Am Landesklinikum Mauer im Bezirk Amstetten ist ein Gedenkort für jene Patientinnen und Patienten der früheren psychiatrischen Anstalt eröffnet worden, die in der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges ermordet wurden. Auf einer eigens errichteten Mauer sind 2.848 Metallplättchen angebracht, von denen jedes den Namen eines Menschen trägt, der in Mauer-Öhling getötet oder von dort in Tötungszentren verbracht wurde. Gestaltet wurde der Ort von der Künstlerin und Kulturhistorikerin Azra Akšamija aus Sarajewo.
Ein Gedenkort auf der Wiese neben dem Friedhof
Der Friedhof des Landesklinikums Mauer liegt direkt neben einer stark befahrenen Bundesstraße. Unmittelbar daneben befindet sich eine Wiese, unter der die Gebeine von mehreren Hundert Menschen liegen. Es handelt sich um Patientinnen und Patienten der damaligen psychiatrischen Anstalt, die in der Endphase des Zweiten Weltkrieges umgebracht wurden. Aus dieser Wiese wurde nun ein Friedhof gemacht. Zwei Mauern aus unterschiedlichen Materialien begrenzen den neu gestalteten Ort. Auf einer der beiden Mauern sind die 2.848 Plättchen aus Metall angebracht. Da sich der Gedenkort in unmittelbarer Nähe der Bundesstraße befindet, erzeugt der vorbeifahrende Verkehr Vibrationen, die die Plättchen zum Klingen bringen.
Mitte der 2010er-Jahre wurde mit einer professionellen Aufarbeitung dieser Geschehnisse begonnen. Im Zuge der Landesausstellung mit dem Titel „Wenn die Welt Kopf steht“ wurde dem Thema in der Folge viel Raum gewidmet. Dafür wurde der Pavillon 18 mit Zeitzeugnissen eingerichtet. Dieser Pavillon soll auch über die Landesausstellung hinaus dem Thema gewidmet bleiben.
Der Ärztliche Direktor des Landesklinikums, Christian Korbel, hat diese Form der Erinnerungskultur vorangetrieben. Dabei gab es auch Widerstände gegen das Vorhaben. Beim Festakt zur Eröffnung des Gedenkortes sprach der Historiker Stephan Roth. Er griff exemplarisch das Schicksal eines Kindes namens Maria Bauer heraus, das unter den Toten ist. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) sprach bei der Eröffnung von einer wichtigen Gedenkkultur.
NS-Krankenmorde an psychiatrischen Anstalten
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden in zahlreichen psychiatrischen und pflegerischen Einrichtungen im gesamten deutschsprachigen Raum systematisch Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen getötet. Betroffen waren Erwachsene ebenso wie Kinder, die als sogenannte „Anstaltspatienten“ galten. Die Taten erfolgten teils direkt vor Ort, teils wurden die Betroffenen in eigens dafür eingerichtete Tötungszentren verlegt. Diese Vorgänge wurden organisatorisch zentral gesteuert und betrafen Einrichtungen in unterschiedlichen Regionen.
Die Aufarbeitung dieser Verbrechen setzte an vielen Orten erst Jahrzehnte später ein. Grundsätzlich hängt das Tempo einer solchen Aufarbeitung von mehreren Faktoren ab, etwa von der Verfügbarkeit historischer Unterlagen, von institutionellem Interesse sowie von gesellschaftlichem und politischem Rückhalt für entsprechende Projekte. In vielen Fällen mussten zunächst Archive gesichtet, Lebensläufe rekonstruiert und Namen von Opfern identifiziert werden, bevor ein öffentliches Gedenken in konkreter Form möglich wurde.
Gedenkorte an ehemaligen psychiatrischen Anstalten nehmen dabei häufig eine besondere Stellung ein, weil die Taten innerhalb bestehender medizinischer Einrichtungen stattfanden, die teilweise bis heute in Betrieb sind. Das kann die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit besonders sensibel machen, da Institutionen sich mit ihrer eigenen historischen Rolle auseinandersetzen müssen. Die Gestaltung solcher Gedenkorte reicht von schlichten Gedenktafeln bis zu künstlerisch konzipierten Anlagen, die einzelne Namen sichtbar machen und damit dem anonymen Massensterben eine persönliche Dimension entgegensetzen.







