Testosteronmangel bei Männern: Die unterschätzte gesundheitliche Herausforderung
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Testosteronmangel bei Männern wird häufig übersehen

Hormonmangel ist als gesundheitliches Thema bei Frauen bekannter als bei Männern. Fachleute weisen darauf hin, dass insbesondere ein Testosteronmangel bei Männern zu verschiedenen Symptomen führen kann.

Diese Beschwerden werden nach Einschätzung von Experten jedoch oft nicht sofort richtig zugeordnet, da sie teilweise unspezifisch sind und auch andere Ursachen haben können.

Rolle von Testosteron im Körper

Testosteron spielt beim Aufbau von Knochen und Muskeln eine Rolle und wird zudem als schützend vor Infektionen beschrieben. Ein Mangel kann sich nach Angaben von Fachärzten in typischen und weniger typischen Anzeichen zeigen.

Der Androloge und Urologe Markus Letsch aus Lustenau nennt Erektionsstörungen und den Verlust der Libido als relativ typische Symptome eines Testosteronmangels. Auch Brustwachstum bei Männern kann aus seiner Sicht ein mögliches Zeichen sein.

Darüber hinaus werden Müdigkeit und Abgeschlagenheit als unspezifische Symptome beschrieben, die ebenfalls bei Testosteronmangel auftreten können. Diese Beschwerden können laut Darstellung jedoch auch psychische Ursachen wie Stress, Depressionen oder Burnout haben.

Diagnose und mögliche Auslöser

Ein Testosteronmangel wird mittels Blutuntersuchung überprüft. In der Andrologie wird bei der Anamnese nach Angaben von Markus Letsch gezielt nach dem sozialen Hintergrund der Patienten sowie nach möglichen Stresssituationen im letzten halben Jahr gefragt. Die Auslöser der Symptome können demnach häufig eine Kombination mehrerer Komponenten sein.

Etwa ein Fünftel der Männer zwischen 60 und 80 Jahren wird als von Testosteronmangel betroffen beschrieben. Es gibt den Angaben zufolge auch deutlich jüngere Männer mit einem entsprechenden Mangel.

In den meisten Fällen ist nach Einschätzung von Letsch Übergewicht ein großer Faktor im Zusammenhang mit Testosteronmangel; er nennt hier einen Anteil von etwa 70 Prozent. Als weitere Faktoren werden koronare Herzerkrankungen und Diabetes angeführt. Beobachtungen zufolge kann sich ein Testosteronmangel wieder zurückbilden, wenn Patienten deutlich an Gewicht verlieren.

Andrologie als Männerheilkunde

Die Andrologie wird als Männerheilkunde beschrieben, die sich mit Fortpflanzungsfunktionen, Hormonen und Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane befasst. Sie gilt als männliches Pendant zur Gynäkologie.

Zu den Themen der Andrologie zählen unter anderem unerfüllter Kinderwunsch, Erektionsstörungen, Hormonmangel sowie entzündliche Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane.

Debatte um Progesteron und anerkannte Therapien

Im Zusammenhang mit Hormonen bei Männern wird auch über einen vermuteten Progesteronmangel diskutiert, über den vor allem in sozialen Medien geschrieben wird. Der Androloge Markus Letsch hält nichts von der Therapie eines angeblichen Progesteronmangels bei Männern und sieht keinen Grund, Männern Progesteron zu geben.

Nach seiner Darstellung wird Progesteron teils als Ursache verschiedenster Symptome dargestellt, wenn die Werte niedriger sind. Die dafür beworbenen Präparate sind laut Bericht für diese Zwecke nicht zugelassen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine Progesterontherapie bei Männern für diese Einsatzzwecke in Leitlinien und Fachgesellschaften nicht als Therapie vorgesehen ist.

In diesem Zusammenhang wird auch der Placebo-Effekt erläutert, bei dem eine Linderung von Beschwerden durch die positive Erwartung des Patienten und nicht durch einen Wirkstoff ausgelöst wird. Fachmediziner raten davon ab, Hormone aufgrund von Social-Media-Hypes einzunehmen.

Die Behandlung von Testosteronmangel hingegen wird als wissenschaftlich anerkannt beschrieben. Genannt werden Testosteron-Gel und Spritzen als gebräuchliche Behandlungsformen.