Ein Forscherteam von Joanneum Research arbeitet an einem neuen Modell, das Hangrutschungen künftig besser berechenbar machen soll. Das Modell verknüpft Wetterprognosen mit geologischen Informationen. Erste Visualisierungen der Gefahrenlage sollen bis Ende des Jahres 2026 vorliegen.
Projekt ALaDyn nimmt Hangbewegungen ins Visier
Das Forschungsprojekt trägt den Namen ALaDyn, ausgeschrieben Assessment of Landslide Risk in Dynamic Environments. Geleitet wird es von Margit Kurka, die bei Joanneum Research Digital die Abteilung Geologie und Naturgefahren leitet. Umgesetzt wird das Vorhaben gemeinsam mit dem Institut für Geografie und Raumforschung der Universität Graz sowie einem Ziviltechniker-Büro.
Das Berechnungsmodell stützt sich auf mehrere Datenquellen gleichzeitig: historische Hangrutsch-Ereignisse, aktuelle Wetterdaten, Satelliteninformationen sowie geologische und topografische Daten fließen ein. Aus dieser Kombination entstehen dynamische Gefahrenkarten. Deren Besonderheit liegt darin, dass sich die Gefährdungsbewertung mit jeder neuen Wetterprognose automatisch aktualisiert.
Das Projekt läuft noch bis Juni 2027. Erste Visualisierungen der Gefahrenlage sollen bereits Ende 2026 in Form einer App vorliegen. Joanneum Research stellt dabei klar, dass es sich bei dieser App um einen Forschungsprototyp handelt und noch nicht um ein operatives Frühwarnsystem. In die Entwicklung eingebunden werden laufend Gemeinden, der Katastrophenschutz, die Landesgeologie, Straßenverwaltungen sowie Infrastrukturbetreiber wie die ÖBB.
Regenfälle mit Folgen für die Steiermark
Der Hintergrund für ein solches Vorhersagemodell zeigt sich am Beispiel eines konkreten Ereignisses in der Steiermark: Im August 2023 wurden nach heftigen Regenfällen 935 Hangrutschungen im Land gemeldet. Das Land Steiermark stellte damals rund 12 Millionen Euro für Sofortmaßnahmen zur Beseitigung der Schäden bereit.
Naturgefahren im Zusammenspiel von Wetter und Geologie
Hangrutschungen entstehen grundsätzlich durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Starke oder langanhaltende Niederschläge können den Wassergehalt im Boden erhöhen und damit die Stabilität von Hängen verringern. Welche Flächen dabei besonders gefährdet sind, hängt üblicherweise von der Bodenbeschaffenheit, der Hangneigung und der geologischen Schichtung ab. Deshalb reichen Wetterdaten allein meist nicht aus, um eine verlässliche Risikoeinschätzung zu treffen. Erst die Verbindung mit geologischen und topografischen Informationen ermöglicht eine differenziertere Bewertung einzelner Standorte.
Satellitendaten spielen bei solchen Analysen zunehmend eine Rolle, weil sie großflächige Beobachtungen über längere Zeiträume ermöglichen und so etwa kleinste Bodenbewegungen sichtbar machen können. In Kombination mit historischen Ereignisdaten lassen sich Muster erkennen, die Rückschlüsse auf besonders anfällige Regionen zulassen. Dynamische Modelle, die Prognosen laufend aktualisieren, gelten in der Naturgefahrenforschung allgemein als vielversprechender Ansatz, weil sich Wetterlagen kurzfristig ändern können und statische Karten solche Entwicklungen nur eingeschränkt abbilden.
Für Gemeinden, Katastrophenschutz und Infrastrukturbetreiber sind belastbare Prognosen von besonderem Interesse, da Straßen, Bahnstrecken und Siedlungsgebiete häufig in unmittelbarer Nähe zu hangrutschgefährdeten Bereichen liegen. Die frühzeitige Einbindung dieser Akteure in Forschungsprojekte dient in der Regel dazu, praxisnahe Anforderungen von Anfang an zu berücksichtigen, auch wenn ein daraus entwickeltes Modell zunächst nur als wissenschaftlicher Prototyp getestet wird, bevor es in ein tatsächliches Frühwarnsystem überführt werden kann.
Hinweis zur Faktenprüfung
Diese Informationen wurden mit KI-Unterstützung auf Basis der vorliegenden Daten gegengeprüft und sprachlich aufbereitet. Die Angaben beziehen sich auf den zum Erstellungszeitpunkt verfügbaren Informationsstand.







