Fernkälte-Ausbau in Wien fördert römische Funde aus Vindobona zutage

Hinweis: Dieses Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt und dient der symbolischen Illustration. Es zeigt keine authentische Aufnahme des beschriebenen Ereignisses.

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Beim Ausbau des Wiener Fernkältenetzes stößt die Stadtarchäologie an mehreren Grabungsstellen in der Innenstadt immer wieder auf historische Funde aus unterschiedlichen Epochen. Wien Energie investiert in den kommenden Jahren rund 100 Millionen Euro in die Erweiterung der Fernkälteinfrastruktur. Weil dafür deutlich tiefer gegraben werden muss als bei üblichen Wasser- und Kanalarbeiten, treten dabei regelmäßig Spuren aus der Römerzeit und dem frühen Mittelalter zutage.

Römische Spuren unter der Wiener Innenstadt

Am Bauernmarkt wurde im Zuge der Bauarbeiten ein großer römischer Kellerraum entdeckt. Die Fernkältetrasse wurde an dieser Stelle um den Befund herumgeführt, ein spätantikes Kellerfenster des Bauwerks blieb dabei erhalten und wurde nicht entfernt. An der Ecke Graben/Naglergasse kamen zudem Teile eines römischen Lagertors zum Vorschein. Am Wildpretmarkt stießen die Archäologinnen und Archäologen in 2,80 Meter Tiefe auf eine Säulenbasis. Auch am Petersplatz wurde gegraben: Dort wurden Gräber aus dem neunten bis elften Jahrhundert freigelegt, die somit deutlich jünger sind als die römischen Funde an anderen Stellen der Innenstadt.

Aktuell beschäftigt sich die Stadtarchäologie mit einer römischen Straße im Bereich des Kohlmarkts. Dort wurden Reste der Straße sowie ihrer Entwässerungsgräben dokumentiert, ebenso Fundmaterial aus dem vierten und fünften Jahrhundert. Die Leiterin der Stadtarchäologie Wien, Kristina Adler-Wölfl, ist an der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Funde beteiligt. Um die Dokumentation der Grabungen künftig schneller und genauer durchführen zu können, sollen moderne 3D-Aufnahmen zum Einsatz kommen.

Ausbauplan für die Fernkälte in Wien

Das Wiener Fernkältenetz umfasst derzeit rund 33 Kilometer und versorgt etwa 300 Gebäude. Im ersten Bezirk ist der Fernkältering bereits fertiggestellt. Für die Versorgung stehen aktuell acht Kältezentralen mit direktem Netzanschluss sowie 17 dezentrale Lösungen zur Verfügung. Wien Energie plant, über einen Zeitraum von fünf Jahren rund 100 Millionen Euro in den weiteren Ausbau zu investieren. Die Fernkälteleistung soll dabei von 250 Megawatt im Jahr 2025 auf 370 Megawatt im Jahr 2030 steigen.

Weitere Ausbauschritte sind unter anderem in Richtung Hauptbahnhof und Medizinische Universität sowie im zweiten und dritten Bezirk vorgesehen. Genutzt wird die Fernkälte vor allem von großen Gebäuden mit einem konstanten Kältebedarf, etwa von Universitäten, Museen, Hotels oder dem Rathaus.

Grabungstiefe als Grund für neue Funde

Dass beim Ausbau des Fernkältenetzes immer wieder archäologisch bedeutsame Strukturen entdeckt werden, hängt mit der Bauweise dieser Infrastruktur zusammen. Für Fernkälteleitungen muss weitaus tiefer gegraben werden als für herkömmliche Wasser- und Kanalarbeiten. Dadurch werden Erdschichten erreicht, die bei anderen Bauprojekten üblicherweise unberührt bleiben. Gerade im Bereich der Wiener Innenstadt, unter der das römische Legionslager Vindobona liegt, treten in diesen Tiefen historische Überreste zutage, die andernfalls im Boden verborgen geblieben wären.

Grundsätzlich stehen archäologische Untersuchungen bei innerstädtischen Bauprojekten in einem engen Zusammenhang mit den jeweiligen Bauarbeiten selbst. In der Wiener Innenstadt, deren historischer Kern auf das römische Legionslager Vindobona zurückgeht, sind archäologische Befunde bei Tiefbauarbeiten grundsätzlich keine Seltenheit. Je tiefer gegraben wird, desto wahrscheinlicher ist es, auf ältere Siedlungsschichten zu stoßen, die von römischen Bauten bis zu mittelalterlichen Nutzungsspuren reichen können. Vindobona war jenes römische Legionslager, das unter dem Gebiet des heutigen ersten Wiener Bezirks liegt und dessen bauliche Reste sich bis heute unter der modernen Stadtstruktur erhalten haben.

Die im Rahmen des Fernkälteausbaus gemachten Funde fügen sich in dieses bereits bekannte Gesamtbild des römischen Legionslagers ein und liefern zusätzliche Detailinformationen zu einzelnen Bauwerken und Straßenzügen innerhalb der historischen Anlage.

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