Siebenjähriges Mädchen in Tirol in schlechtem Gesundheitszustand – Ermittlungen laufen
Ein massiv abgemagertes und verwahrlostes siebenjähriges Mädchen ist Ende April in ein Tiroler Krankenhaus gebracht worden. Die Eltern des Kindes befinden sich seit Mittwoch in Untersuchungshaft und äußern sich bislang nicht zu den Vorwürfen.
Das Mädchen befindet sich nach Angaben des Sprechers der Staatsanwaltschaft Innsbruck, Hans-Jörg Mayr, weiterhin in einem schlechten gesundheitlichen Zustand, ist aber nicht mehr in akuter Lebensgefahr wie Ende April. Das Kind war demnach augenscheinlich äußerst unterernährt, das Körpergewicht lag weit unter dem normalen Gewicht einer Siebenjährigen und war knapp zweistellig.
Gesundheitszustand und Ermittlungen
Laut Hans-Jörg Mayr leidet das Kind an einer schweren und sehr seltenen Hauterkrankung, die in einem drastischen Ausmaß zutage getreten ist. Die Staatsanwaltschaft hat ein gerichtsmedizinisches Gutachten in Auftrag gegeben, das unter anderem die starke Abmagerung des Kindes hinterfragen soll. Mit einem Ergebnis wird in ein paar Wochen gerechnet.
Parallel dazu führt die Staatsanwaltschaft Zeugeneinvernahmen durch. Für das Verfahren werden Zeugen befragt. Ziel ist es nach Angaben der Staatsanwaltschaft, zu klären, wie es zu dem Gesundheitszustand des Mädchens kommen konnte.
Schulpflicht und Kinder- und Jugendhilfe
Nach Angaben von Hans-Jörg Mayr wurde das Kind im häuslichen Unterricht unterrichtet und besuchte keine reguläre Schule. Die Bildungsdirektion Tirol bestätigte, dass das Mädchen zu Hause unterrichtet wurde. Es erschien nicht zum verpflichtenden Reflexionsgespräch Ende des ersten Semesters, woraufhin die Bildungsdirektion anordnete, dass das Kind die Schule besuchen muss. Dieser Anordnung wurde nach Angaben der Bildungsdirektion nicht Folge geleistet.
Laut Bildungsdirektion müsste eine Verletzung der Schulpflicht von der Schulleitung bei der Bezirksverwaltungsbehörde angezeigt werden. Ob eine solche Anzeige erfolgt ist, konnte die Bildungsdirektion nicht beantworten.
Die Tiroler Kinder- und Jugendhilfe war nach Angaben des Landes Tirol mehrfach mit der betroffenen Familie in Kontakt. Das Land bestätigte diese Kontakte, gab aber keine Auskunft dazu, wann der letzte Kontakt stattgefunden hat und warum der Zustand des Mädchens niemandem aufgefallen ist. Weitergehende Informationen wurden mit Verweis auf Datenschutz und gesetzliche Verschwiegenheitsverpflichtungen nicht gegeben.
Ablauf bis zur Festnahme der Eltern
Ende April brachten die Eltern das Mädchen zu ihrer Hausärztin, die das Kind ins Krankenhaus überwies. Dort wurde der Fall der Polizei gemeldet. Nachdem die Eltern das Kind im Krankenhaus abgegeben hatten, waren sie nach Angaben von Hans-Jörg Mayr zunächst nicht mehr greifbar.
In der Folge wurden die Eltern zur Festnahme ausgeschrieben, zuletzt lag auch ein europäischer Haftbefehl gegen sie vor. Im Laufe des Dienstags stellten sie sich der Polizei. Die Eltern schweigen bisher zum Vorwurf der Vernachlässigung. Ihr Anwalt war laut Bericht bislang nicht erreichbar.








