Niederösterreich stellt sein Notarztsystem ab 1. April 2027 grundlegend um. Elf der derzeit 32 Notarztstützpunkte im Bundesland sollen dann nicht mehr in ihrer bisherigen Form weitergeführt werden. An ihre Stelle treten sogenannte RTW-C-Standorte, die mit besonders qualifiziertem Personal besetzt sind. Zunächst sollen 26 solcher Standorte eingerichtet werden, bis 2030 ist ein schrittweiser Ausbau auf 86 RTW-C-Standorte in ganz Niederösterreich vorgesehen.
Über die geplante Reform wurde im „NÖ heute“-Sommergespräch am Dienstag diskutiert. Dabei meldete sich Grünen-Landessprecherin Helga Krismer kritisch zu Wort und stellte die rechtliche Basis der Umstellung infrage.
Streit über die gesetzliche Basis der Reform
Krismer bemängelte, dass für die Umstellung des Notarztsystems die gesetzliche Grundlage fehle. Sie verwies dabei auf das mehr als 20 Jahre alte Sanitätergesetz, zu dessen Reform derzeit auf Bundesebene Verhandlungen laufen.
Dieser Einschätzung widersprach Michael Halmich, Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Ethik und Recht in der Notfallmedizin. Ein neues Sanitätergesetz sei für die geplante Umstellung nicht zwingend erforderlich, so Halmich. Eine generelle gesetzliche Lücke sehe er nicht. Auch Wolfgang Frühwirt, Landesrettungskommandant des Roten Kreuzes Niederösterreich, stellte klar: „Für die Umstellung auf das neue System brauchen wir das neue Sanitätergesetz nicht.“ Ob die bestehende gesetzliche Grundlage tatsächlich ausreicht, wird von den beteiligten Seiten damit unterschiedlich bewertet.
Ausbildungsstand bei den Rettungsorganisationen
Alle Notarztstützpunkte, die künftig nicht mehr in der bisherigen Form bestehen, werden zu RTW-C-Standorten umgewandelt. Diese müssen mit Notfallsanitätern besetzt sein, die über die Zusatzkompetenz Venenzugang und Infusionen, kurz NKV, verfügen. Diese Qualifikation zählt zu den höchsten Ausbildungsstufen für Notfallsanitäter in Österreich.
Das Rote Kreuz betreibt den Ausbau der RTW-C-Standorte bereits seit 2021. Hannes Sauer, Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASBÖ) Niederösterreich, betonte, dass die entsprechende Ausbildung der Mitarbeiter schon seit Jahren laufe. Von den rund 10.500 Sanitätern des Roten Kreuzes in Niederösterreich verfügen bereits 1.622 über die NKV-Kompetenz oder eine höhere Qualifikation. Beim ASBÖ sind es 294 von rund 1.700 Sanitätern.
Stufenmodell der Sanitäterausbildung
Die Ausbildung im österreichischen Rettungsdienst ist mehrstufig aufgebaut. Sie beginnt mit dem klassischen Rettungssanitäter, führt über den Notfallsanitäter und reicht bis zum Notfallsanitäter mit Zusatzkompetenzen, zu denen auch die NKV-Qualifikation zählt. Je höher die Ausbildungsstufe, desto umfangreicher sind die medizinischen Maßnahmen, die eigenständig durchgeführt werden dürfen, etwa das Legen von Venenzugängen oder die Verabreichung von Infusionen.
Grundsätzlich unterscheiden sich die Ausbildungswege für Notfallsanitäter international zum Teil deutlich. Helga Krismer kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die Ausbildung von Notfallsanitätern in Österreich im Vergleich zu Deutschland oder der Schweiz deutlich kürzer dauert. In beiden Nachbarländern gelten für die Rettungsdienstausbildung teils andere gesetzliche Rahmenbedingungen und längere Ausbildungszeiten.
Forderung nach begleitender Beobachtung
Niederösterreichs Patientenanwalt Michael Prunbauer forderte im Zusammenhang mit der geplanten Umstellung ein begleitendes Monitoring. Ein solches Monitoring soll üblicherweise dazu dienen, die Auswirkungen struktureller Veränderungen im Gesundheitswesen kontinuierlich zu beobachten und bei Bedarf frühzeitig reagieren zu können. Bei vergleichbaren Reformen im Rettungswesen wird die Versorgungsqualität häufig anhand von Einsatzzeiten, Behandlungsabläufen und Rückmeldungen aus der Praxis überprüft.
Die Umstellung auf das RTW-C-System ist Teil einer längerfristigen Entwicklung im niederösterreichischen Rettungsdienst, die nach den vorliegenden Angaben bereits seit mehreren Jahren vorbereitet wird. Mit dem geplanten Ausbau auf 86 Standorte bis zum Jahr 2030 soll die neue Versorgungs





