„`html
Im Wissensturm in Linz hat am Freitag, dem 3. Oktober 2026, eine Tagung anlässlich des Welttags „Stimmenhören“ stattgefunden. Veranstaltet wurde sie vom Verein Exit Sozial. Betroffene und Fachleute kamen zusammen, um sich zum Thema Stimmenhören auszutauschen.
Betroffene berichtet von jahrzehntelanger Erfahrung
Eine der Teilnehmerinnen war Oana-Mihaela Iusco. Sie hört seit mehr als 30 Jahren Stimmen und ist heute als Peer-Beraterin tätig. Zudem ist sie Vorstandsmitglied beim Verein Achterbahn Steiermark, einer Selbsthilfeorganisation. Iusco versteht sich als Teil der internationalen Stimmenhör- und Recovery-Bewegung und unterstützt seit zehn Jahren andere Menschen, die ebenfalls Stimmen hören.
Bei der Tagung schilderte Iusco, dass sie wegen ihrer Erfahrungen in der Schule belächelt worden sei. Fachleute wiesen bei der Veranstaltung darauf hin, dass zwischen fünf und zehn Prozent der Menschen im Lauf ihres Lebens Stimmen hören, die für andere nicht wahrnehmbar sind.
Die Psychologin und Psychotherapeutin Raphaela Irene Ulrich nannte bei der Tagung mehrere mögliche Auslöser für das Phänomen. Dazu zählten aus ihrer Sicht Stress, Schlafmangel, traumatische Erfahrungen und Substanzkonsum. Christian Lang, Psychologe bei Exit Sozial, wies darauf hin, dass der Verein in Linz eine Selbsthilfegruppe für Menschen anbietet, die Stimmen hören. Diese Gruppe biete Betroffenen einen geschützten Raum für den Austausch von Erfahrungen.
Stimmenhören als eigenständiges Phänomen
Stimmenhören wird in der Fachwelt nicht grundsätzlich als Symptom einer psychischen Erkrankung betrachtet, sondern zunehmend als ein Phänomen, das Menschen unabhängig von einer Diagnose erleben können. Die internationale Stimmenhör-Bewegung, die in den 1980er-Jahren in den Niederlanden ihren Ursprung nahm, vertritt den Ansatz, dass Betroffene lernen können, mit den Stimmen umzugehen, anstatt sie ausschließlich als krankhaft einzuordnen. Grundsätzlich kann das Hören von Stimmen sehr unterschiedlich ausgeprägt sein: Manche Menschen nehmen gelegentlich einzelne Worte wahr, andere hören über längere Zeiträume hinweg wiederkehrende Stimmen mit eigenem Charakter.
Üblicherweise spielt bei der Einordnung eine Rolle, wie stark die Betroffenen durch die Stimmen im Alltag beeinträchtigt werden. Für manche Menschen sind die Stimmen neutral oder sogar unterstützend, für andere bedeuten sie erhebliche Belastung. Peer-Beraterinnen und Peer-Berater wie Oana-Mihaela Iusco bringen dabei eigene Erfahrungen ein und begleiten Betroffene auf Augenhöhe, was sich von einer klassischen therapeutischen Behandlung unterscheidet, aber diese ergänzen kann.
Selbsthilfe als ergänzendes Angebot
Selbsthilfegruppen wie jene von Exit Sozial in Linz setzen in der Regel auf den Austausch zwischen Betroffenen in einem geschützten Rahmen, ohne dass eine professionelle Behandlung ersetzt werden soll. Solche Gruppen bieten üblicherweise die Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen, Bewältigungsstrategien kennenzulernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Für viele Betroffene stellt der Kontakt zu anderen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen eine wichtige Ergänzung zu ärztlicher oder psychotherapeutischer Betreuung dar.
„`







