Schulen in Österreich können ab sofort selbst festlegen, wie sie Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen fördern. Zur Wahl stehen ein separates Modell mit eigenen Deutschförderklassen und ein integratives Modell, bei dem die Kinder in ihrer Stammklasse verbleiben. Die Franz-Jonas-Volksschule in St. Pölten mit 283 Schülerinnen und Schülern nutzt beide Varianten parallel. Von den Kindern der Schule haben 40 geringe Deutschkenntnisse und entsprechenden Förderbedarf.
Zwei Modelle an einer Schule in St. Pölten
An der Franz-Jonas-Volksschule wird neben den bestehenden separaten Deutsch-Klassen nun auch ein integratives Modell angeboten. Beim integrativen Ansatz können Kinder mit Förderbedarf in allen Fächern gemeinsam mit ihrer Stammklasse unterrichtet werden, darunter auch in Mathematik. Die Lernunterlagen sind dabei sprachlich vereinfacht gestaltet. Welches Modell für welches Kind passend ist, wird laut Schule individuell entschieden. Die klassische Deutschförderklasse bleibt weiterhin bestehen und wird nicht ersetzt.
An der Schule werden verschiedene Erstsprachen gesprochen, darunter Türkisch, Italienisch, Griechisch und Arabisch. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) begründete die neue Regelung zu Schulbeginn mit dem Ziel größerer Schulautonomie. In Niederösterreich haben im Jahr 2026 insgesamt 70 Schulen ein eigenes, autonomes Deutschförderkonzept eingereicht.
Bisheriges System der Deutschförderklassen
Seit dem Schuljahr 2018/19 galt für Schulanfänger und Quereinsteiger aus dem Ausland eine verpflichtende Regelung: Wer bei einem Zuteilungstest unzureichende Deutschkenntnisse zeigte, musste eine separate Deutschförderklasse oder -gruppe besuchen. Als außerordentliche Schülerinnen und Schüler wurden diese Kinder bis zu zwei Jahre lang mit maximal 20 Wochenstunden gezielt in Deutsch gefördert. Gemeinsamer Unterricht mit der Stammklasse fand in diesem Modell nur in einzelnen Fächern wie Werken, Musik oder Turnen statt. Die Dauer der Sprachförderung in den separaten Klassen liegt zwischen einem halben und einem ganzen Jahr.
Modelle der Sprachförderung im Vergleich
Grundsätzlich verfolgen separate und integrative Fördermodelle unterschiedliche pädagogische Ansätze. Separate Deutschförderklassen setzen auf intensiven, konzentrierten Sprachunterricht außerhalb der Stammklasse, um in vergleichsweise kurzer Zeit sprachliche Grundlagen zu vermitteln. Befürworter dieses Ansatzes verweisen üblicherweise auf die Möglichkeit einer gezielten und homogenen Förderung ohne Ablenkung durch den regulären Fachunterricht.
Integrative Modelle setzen dagegen auf den durchgehenden Kontakt mit gleichaltrigen Mitschülerinnen und Mitschülern in der Stammklasse. Der Fachunterricht wird dabei sprachlich angepasst, etwa durch vereinfachte Lernunterlagen oder zusätzliche Erklärungen, sodass Kinder mit Förderbedarf inhaltlich mitarbeiten können, während sie gleichzeitig ihre Deutschkenntnisse erweitern. In der Fachdiskussion wird dieser Ansatz häufig mit dem Argument verbunden, dass der soziale Anschluss an die Klassengemeinschaft leichter gelingt und Sprache im alltäglichen Miteinander eingeübt wird.
Welches Modell im Einzelfall geeigneter ist, hängt üblicherweise von mehreren Faktoren ab, etwa vom Sprachstand des Kindes, vom Alter, von der Klassensituation vor Ort und von den vorhandenen personellen Ressourcen einer Schule. Die nun bestehende Autonomie erlaubt es Schulen, diese Entscheidung stärker an die jeweilige Situation vor Ort anzupassen, statt ein einheitliches Modell für alle Kinder verpflichtend vorzugeben.
Für Schulen bedeutet die Einführung eines zusätzlichen Modells in der Regel auch organisatorischen Mehraufwand. Lehrkräfte müssen entscheiden, welches Kind von welchem Ansatz voraussichtlich am meisten profitiert, Unterrichtsmaterialien müssen für den integrativen Unterricht angepasst werden, und der Personaleinsatz muss auf beide Modelle abgestimmt werden. Die Zahl von 70 eingereichten autonomen Konzepten in Niederösterreich zeigt, dass viele Schulen im Bundesland von der neuen Möglichkeit bereits Gebrauch gemacht haben.
Hinweis zur Faktenprüfung
Diese Informationen wurden mit KI-Unterstützung auf Basis der vorliegenden Daten gegengeprüft und sprachlich aufbereitet. Die Angaben beziehen sich auf den zum Erstellungszeitpunkt verfügbaren Informationsstand.







