Edith und Peter Tiller aus Floridsdorf sind seit 61 Jahren verheiratet. Vergangenes Jahr feierte das Paar Diamantene Hochzeit. Kennengelernt haben sich die beiden mit knapp 17 Jahren im Zug nach England – eine Begegnung, die mit einem Eis am Bahnsteig in Lüttich begann und bis heute anhält.
Ein Eis für 50 Pfennig als Beginn einer 61-jährigen Beziehung
Edith war damals auf dem Weg zu einer Brieffreundin, Peter wollte gemeinsam mit einem Freund auf einer Farm arbeiten. Am Bahnsteig in Lüttich kaufte Peter Edith ein Eis für 50 Pfennig. Über den Eisverkäufer kamen die beiden ins Gespräch. Peter schrieb sich Ediths Adresse auf und begann, ihr Briefe zu schreiben. Gemeinsam fuhren die beiden Jugendlichen schließlich zurück nach Österreich.
Am Wiener Bahnhof warteten Peters Eltern auf ihn. Sie hatten die Tochter einer bekannten Familie mitgebracht, um ihn mit ihr zu verkuppeln. Peter ließ sich davon nicht beeindrucken: Bereits am Folgetag fuhr er mit dem Fahrrad 25 Kilometer von Inzersdorf nach Klosterneuburg, um Edith zu besuchen.
Edith wuchs ohne Geschwister auf, ihren Vater kannte sie nicht. Ihre Mutter war Trümmerfrau. Durch Peter lernte sie eine Schwester, einen Vater, eine zweite Mutter sowie eine Großmutter und einen Großvater kennen.
Nach der Matura ging Edith zum Französischlernen ins Ausland. Dort lernte sie einen Mann kennen, der ihr beim Lernen half. Seine Handschrift konnte sie jedoch nicht lesen, weitere Antworten von ihm blieben aus. Jahre später traf Edith den Mann am gleichen Ort wieder. Er wollte sie heiraten. Edith bezeichnete Peter damals als ihren Verlobten – was zu jenem Zeitpunkt noch nicht der Wahrheit entsprach.
Peter schrieb Edith vor der Hochzeit zahlreiche Liebesbriefe. Am 10. Juli 1965 heiratete das Paar. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Finanzielle Herausforderungen brachte der Ausbau des Altersheims von Ediths Mutter mit sich, zwischenzeitlich zog das Paar nach München. Später kehrten die beiden nach Wien zurück und leben heute in einem Einfamilienhaus in Floridsdorf.
Getanzt haben Edith und Peter im Laufe ihrer Ehe viel. Edith singt bis heute in zwei Chören, Peter ist Mitglied bei Schlaraffia, einem Männerbund. Jedes Jahr am 10. Juli feiert das Paar seinen Hochzeitstag. Die Hochzeitskerze, die traditionell zu solchen Anlässen entzündet wird, brannte bis zum 60. Jahrestag nur sehr selten.
Seltene Jubiläen in der Wiener Ehestatistik
In Wien wurden im vergangenen Jahr 741 Diamantene Hochzeiten gefeiert, also Jubiläen wie jenes von Edith und Peter Tiller. Häufiger war mit 651 Feiern die Goldene Hochzeit nach 50 gemeinsamen Jahren. Deutlich seltener sind Gnadenhochzeiten nach 70 Ehejahren: 55 Paare erreichten dieses Jubiläum. Die sogenannte Kronjuwelenhochzeit nach 75 gemeinsamen Jahren erreichte im vergangenen Jahr in ganz Wien nur ein einziges Paar.
Solche Jubiläen spiegeln eine langfristige Entwicklung wider, die sich auch bundesweit in der Statistik zeigt. Laut Statistik Austria wurden 2025 in Österreich 45.537 Ehen geschlossen, das waren um 0,6 Prozent weniger als im Jahr davor. Gleichzeitig stieg die Zahl der Scheidungen um 1,7 Prozent auf 15.217. Diamantene Hochzeiten wie jene der Tillers gelten in diesem statistischen Umfeld als eher seltene Ausnahme.
Traditionen rund um kirchliche Ehejubiläen
Grundsätzlich sind runde Ehejubiläen in Österreich häufig mit festen Bezeichnungen verbunden, die sich an besonderen Materialien orientieren: von der Silbernen über die Goldene bis zur Diamantenen Hochzeit. Vielfach nehmen Paare solche Anlässe zum Anlass, sich in einer Kirche erneut segnen zu lassen, wie es bei kirchlichen Ehejubiläen in verschiedenen Wiener Pfarren üblich ist. Solche Segnungen sind kein Ersatz für die standesamtliche Trauung, sondern eine zusätzliche religiöse Würdigung der gemeinsamen Ehejahre.
Hinweis zur Faktenprüfung
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