Fünf Jahre nach dem Hochwasser 2021: Schutzprojekte im Oberpinzgau kommen nur langsam voran
Vor fünf Jahren verursachten extreme Regenfälle im Salzburger Land Schäden im zweistelligen Millionenbereich. Besonders hart traf es den Oberpinzgau. Zum Jahrestag des Ereignisses ziehen Betroffene und Interessenvertreter Bilanz – und fordern weiteren Handlungsbedarf.
Im Pinzgau wurden insgesamt 299 Schadensfälle beim Katastrophenschutzfonds gemeldet. Mehr als die Hälfte davon entfiel auf Gemeinden im Oberpinzgau. Auch in Hallein, Eugendorf und im bayerischen Berchtesgadener Land entstanden damals Schäden in Millionenhöhe.
Millionenschäden für Betroffene
Das Gewerbegebiet Mittersill-West stand nach dem Unwetter meterhoch unter Wasser. Der pensionierte Frächter Franz Koidl zählte zu den schwer Betroffenen: An seinen Fahrzeugen entstand ein Schaden von rund 1,3 Millionen Euro, der durch eine Kaskoversicherung gedeckt war. Für Gebäude und Maschinen in der Werkstatt belief sich der Schaden auf 450.000 Euro. Da Koidl keine Hochwasserversicherung abgeschlossen hatte, erhielt er für Schäden am Gelände lediglich 17.000 Euro aus Kulanz seiner Versicherung sowie nach eigenen Angaben rund 100.000 Euro aus dem Katastrophenfonds des Landes Salzburg. Im Frühling übergab Koidl seinen Betrieb an einen Nachfolger.
Menschenkette und Bürgerinitiative
Im September 2021 bildeten rund 5.000 Menschen eine Menschenkette von Krimml bis nach Niedernsill. Sie forderten Schutzmaßnahmen in den teils streng geschützten Tauerntälern im Nationalpark Hohe Tauern. Eine Bürgerinitiative sammelte rund 7.300 Unterschriften, die im Februar 2022 an die Landespolitik übergeben wurden. Christoph Hirscher vom Verein Lebensraum Oberpinzgau verweist darauf, dass rund 20.000 Menschen im Oberpinzgau sowie zahlreiche Betriebe von der Hochwassergefahr betroffen seien.
Erste Maßnahmen umgesetzt, weitere in Planung
Das Land Salzburg hat seit 2021 rund sieben Millionen Euro in den Hochwasserschutz im Oberpinzgau investiert. Projekte wurden in Uttendorf und Neukirchen am Großvenediger umgesetzt. Der Schutzdamm und die Mauer vor dem Gewerbegebiet Mittersill-West wurden inzwischen erhöht. Am Hintersee in Mittersill haben die Vorbereitungen für eine Baustelle begonnen: Ab Ende September soll dort die Staumauer entlang der Felber Ache erhöht werden, wodurch sich das Rückhaltevolumen von 200.000 auf 500.000 Kubikmeter mehr als verdoppelt. Das Projekt in Hollersbach ist bereits genehmigt und wartet auf eine Förderzusage des Bundes.
Dennoch wurde laut Hannes Lerchbaumer (SPÖ), Obmann des Wasserverbands Salzach-Oberpinzgau, fünf Jahre nach dem Hochwasser noch kein einziges Schutzprojekt in den Tauerntälern baulich umgesetzt.








