Auf der Gerlitzen in Kärnten ist am Mittwoch, dem 19. August 2026, ein wichtiger Bauabschnitt beim Neubau einer Gondelbahn erreicht worden: Die erste Gondel wurde in das Tragseil gehoben. Die neue Zehner-Gondelbahn führt von der Mittelstation bis auf das Gipfel-Plateau und ersetzt die bisherige Kanzelbahn II. Nach vier Monaten Bauzeit sind rund zwei Drittel der Arbeiten abgeschlossen, die Inbetriebnahme ist für den 22. Oktober geplant.
Erste Gondel im Tragseil, weitere folgen kommende Woche
Das neue Tragseil war bereits am Montag vergangener Woche gezogen worden. Mit dem Einhängen der ersten Gondel am 19. August ist ein sichtbarer Baufortschritt erreicht. Die übrigen Gondeln sollen nach Angaben der Betreiber in der kommenden Woche direkt im Bahnhof eingehängt werden.
Neben der Mittelstation wurden im Zuge des Baus 14 neue Steher errichtet, jeweils inklusive Betonfundament. Auch die Bergstation, die auf 1.900 Metern Seehöhe liegt, wurde komplett neu gebaut. Insgesamt investiert die Gerlitzen Kanzelbahn 22 Millionen Euro in das Projekt. An den Bauarbeiten sind 19 Betriebe beteiligt, zeitweise waren mehr als 70 Personen gleichzeitig auf der Baustelle im Einsatz.
Höhere Förderleistung und mehr Komfort für Gäste
Die neue Gondelbahn soll die Förderleistung im Vergleich zur bisherigen Anlage verdoppeln: Künftig können 4.000 Personen pro Stunde befördert werden. Die Fahrzeit von der Mittelstation zur Bergstation soll maximal sechs Minuten betragen. Die Anlage ist zudem barrierefrei zugänglich, Fahrgäste können Kinderwägen und Fahrräder mitnehmen.
Sicherheitstechnisch ist die Station laut Betreiber mit 60 bis 70 Sensoren in Berg- und Talstation ausgestattet. Eine Gondel wiegt bei Vollauslastung rund 1,5 Tonnen. Das gesamte System ist nach Angaben der Betreiber auf das Fünf- bis Sechsfache der Normallast ausgelegt.
Technische Anforderungen an moderne Seilbahnen
Der Neubau einer Gondelbahn wie jener auf der Gerlitzen ist grundsätzlich ein komplexes technisches Vorhaben, das mehrere Gewerke umfasst. Neben dem eigentlichen Seilbahnbau mit Stützen, Seilen und Kabinen sind üblicherweise auch umfangreiche Fundament- und Betonarbeiten notwendig, um die Anlage den topografischen und klimatischen Bedingungen im alpinen Raum anzupassen. Bergstationen in größeren Höhenlagen erfordern dabei häufig zusätzliche bauliche Vorkehrungen, etwa im Hinblick auf Wind- und Schneelasten.
Bei der Sicherheitsauslegung moderner Seilbahnsysteme gelten grundsätzlich hohe Standards. Sensorik in Tal- und Bergstationen dient in der Regel der laufenden Überwachung von Antrieb, Seilführung und Klemmvorrichtungen der Gondeln, um Störungen frühzeitig zu erkennen. Die Auslegung auf ein Mehrfaches der tatsächlichen Normallast ist in der Seilbahntechnik ein gängiges Sicherheitsprinzip, das ausreichende Reserven für Belastungsspitzen und Wartungsintervalle schaffen soll.
Auch die Barrierefreiheit spielt beim Bau neuer Seilbahnanlagen zunehmend eine Rolle. Ebene Ein- und Ausstiege sowie ausreichend Platz in den Kabinen ermöglichen es, dass neben Personen mit Mobilitätseinschränkungen auch Familien mit Kinderwägen oder Sportlerinnen und Sportler mit Fahrrädern die Anlagen ohne zusätzlichen Aufwand nutzen können. Dies wirkt sich in der Regel auch auf die Attraktivität eines Berges als ganzjähriges Ausflugsziel aus, da sowohl Wander- als auch Radtourismus von kurzen Zugangszeiten profitieren.
Die Förderleistung einer Seilbahn, gemessen in Personen pro Stunde, hängt wesentlich von der Kabinengröße, dem Abstand der Gondeln am Seil und der Fahrgeschwindigkeit ab. Eine Verdoppelung der Kapazität, wie sie auf der Gerlitzen vorgesehen ist, wirkt sich unmittelbar auf die Wartezeiten an den Stationen aus, insbesondere an stark frequentierten Tagen. Investitionen dieser Größenordnung amortisieren sich bei Seilbahnbetrieben üblicherweise über einen längeren Zeitraum und sind eng an die touristische Auslastung des jeweiligen Berges gekoppelt.








