Österreichs Feuerwehren fordern nach einem Sommer mit zahlreichen Wald- und Vegetationsbränden mehr finanzielle Unterstützung durch den Bund. Bei rund 3.500 Einsätzen dieser Art waren bisher etwa 55.000 Einsatzkräfte im Land unterwegs. Der Österreichische Bundesfeuerwehrverband (ÖBFV) machte diese Forderung bei einer Pressekonferenz in Wien öffentlich, zu der sämtliche Landesfeuerwehrkommandanten angereist waren.
Mehrere Großbrände und verletzte Einsatzkräfte
In mehreren Bundesländern kam es heuer zu größeren Vegetationsbränden. In Niederösterreich begann die Waldbrandsaison bereits im Februar, die Zahl der Brände hat sich dort im Vergleich zu anderen Jahren verdreifacht. Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner berichtete von mehr als zehn teils schwer verletzten Einsatzkräften sowie mehreren verbrannten Fahrzeugen. Vereinzelt traten Flammenfronten von über 30 Metern Höhe auf.
Insgesamt wurden heuer vier Waldbrände als sogenannte Extrembrände eingestuft. Im Kärntner Lesachtal waren rund 2.500 Feuerwehrleute 24 Tage lang im Einsatz. Der Brand von Eisbach-Rein in der Steiermark dauerte 17 Einsatztage und band ebenfalls rund 2.500 Kräfte. In Wien rückten beim Lobau-Feuer rund 100 Einsatzkräfte aus. Bei einem Großbrand im Föhrenwald in St. Egyden am Steinfeld im Bezirk Neunkirchen waren tagelang Hunderte Feuerwehrleute im Einsatz, zwei Siedlungen mussten evakuiert werden.
Konkrete Forderungen an Finanz- und Landwirtschaftsministerium
Die Feuerwehren haben seit 2020 mehr als 20 Millionen Euro aus eigenen Budgets investiert, unterstützt durch Mittel aus dem Waldfonds. Das Geld floss in Spezialfahrzeuge, Löschwasserbehälter für Hubschrauber sowie persönliche Schutzausrüstung. ÖBFV-Präsident Robert Mayer, zugleich Landesfeuerwehrkommandant in Oberösterreich, und seine Kollegen fordern nun eine Valorisierung der 2022 eingeführten Sonderinvestitionsprämie von jährlich 20 Millionen Euro. Eine solche Anpassung würde nach Angaben des Verbands rund drei Millionen Euro zusätzlich bringen. Zum Vergleich: Ein einzelnes Waldbrandtanklöschfahrzeug kostet rund 760.000 Euro. Die Forderungen nach mehr Mitteln für Ausrüstung und Ausbildung richten sich konkret an das Finanz- und das Landwirtschaftsministerium. Zusätzlich befindet sich der ÖBFV in Gesprächen mit dem Innen- und dem Verteidigungsministerium.
Ehrenamtliches System unter Ländern organisiert
Das Feuerwehrwesen ist in Österreich grundsätzlich Ländersache. Die Organisation, Ausrüstung und Ausbildung liegen damit in der Zuständigkeit der einzelnen Bundesländer, während der Bund über einzelne Förderprogramme wie den Waldfonds oder Sonderinvestitionsprämien zusätzliche Mittel bereitstellen kann. Das System basiert in Österreich fast vollständig auf Ehrenamtlichkeit: Freiwillige Feuerwehrleute rücken neben ihrer beruflichen Tätigkeit zu Einsätzen aus, was bei lang andauernden Großeinsätzen wie mehrwöchigen Waldbränden besondere organisatorische Anforderungen an Betriebe, Einsatzkräfte und deren Familien stellt.
Bei größeren Vegetationsbränden kommen üblicherweise neben bodengebundenen Kräften auch Löschhubschrauber zum Einsatz, die Wasser aus der Luft abwerfen. Solche Maschinen stehen in Österreich teils bei staatlichen Stellen wie dem Innen- oder Verteidigungsministerium zur Verfügung, teils werden private Anbieter herangezogen. Die Beschaffung von Spezialfahrzeugen, etwa geländegängigen Tanklöschfahrzeugen für unwegsames Terrain, sowie von Schutzausrüstung für lang andauernde Brandbekämpfung ist in solchen Fällen mit erheblichen Kosten verbunden, die die einzelnen Feuerwehren und Gemeinden allein nur schwer tragen können.
Die aktuelle Forderung der Feuerwehren nach zusätzlicher Bundesunterstützung reiht sich damit in ein bestehendes System aus Länderzuständigkeit und ergänzender Bundesförderung ein, wie es bei der Ausstattung des Feuerwehrwesens in Österreich bereits in den vergangenen Jahren über Programme wie den Waldfonds und die Sonderinvestitionsprämie zur Anwendung kam.





