungen für den Ernstfall im freien Gelände. Isser vergleicht das Verstecken vor einem Blitz bildhaft mit dem Verhalten gegenüber einer Drohne: Man solle sich klein machen und Deckung suchen. Grate und andere exponierte Positionen sollten möglichst verlassen werden. Empfohlen wird, sich mit geschlossenen Füßen auf den Rucksack zu setzen und sich dabei so klein wie möglich zu machen.
Zu Bäumen, Geländeerhebungen oder anderen Personen sollte laut den Forschungsergebnissen ein Mindestabstand von zehn Metern eingehalten werden. Spitze Gegenstände wie Wanderstöcke sollten hingelegt statt aufgestellt werden. Ausdrücklich erwähnt werden dabei auch Stöcke aus Carbon, die den Angaben zufolge ebenfalls gute Leiter sind.
Simulierte Blitze für die Forschung
An den Forschungen waren neben der Bergrettung Tirol auch Forschende der Medizinischen Universität Innsbruck, darunter Wolfgang Lederer, sowie Stephan Pack von der TU Graz beteiligt. Die praktischen Tests fanden in Graz statt. Dabei wurden mit Hilfe von Tesla-Spulen Blitzeinschläge simuliert, um das Verhalten von Stahlseilen, Klettergurten und weiterer Ausrüstung unter realitätsnahen elektrischen Bedingungen zu untersuchen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden zusätzlich in einem wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht.
Elektrische Grundprinzipien bei Blitzschlag
Grundsätzlich sucht sich ein Blitz bei einem Einschlag den Weg des geringsten elektrischen Widerstands zur Erde. Metallische Leiter wie Stahlseile können dabei einen Teil der Energie ableiten und so das Risiko für Personen in unmittelbarer Nähe verringern, sofern kein direkter Körperkontakt zu weiteren spannungsführenden Teilen besteht. Die sogenannte Schrittspannung entsteht, wenn sich die elektrische Spannung im Boden nach einem Einschlag radial ausbreitet und zwischen den Füßen einer Person eine Potentialdifferenz erzeugt. Je größer der Abstand zwischen den Füßen, desto höher kann diese Spannung im Körper ausfallen. Das Zusammenstellen der Füße reduziert diesen Effekt, da die Potentialdifferenz zwischen den Kontaktpunkten am Boden verringert wird. Aus ähnlichen Gründen gelten erhöhte, exponierte Punkte in fre





