Im Wiener Fundservice in Margareten landen jährlich rund 126.000 Gegenstände. Etwa 57.000 davon wurden im vergangenen Jahr von ihren Besitzerinnen und Besitzern wieder abgeholt. Pro Woche kommen in der Zentrale rund 1.000 Fundstücke an, in Spitzenzeiten sind es bis zu 1.400.
Schulbeginn als arbeitsreiche Phase
Der Schulbeginn gilt für das Fundservice als Hochphase. In den ersten zwei Schulwochen vergessen Kinder besonders viele Dinge. Dazu zählen Turnsäcke, Werkkoffer, Bücher, kleine Rucksäcke, Sportbekleidung und Schülerausweise, die in dieser Zeit vermehrt in der Zentrale abgegeben werden.
Auch abseits des Schulbeginns kommt in Margareten laufend eine große Menge unterschiedlichster Gegenstände zusammen. Jährlich werden rund 30.000 Ausweise und rund 20.000 Geldbörsen registriert. Allein im Mai wurden rund 9.000 Schlüssel gezählt. Diesen Sommer landeten zudem viele Sonnenbrillen und Taschen von Touristinnen und Touristen im Fundservice, besonders viele Funde stammten von Besucherinnen und Besuchern aus Italien, Spanien und Japan.
Geleitet wird das Fundservice von Esmada Kurbegovic, die gemeinsam mit einem 15-köpfigen Team die eingehenden Gegenstände bearbeitet. Zur Ausstattung der Einrichtung gehören 100 Fundboxen, über die Fundstücke gesammelt werden. Zu den Partnern des Fundservice zählen die Wiener Linien, die ÖBB sowie mehrere Museen. Funde der Wiener Linien werden mit pinken Etiketten gekennzeichnet, ÖBB-Funde erhalten weiße Bänder, um die Herkunft der Gegenstände nachvollziehbar zu machen.
Wer einen Gegenstand vermisst, kann eine Meldung über die Webseite fundamt.gv.at abgeben. Erfahrungsgemäß wird der Großteil der abgegebenen Sachen bereits in den ersten drei Wochen abgeholt.
Aufbewahrung, Verkauf und Spenden
Für die meisten Gegenstände gilt im Fundservice eine Aufbewahrungsfrist von sechs Monaten. Kleinere Alltagsgegenstände wie Schals, Hauben oder Regenschirme werden hingegen nur zwei Monate gelagert. Wird ein Fundstück innerhalb dieser Fristen nicht abgeholt, wird je nach Art des Gegenstands weiter verfahren. Wertvollere Stücke wie Schmuck werden über das Dorotheum verkauft. Andere Gegenstände, die nicht abgeholt werden, landen im hauseigenen Gebrauchtwarenladen 48er-Tandler. Die Erlöse aus diesen Verkäufen werden gespendet.
Organisation großer Fundstellen
Grundsätzlich stehen städtische Fundstellen in vielen europäischen Großstädten vor ähnlichen organisatorischen Herausforderungen. Durch ein dichtes Netz an öffentlichem Verkehr, stark frequentierte Bahnhöfe und einen hohen Touristenanteil kommen kontinuierlich große Mengen an verlorenen Gegenständen zusammen, die katalogisiert, zwischengelagert und bei Bedarf wieder an ihre Besitzer zurückgegeben werden müssen. Eine enge Zusammenarbeit mit Verkehrsbetrieben und Bahnunternehmen erleichtert dabei die Zuordnung, da Fundorte und Fundzeitpunkte häufig erste Hinweise auf den Ablauf des Verlusts liefern.
Auch die zeitliche Begrenzung der Aufbewahrung ist bei vergleichbaren Einrichtungen üblich. Da Lagerflächen begrenzt sind, werden Fristen meist nach Art und Wert der Gegenstände gestaffelt. Nicht abgeholte Fundstücke werden in der Regel entweder verkauft oder gespendet, wobei hochwertige Gegenstände häufig über spezialisierte Auktionshäuser vermarktet werden, während Alltagsgegenstände in eigens dafür eingerichteten Second-Hand-Läden einer weiteren Nutzung zugeführt werden. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, ansonsten ungenutzte Gegenstände sinnvoll weiterzuverwerten und gleichzeitig soziale oder gemeinnützige Projekte zu unterstützen.








