Neuer Lipidkonsensus empfiehlt Cholesterin-Test bereits ab 18 Jahren

Hinweis: Dieses Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt und dient der symbolischen Illustration. Es zeigt keine authentische Aufnahme des beschriebenen Ereignisses.

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Der „Österreichische Lipidkonsensus 2026“ wurde veröffentlicht und gibt Medizinerinnen und Medizinern neue Behandlungsempfehlungen zu Cholesterin und anderen Blutfetten. Das Papier legt einen besonderen Fokus auf die Früherkennung von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Koordiniert wurde es von Florian Kronenberg, Leiter des Instituts für Genetische Epidemiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, dem Wiener Mediziner Florian Höllerl sowie Helmut Brath und Gersina Rega-Kaun. Erarbeitet wurde der Konsensus gemeinsam mit 15 österreichischen Fachgesellschaften und veröffentlicht in der „Wiener klinischen Wochenschrift“.

Neue Empfehlungen zur Früherkennung

Der Lipidkonsensus enthält konkrete Vorgaben zur Bestimmung von Blutfettwerten. So soll ein erstes Lipidprofil bereits im Alter von 18 bis 20 Jahren erstellt werden. Ein besonderer Stellenwert kommt dabei dem Lipoprotein(a), kurz Lp(a), zu: Jede fünfte Person weist einen Wert auf, der das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich erhöht. Die Empfehlung der Koordinatoren lautet daher, dass der Lp(a)-Wert bei jedem Erwachsenen mindestens einmal im Leben gemessen werden soll.

Nach den im Konsensus genannten Berechnungen könnten bei 10.000 getesteten Menschen 60 Herzinfarkte, 13 Schlaganfälle und 26 Todesfälle verhindert werden. Drei von vier Betroffenen hatten vor einem Herzinfarkt keine Behandlung erhalten. Bei jungen Männern wird im Zuge der Stellung für den Wehrdienst bereits ein Blutbild erstellt, das nach den Vorstellungen der Autoren stärker für die Lipiddiagnostik genutzt werden könnte.

Das Papier widmet sich zudem ausdrücklich geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Österreich sterben 37 Prozent der Frauen und 31 Prozent der Männer an solchen Erkrankungen. Herzinfarkte verlaufen bei Frauen anders als bei Männern, zudem erhalten Frauen seltener eine adäquate Therapie. Diesen Unterschieden widmet der Konsensus ein eigenes Kapitel.

Als eine der wirksamsten Stellschrauben nennt das Papier den Lebensstil: Durch Maßnahmen wie eine angepasste Ernährung oder regelmäßigen Sport lässt sich der Cholesterinspiegel um 10 bis 15 Prozent verbessern. Gleichzeitig verweisen die Koordinatoren auf eine geringe Beteiligung an bestehenden Vorsorgeangeboten. Derzeit nehmen knapp 19 Prozent der Bevölkerung an Vorsorgeuntersuchungen teil.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen als führende Todesursache

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen in Europa zu den häufigsten Todesursachen überhaupt. Dazu gehören unter anderem Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Erkrankungen des Gefäßsystems. Grundsätzlich gelten erhöhte Cholesterinwerte als einer der zentralen Risikofaktoren, da sich Fette über Jahre in den Gefäßwänden ablagern und diese verengen können. Dieser Prozess verläuft meist schleichend und bleibt oft lange unbemerkt, bis es zu einem akuten Ereignis wie einem Herzinfarkt kommt.

Lipoprotein(a) unterscheidet sich von anderen Blutfettwerten dadurch, dass es überwiegend genetisch bedingt und durch Lebensstiländerungen kaum beeinflussbar ist. Ein erhöhter Wert lässt sich daher nur durch eine gezielte Blutuntersuchung feststellen. Da die Konzentration im Lauf des Lebens weitgehend stabil bleibt, reicht in der Regel eine einmalige Messung aus, um das individuelle Risiko einschätzen zu können.

Vorsorgeuntersuchungen dienen allgemein dazu, Risikofaktoren zu erkennen, bevor sich Beschwerden zeigen. Dazu zählen neben der Bestimmung von Blutfettwerten üblicherweise auch die Messung von Blutdruck und Blutzucker sowie die Erhebung von Gewicht und Lebensgewohnheiten. Fachgesellschaften weisen regelmäßig darauf hin, dass eine frühzeitige Erkennung von Risikofaktoren die Grundlage für eine rechtzeitige Behandlung bildet und damit das Auftreten schwerer Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall verringern kann.