Vom mondänen Platz zum Verkehrsknoten: Geschichte des Pratersterns
Der Praterstern im 2. Wiener Gemeindebezirk hat sich im Laufe der Zeit von einem mondänen Platz zu einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt entwickelt. Heute gilt er als größter Kreisverkehr Wiens und verbindet Innenstadt, Prater und Reichsbrücke.
Ein Bildband mit dem Untertitel „Ein Fixstern mit sieben Strahlen“ widmet sich der Geschichte und Entwicklung dieses Platzes. Die Autoren Matthias Marschik und Edgar Schütz beschreiben den Praterstern im Vorwort als mehr als bloße Kreuzung oder Bahnhof und als metaphorisches Kaleidoskop, in dem sich die Wiener Bevölkerung widerspiegelt.
Entstehung und Namensgebung
Die Geschichte des Pratersterns ist mit der Öffnung des Praters für die Bevölkerung im Jahr 1766 durch Joseph II. verknüpft. 1780 ließ Joseph II. den Fugbach zuschütten; an den früheren Wasserlauf erinnert heute die Fugbachgasse zwischen Heinestraße und Nordbahnstraße.
Ausgehend von dieser Entwicklung entstand am Praterstern eine halbkreisförmige Verkehrsfläche mit einem Durchmesser von 340 Metern, von der sieben große Straßen sternförmig wegführen. Der Name „Praterstern“ wurde vom Volksmund geprägt; seit 1879 trägt der Platz offiziell diese Bezeichnung.
Bahnhöfe und frühe Bebauung
Seit 1859 gibt es am Praterstern einen Bahnhof. Er war Teil der Verbindungsbahn und ist heute eine S-Bahn-Station auf der S-Bahn-Stammstrecke. In der Umgebung hatten der Nordbahnhof und der Nordwestbahnhof eine wichtige Bedeutung.
Frühe Bilder zeigen Pferdefuhrwerke, Straßenbahnen und zahlreiche Passanten. Zu den prägenden Bauten rund um den Platz zählten das Riesenrad, das Gebäude des Zirkus Busch, das alte Planetarium und das Denkmal für k. k. Vizeadmiral Wilhelm von Tegetthoff. Dieses Denkmal war fast 25 Meter hoch und markierte den Mittelpunkt des Platzes.
Kriegsfolgen und Umbau zum Kreisverkehr
Im Zweiten Weltkrieg wurden mehrere Gebäude am Praterstern zerstört, darunter der Nordbahnhof. Dessen Ruine blieb bis 1965 bestehen, bevor sie abgerissen wurde. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde aus dem sternförmigen Platz ein bis zu fünfspuriger Kreisverkehr.
Im Zuge dieser Umgestaltung wurde das Tegetthoff-Denkmal an den Rand des Platzes verlegt. Seither gilt der Praterstern als für Fußgänger schwer passierbar; wer ihn zu Fuß umrunden will, muss viele Zebrastreifen überqueren.
Heutiges Stadtbild rund um den Praterstern
An der Stelle des früheren Nordbahnhofs steht heute ein Spiegelglaspalast, in dem die ÖBB Infrastruktur AG ihre Zentrale hat. Auf der anderen Seite der Bahntrasse befindet sich das Haus der Wiener Wirtschaftskammer. An der Ecke zur Heinestraße steht das in den 1950er-Jahren errichtete Hochhaus am Praterstern, in dem die VHS Leopoldstadt untergebracht ist.
Seit fast 100 Jahren besteht an der Ecke Praterstraße das Gasthaus Hansy, das als gutbürgerliches Gasthaus und kulinarische Institution am Praterstern beschrieben wird. Einen Bereich zwischen Heinestraße und Praterstraße wird als jener Teil rund um den Platz hervorgehoben, in dem sich die frühere Lebendigkeit des Pratersterns am ehesten noch vorstellen lässt.
Sicherheitsdebatte und neue Nutzung
Der Praterstern galt lange Zeit als Kriminalitäts-Hotspot. 2008 wurde ein neuer Bahnhof eröffnet. 2018 wurde am Platz ein Alkoholverbot eingeführt, 2019 folgte ein Waffenverbot. Diese Maßnahmen sowie der Neubau des Bahnhofs werden als Faktoren genannt, die die Situation am Praterstern verbessert haben. Das Alkoholverbot gilt nur für den Platz selbst, nicht für die Lokale vor Ort.
Am Lokal „Bier & Zeit“ hängt ein Schild mit der Aufschrift „Ruhe bitte, wir saufen!“. Das Café Engländer betreibt eine Dependance mitten am Praterstern in der ehemaligen Polizei-Wachstube. Dort trafen sich die Buchautoren Marschik und Schütz mit zwei Zeitzeugen, die seit mehr als 70 beziehungsweise fast 90 Jahren am Praterstern wohnen. Diese äußern, dass sich der Platz „gemausert“ habe; einer von ihnen wird mit dem Satz zitiert: „Ich sage ja nicht, dass am Praterstern gar nix passiert. Aber ein Bahnhof ist ein Bahnhof, keine Kirche.“
Bildband und historische Ansichten
Der Bildband „Der Praterstern. Ein Fixstern mit sieben Strahlen“ von Matthias Marschik und Edgar Schütz ist in der Edition Winkler-Hermaden erschienen, umfasst 111 Seiten und kostet 19,90 Euro. Die Autoren haben bereits mehrere ähnliche Bücher über Wien herausgegeben.
Enthalten sind historische Fotos des Pratersterns, darunter Aufnahmen um 1910 mit dem Zirkus Busch sowie um 1965 mit dem damals neuen Kreisverkehr und der Ruine des Nordbahnhofs. Eine abgebildete Karte der Leopoldstadt aus dem Jahr 1835 zeigt den damals noch nicht offiziell so benannten Praterstern deutlich.
Hinweis zur Faktenprüfung
Diese Informationen wurden mit KI-Unterstützung auf Basis der vorliegenden Daten gegengeprüft und sprachlich aufbereitet. Die Angaben beziehen sich auf den zum Erstellungszeitpunkt verfügbaren Informationsstand.








