Der Bahnhof Wolfurt ist am Dienstagvormittag nach rund zweijähriger Bauzeit offiziell eröffnet worden. Die Bauarbeiten hatten im September 2024 begonnen. An der Eröffnung nahmen Bürgermeisterin Angelika Moosbrugger, ÖBB-Infrastruktur-Vorständin Judith Engel, Landeshauptmann Markus Wallner und Landesstatthalter Christof Bitschi teil. Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei rund 49,5 Millionen Euro.
Umbau der Bahnsteige und neue Technik
Im Zuge der Bauarbeiten wurden die Bahnsteige auf 220 Meter verlängert und auf 55 Zentimeter angehoben. Dadurch ist der Einstieg in die Züge stufenlos möglich. Zusätzlich wurden drei neue Aufzüge installiert und taktile Leitsysteme eingerichtet, sodass die Station als barrierefrei gilt. Auch die Bahnsteigdächer wurden vergrößert: Sie wuchsen von 25 auf 70 Meter Länge. Auf den Dächern wurden zudem Photovoltaikanlagen installiert. Für Reisende entstanden neue Wartebereiche, die Fahrgastinformation wurde modernisiert und LED-Beleuchtung eingebaut. Nach Angaben der ÖBB wurden im Rahmen der Bauarbeiten mehr als 3.000 Meter Gleis neu verlegt.
Mehr Platz für Fahrräder und Autos
Am Bahnhof Wolfurt entstand eine Bike-and-Ride-Anlage mit 244 Fahrradstellplätzen, darunter 68 absperrbare Fahrradboxen. Für Mopeds und Motorräder wurden 20 überdachte Stellplätze geschaffen. Die Park-and-Ride-Anlage bietet 16 Pkw-Stellplätze. Die Personenunterführung wurde im Zuge der Bauarbeiten verbreitert und künstlerisch gestaltet.
Glasinstallation aus Bürgerbeiträgen
Die verbreiterte Personenunterführung wurde vom Vorarlberger Künstler Marbod Fritsch gestaltet. Das Kunstwerk trägt den Titel „Was uns bewegt“ und besteht aus einer rund 80 Quadratmeter großen, hinterleuchteten Glasinstallation. Grundlage der Arbeit sind 118 Beiträge von Wolfurter Bürgerinnen und Bürgern. Das Projekt wurde von den ÖBB, dem Land Vorarlberg und der Gemeinde Wolfurt gemeinsam umgesetzt.
Barrierefreier Ausbau im Schienennetz
Grundsätzlich zielen Umbauten wie jener in Wolfurt darauf ab, Bahnhöfe an heutige Standards bei Zugänglichkeit und Fahrgastkomfort anzupassen. Erhöhte und verlängerte Bahnsteige ermöglichen es, moderne Zugtypen ohne Stufen zu erreichen, was insbesondere für Reisende mit Rollstühlen, Kinderwagen oder schwerem Gepäck von Bedeutung ist. Taktile Leitsysteme, also tastbare Bodenmarkierungen, helfen sehbeeinträchtigten Personen bei der Orientierung auf dem Bahnhofsgelände. Aufzüge ergänzen dabei häufig bestehende Treppenanlagen, um Unterführungen und Bahnsteige stufenfrei zugänglich zu machen.
Bike-and-Ride- und Park-and-Ride-Anlagen sind bei Modernisierungen von Regionalbahnhöfen ebenfalls ein üblicher Bestandteil. Sie sollen die Anbindung an den öffentlichen Verkehr für Pendler aus dem Umland erleichtern und die letzte Meile zwischen Wohnort und Bahnhof abdecken. Photovoltaikanlagen auf Bahnsteigdächern werden bei Neubauten und größeren Umbauten zunehmend eingeplant, um einen Teil des Energiebedarfs der Anlagen selbst zu decken.
Solche Bauprojekte werden in Österreich in der Regel gemeinsam von den ÖBB als Infrastrukturbetreiber, dem jeweiligen Bundesland und der betroffenen Gemeinde finanziert und koordiniert. Während der Bauphase kommt es bei vergleichbaren Vorhaben häufig zu Einschränkungen im laufenden Zugbetrieb, etwa durch Streckensperrungen oder Schienenersatzverkehr, da Gleis- und Bahnsteigarbeiten meist nur bei zumindest zeitweise unterbrochenem Verkehr durchgeführt werden können.







