Autismus in Niederösterreich: Frühe Diagnose und Unterstützung im Alltag
In Niederösterreich leben mehr als 17.000 Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung. Fachleute verweisen auf die Bedeutung einer frühen Diagnose und auf bestehende Lücken bei Therapie- und Betreuungsangeboten.
Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung haben eine Autismus-Spektrum-Störung. Offizielle Diagnosen gibt es seit den 1960er-Jahren. Die Vereinten Nationen haben den 2. April im Jahr 2008 zum Welt-Autismus-Tag erklärt.
Breites Spektrum an Ausprägungen
Bei der Autismus-Spektrum-Störung handelt es sich um eine breite Palette an Symptomen. Ein Teil der Betroffenen hat kognitive Defizite und ist nonverbal, ein anderer Teil verfügt über überdurchschnittliche Begabungen. Viele haben Schwierigkeiten in der Kommunikation mit anderen Menschen und nehmen Dinge anders wahr.
Buben sind bei Autismus-Spektrum-Störungen dreimal so häufig betroffen wie Mädchen. Betroffene brauchen im Alltag oft Unterstützung. Laut Berichten bleiben viele Autistinnen und Autisten ihr Leben lang ohne Diagnose.
Frühe Diagnose und lange Wartelisten
Clemens Engelhardt, Sonder- und Heilpädagoge beim Verein Nomaden, betont die Bedeutung einer frühen Diagnose. Diese ermögliche Frühförderung oder Therapie. Zugleich verweist er auf sehr lange Wartelisten für Diagnostik- und Therapieplätze.
Engelhardt zufolge ist eine Therapie nicht in jedem Fall zwingend notwendig. Es gebe Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung, die ohne Therapie gut zurechtkommen. Eine Diagnose empfinden Betroffene laut Berichten häufig als Erleichterung oder Befreiungsschlag. Engelhardt beschreibt, dass viele durch die Diagnose das Gefühl haben, dass „das Ding“ einen Namen hat und sie wissen, warum sie mit sozialen Situationen Schwierigkeiten haben.
Nach einer Diagnose mangelt es laut den Berichten oft an Therapieplätzen. Angehörige wünschen sich eine ähnliche Unterstützung wie für gebrechliche oder demente Menschen, solche Angebote gibt es für autistische Kinder jedoch kaum oder nur selten.
Alltag einer Familie in Niederösterreich
Dominique Stiefsohn ist Mutter des elfjährigen Toni. Sie berichtet, dass sie ihren Sohn nicht alleine lassen können und er rund um die Uhr betreut werden muss. Toni braucht demnach bei Essen, Toilette und Körperpflege Anleitung und kämpft mit Ängsten, etwa vor dem Alleineschlafen.
Stiefsohn schildert, dass ihr Sohn mit acht Jahren erstmals erfolgreich Unterstützung erhalten habe, diese später jedoch wieder weggebrochen sei. Aus ihrer Sicht ist die Unterstützung für Familien mit einem Kind mit Behinderung und speziell mit Autismus-Diagnose in Niederösterreich nicht ausreichend vorhanden. In der Schule wird Toni laut den Berichten unterstützt und gilt dort als gut aufgehoben. Die Eltern machen sich jedoch Sorgen hinsichtlich der Betreuung im Sommer, da es für Kinder wie Toni in den Ferien kaum Betreuungsangebote gebe.
Stärken und Empfehlungen im Umgang
In den Berichten wird darauf hingewiesen, dass bei Menschen mit Autismus oft übersehen wird, dass sie auch viele positive Eigenschaften mitbringen. Engelhardt nennt Ehrlichkeit, Loyalität und ein Faible für Details als Beispiele. Firmen im IT-Bereich und im Controlling greifen seinem Eindruck nach bewusst auf Talente von Menschen mit Autismus zurück.
Für den Umgang mit Autistinnen und Autisten empfiehlt Engelhardt eine klare Sprache. Ironie und Sarkasmus sollten möglichst vermieden werden. Besonders wichtig seien Offenheit, Toleranz und Akzeptanz gegenüber Andersartigkeit.
Verweise bestehen auf Unterstützungsangebote des Vereins Nomaden, der Österreichischen Autistenhilfe und von Selbsthilfe NÖ.








