Auf der B 180 Reschenstraße im Bezirk Landeck kommt es ab Ende August zu mehrwöchigen Tagessperren mit Umleitungen. Grund sind Bauarbeiten an der Kanzelgalerie, die Felsstürze auf die Straße zwischen Pfunds und Nauders verhindern soll. Vom 31. August bis 27. November ist die Strecke von Montag bis Freitag jeweils tagsüber gesperrt, an den übrigen Zeiten und an Wochenenden wird der Verkehr einspurig durch den Baustellenbereich geleitet.
Sperrzeiten und Umleitungsstrecken zwischen Pfunds und Nauders
Die Tagessperren gelten von Montag bis Donnerstag jeweils von 7.30 bis 18.00 Uhr, am Freitag von 7.30 bis 14.00 Uhr. Betroffen ist der Abschnitt zwischen Pfunds und Nauders. Während dieser Zeiten wird der Verkehr über die Martinsbrucker Straße (B 185) umgeleitet, eine weitere Umleitung führt über die Engadiner Straße (B 184) auf Schweizer Staatsgebiet. Außerhalb der Sperrzeiten und an Wochenenden erfolgt die Verkehrsführung einspurig durch den Baustellenbereich, geregelt durch eine Ampel und bei Bedarf durch einen Verkehrsposten.
Im aktuellen Bauabschnitt sind Sicherungs-, Straßenbau- und Schüttarbeiten geplant. Dazu zählen Arbeiten im hoch gelegenen Felsbereich sowie die Überschüttung der Galerie selbst. Rund hundert Meter oberhalb des Galerie-Nordportals wird der Felskopf gesichert, diese Arbeiten sind mit etwa sechs Wochen veranschlagt. Auf einer Länge von 800 Metern werden zudem Entwässerungs- und Straßenbauarbeiten durchgeführt. Die nördliche Auffahrtsrampe sowie Teile der bisherigen Umfahrungsstraße werden rückgebaut. Im Talbereich erfolgen Betonierarbeiten an der südlichen Stützmauer auf einer Länge von rund 20 Metern.
Für die Überschüttung der Galerie werden rund 10.000 Kubikmeter Glasschaumschotter in Kombination mit Erde eingebaut, zusätzlich kommen etwa 22.000 Kubikmeter Schüttmaterial zum Einsatz. Eine weitere, letzte Bauphase ist im Jahr 2027 vorgesehen.
Dimensionen eines Großprojekts im Felsgelände
Die Kanzelgalerie ist 400 Meter lang und wird als Stahlbetongalerie ausgeführt. Für den Bau sind 2.300 Tonnen Baustahl und 16.000 Kubikmeter Beton notwendig. Auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern sind zusätzliche Sicherungsmaßnahmen durch Felsvernetzungen und Spritzbeton erforderlich. Das Projekt ist mit 40 Millionen Euro budgetiert, der Bau begann im September 2024.
Verantwortlich für das Straßenbauressort in Tirol ist Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP). Für die technische Umsetzung zeichnet Gregor Wieland verantwortlich, der das Sachgebiet Brücken- und Tunnelbau des Landes Tirol leitet.
Steinschlaggefahr an alpinen Straßenabschnitten
Die Reschenstraße war in der Vergangenheit immer wieder von folgenschweren Felsstürzen betroffen. Grundsätzlich zählen Steilhangbereiche entlang alpiner Verkehrswege zu den Streckenabschnitten, die durch Verwitterung, Frost-Tau-Wechsel und Wassereintritt im Gestein einem erhöhten Risiko für Felsabbrüche ausgesetzt sind. Galerien wie die Kanzelgalerie werden in solchen Bereichen errichtet, um Straßen dauerhaft vor herabfallendem Gestein zu schützen, indem sie die Fahrbahn überdachen und Material kontrolliert ableiten oder auffangen.
Bei vergleichbaren Bauprojekten im hochalpinen Gelände ist die Logistik häufig anspruchsvoll, da Baustellen oft nur über bestehende Straßen erreichbar sind und der laufende Verkehr während der gesamten Bauzeit berücksichtigt werden muss. Wechselnde Verkehrsführungen mit zeitweiligen Sperren und einspurigen Abschnitten sind dabei ein gängiges Mittel, um Bauarbeiten und Durchgangsverkehr so weit wie möglich miteinander zu vereinbaren. Arbeiten an Felsköpfen oberhalb von Straßenbauwerken erfordern zudem häufig spezielle Sicherungstechniken, etwa Vernetzungen oder Spritzbetonanwendungen, um während der Bauphase selbst keine zusätzlichen Gefahren durch lockeres Gestein zu schaffen.






