Auf einem Versuchsfeld der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Raasdorf im Bezirk Gänserndorf hat die Trockenheit deutliche Spuren hinterlassen: Wurden im Frühjahr auf einem gepflügten Feld noch 100 Regenwürmer pro Quadratmeter gezählt, fanden Forscher zum Zeitpunkt der aktuellen Untersuchung keinen einzigen Wurm mehr. Der Boden gilt inzwischen als hart und knochentrocken. Die Agrarökologin Pia Euteneuer, die an der BOKU auf die Erforschung von Regenwürmern spezialisiert ist, ordnet die Beobachtungen ein.
Regenwürmer verschwinden aus dem trockenen Ackerboden
Auf dem Versuchsfeld in Raasdorf sind Regenwürmer aus den oberen Bodenschichten verschwunden. Laut Euteneuer ziehen sich die Tiere bei Trockenheit in tiefere Bodenschichten zurück, rollen sich dort eng zusammen, stellen die Nahrungsaufnahme ein und warten auf Regen. Genau dieses Verhalten erklärt, warum auf dem gepflügten Feld in Raasdorf aktuell keine Regenwürmer mehr nachweisbar sind, obwohl im Frühjahr noch 100 Exemplare pro Quadratmeter gezählt wurden.
Am selben Standort zeigt sich laut Euteneuer zudem ein Unterschied zwischen verschiedenen Bewirtschaftungsformen: Äcker mit Direktsaat erweisen sich bei Trockenheit als widerstandsfähiger als gepflügte Felder. Bei Direktsaat übernimmt der Regenwurm selbst die Bodenlockerung, wodurch sich die Tiere dort entsprechend besser vermehren können. Nach Angaben der Agrarökologin würde Direktsaat den Ernteertrag nicht schmälern und zusätzlich die Bodenerosion verringern.
Bedeutung der Regenwürmer für Bodenfruchtbarkeit und Ernte
Regenwürmer lockern den Boden auf und machen ihn dadurch fruchtbarer. Ein Boden mit einer hohen Regenwurmpopulation kann größere Wassermengen aufnehmen. Zudem sorgen die Tiere dafür, dass Humus gebildet wird und Pflanzen mehr Nährstoffe zur Verfügung stehen. Laut Euteneuer zeigt eine globale Studie, dass sechs bis zehn Prozent des weltweiten Weizenertrages von der Arbeit der Regenwürmer abhängig sind.
Diese Zahlen verdeutlichen, welche wirtschaftliche Bedeutung eine funktionierende Bodenbiologie für die Landwirtschaft haben kann. Verändert sich die Regenwurmpopulation eines Feldes stark, wie es am Versuchsstandort in Raasdorf beobachtet wurde, hat das potenziell Auswirkungen auf mehrere Funktionen des Bodens gleichzeitig – von der Wasseraufnahme bis zur Nährstoffversorgung der Pflanzen.
Bodenbearbeitung als Stellschraube für die Widerstandsfähigkeit
Grundsätzlich unterscheidet sich die Direktsaat von der klassischen, gepflügten Bewirtschaftung dadurch, dass der Boden nicht gewendet und mechanisch gelockert wird. Bei diesem Verfahren bleibt die natürliche Bodenstruktur weitgehend erhalten, und Organismen wie Regenwürmer übernehmen jene Lockerungsfunktion, die bei gepflügten Feldern durch landwirtschaftliche Geräte erfolgt. Dadurch bleiben Gänge und Hohlräume im Boden bestehen, die Wasser aufnehmen und speichern können.
In der Praxis diskutieren Landwirtschaft und Forschung seit längerem, welche Bewirtschaftungsformen Böden widerstandsfähiger gegenüber Trockenperioden machen können. Pflugbasierte Verfahren gelten als arbeits- und ertragssicherer etabliert, während Direktsaat als bodenschonende Alternative diskutiert wird, die unter anderem die Erosion durch Wind und Wasser verringern kann. Die am Versuchsfeld in Raasdorf gewonnenen Beobachtungen fügen sich in diese allgemeine fachliche Diskussion ein, ohne dass daraus eine pauschale Aussage über alle landwirtschaftlichen Standorte abgeleitet werden kann.
Regenwürmer gelten in der Bodenökologie als sogenannte Ökosystemingenieure, da sie durch ihre Grabtätigkeit die physikalischen Eigenschaften des Bodens direkt verändern. Ihre Populationsdichte wird in der Forschung häufig als Indikator für die allgemeine Bodengesundheit herangezogen, da sie empfindlich auf Faktoren wie Feuchtigkeit, Bodenbearbeitung und Nährstoffangebot reagieren.
Hinweis zur Faktenprüfung
Diese Informationen wurden mit KI-Unterstützung auf Basis der vorliegenden Daten gegengeprüft und sprachlich aufbereitet. Die Angaben beziehen sich auf den zum Erstellungszeitpunkt verfügbaren Informationsstand.






