In Oberösterreich sind in den vergangenen fünf Jahren mehr als 6.000 sogenannte Eurokeys ausgegeben worden. Der Spezialschlüssel ermöglicht Menschen mit Behinderung Zugang zu Behinderten-Toiletten und Liftanlagen im öffentlichen Raum. Nach Angaben des Österreichischen Behindertenrats lassen sich in Oberösterreich mehr als 370 öffentliche Toiletten und Liftanlagen mit dem Eurokey öffnen.
Einsatz auf Rastplätzen und in der Landesbibliothek
Auf neu gestalteten Rastplätzen der ASFINAG lassen sich Behinderten-WCs mit dem Eurokey öffnen. Auch die Oberösterreichische Landesbibliothek in Linz setzt auf das System. Direktorin Renate Plöchl leitet die Einrichtung, in deren Ausbau der Barrierefreiheit investiert wurde. ASFINAG-Regionalleiter Alexander Högl und Klaus Widl, Präsident des Österreichischen Behindertenrats, sind in diesem Zusammenhang als handelnde Personen genannt.
Auf einem Autobahn-Rastplatz in Spital am Pyhrn war einem Betroffenen nicht klar, warum die Tür zum Behinderten-WC verschlossen war.
Vergabe des Schlüssels an Berechtigte
Der Eurokey ist über die Homepage des Österreichischen Behindertenrats für berechtigte Personen erhältlich. Er wird nicht automatisch mit dem Behindertenpass ausgegeben. Die Berechtigung hängt vielmehr von der jeweiligen Behinderung ab. So erhalten gehörlose oder schwerhörige Menschen zwar einen Behindertenpass, haben jedoch keinen Anspruch auf einen Eurokey.
Ein europaweit einheitliches Schließsystem
Das Eurokey-System wurde ursprünglich eingeführt, um Menschen mit bestimmten Behinderungen einen eigenständigen und würdevollen Zugang zu sanitären Einrichtungen zu ermöglichen, ohne dass diese permanent unverschlossen zugänglich sein müssen. Grundsätzlich beruht das Prinzip auf einem einheitlichen Schließzylinder, der in zahlreichen europäischen Ländern nach demselben Standard verbaut wird. Dadurch kann ein einmal ausgestellter Schlüssel nicht nur regional, sondern auch international an entsprechend ausgestatteten Anlagen genutzt werden.
Üblicherweise kommen solche Schließsysteme an Orten zum Einsatz, an denen ein permanenter freier Zugang aus baulichen oder organisatorischen Gründen nicht vorgesehen ist, etwa auf Autobahnraststätten, in Bahnhöfen, Behörden oder öffentlichen Kultureinrichtungen. Die Vergabe erfolgt in der Regel über zentrale Stellen wie Behindertenverbände, die anhand definierter Kriterien prüfen, ob eine Berechtigung vorliegt. Diese Kriterien orientieren sich meist an der Art der Beeinträchtigung und nicht allein am formalen Besitz eines Behindertenausweises, da unterschiedliche Behinderungen unterschiedliche Bedürfnisse mit sich bringen.
Barrierefreiheit als fortlaufende Aufgabe
Der Ausbau barrierefreier Infrastruktur gilt allgemein als kontinuierlicher Prozess, der bauliche Maßnahmen ebenso umfasst wie die Bereitstellung geeigneter Zugangssysteme. Öffentliche Einrichtungen wie Bibliotheken, Verkehrsbauten oder Verwaltungsgebäude stehen dabei regelmäßig vor der Aufgabe, bestehende Bausubstanz nachträglich anzupassen oder neue Standards von Beginn an in Planungen zu berücksichtigen. Systeme wie der Eurokey stellen in diesem Zusammenhang eine praktische Ergänzung dar, da sie ohne umfassende bauliche Eingriffe einen gezielten Zugang für berechtigte Personengruppen ermöglichen.








