Im Fuscher Tal an der Nordrampe der Großglockner Hochalpenstraße zeigen aktuelle Aufnahmen der dort liegenden Gletscher deutliche Spuren des fortschreitenden Eisrückgangs. Auf Salzburger Gebiet befinden sich bis zur Grenze nach Kärnten sieben Gletscher, deren Zustand in der Woche vor dem 20. September 2026 fotografisch dokumentiert wurde. Zum Vergleich wurden zusätzlich Archivbilder aus den Jahren 2021, 2023 und 2025 herangezogen. Die Aufnahmen entstanden mit einer Katana DV 20 von Diamond Aircraft und einer WT9, die Flüge fanden außerhalb des Nationalparks Hohe Tauern statt.
Sieben Gletscher zwischen Wiesbachhorn und Fuscherkarkopf
Das Walcher Kees liegt im Kar zwischen Hohem Tenn, Kleinem und Großem Wiesbachhorn. Im Bereich unter dem Wiesbachschartl ist dort mittlerweile alles abgeschmolzen, wie eine Aufnahme vom 15. September 2026 zeigt. Das benachbarte Sandbodenkees zog früher vom Gipfelgrat des Wiesbachhorns nach Nordosten über den Grat ins Hochkar hinunter. Der Eiswulst auf dem Gipfelgrat hat sich inzwischen verflüchtigt. Vor einigen Jahren ereignete sich im Bereich der Gipfelgrate ein riesiger Felssturz.
Beim Teufelsmühlkees war bis vor etwa zehn Jahren ein eindrucksvoller Eisbruch an der Südostseite des Wiesbachhorns zu sehen. Dieser Eisbruch ist mittlerweile fast komplett abgeflacht. Das Boggeneikees gilt nach Angaben der Glaziologin Andrea Fischer von der Akademie der Wissenschaften in Innsbruck als Österreichs Lehrbuchbeispiel für einen Gletscher, der sich aus Eisstürzen ernährt.
Im Einzugsbereich des Hochgruberkees verläuft ein anspruchsvoller Abstieg aus der Gipfelregion der nördlichen Glocknergruppe ins Fuscher Tal. Im Sommer 2023 kam es dort zu einem riesigen Gleitschneebruch. Im Zusammenhang mit einer Lawine wurden zehn Bayern vom Salzburger Polizeihubschrauber „Libelle“ mit dem Tau geborgen.
Das Nördliche Bockkarkees hatte über Jahrhunderte einen imposanten und breiten Eisbruch. Im Jahr 1945 brachen dort in etwa 2.600 bis 2.700 Metern Seehöhe mehrere Millionen Kubikmeter Eis ab. Die Eismassen legten damals rund vier Kilometer zurück und erreichten das Rotmoos auf etwa 1.300 Metern Seehöhe. Für solche Eisstürze existiert im Fuscher Tal der historische Ausdruck „Keesfahren“. Die Nordwand auf dem Fuscherkarkopf, an dem sich das Fuscherkarkees befindet, gehörte früher zu den klassischen Routen für Eiskletterer in den Hohen Tauern.
Auch an der Pasterze am Fuß des Großglockners in Kärnten zeigt sich der Wandel deutlich: Am sogenannten Hufeisenbruch ruht das allerletzte Verbindungsstück des Gletschers nach dem Stand vom 15. September 2026 nur noch auf einer dünnen Säule.
Rückzug der alpinen Gletscher als langfristiger Prozess
Der Zustand der Gletscher im Fuscher Tal fügt sich in eine allgemeine Entwicklung ein, die für die Ostalpen seit Jahrzehnten beobachtet wird. Grundsätzlich reagieren Gletscher auf die Bilanz zwischen winterlichem Schneezuwachs und sommerlicher Schmelze. Fällt diese Bilanz über längere Zeiträume negativ aus, verlieren Gletscher an Fläche, Dicke und Volumen. Besonders kleinere Gebirgsgletscher, wie sie in den Hohen Tauern verbreitet sind, reagieren empfindlich auf steigende Temperaturen, da sie über vergleichsweise geringe Eismassen verfügen und ihre Nährgebiete oft in mittleren Höhenlagen liegen.
Eisbrüche und -stürze, wie sie historisch am Nördlichen Bockkarkees oder am Boggeneikees dokumentiert sind, entstehen üblicherweise dort, wo ein Gletscher über steiles Gelände abfließt und sich das Eis dabei in Blöcken löst. Solche Abbrüche sind ein natürlicher Bestandteil der Gletscherdynamik. Verändert sich jedoch die Eisnachlieferung von den höher liegenden Nährgebieten, kann sich auch die Häufigkeit und Größe dieser Abbrüche verändern. Wissenschaftliche Beobachtungen einzelner Gletscher über mehrere Jahrzehnte erlauben es, solche längerfristigen Veränderungen nachzuvollziehen und mit früheren Zuständen zu vergleichen.
Der 1928 in der Salzburger Landeshymne textlich verankerte Ausdruck
Hinweis zur Faktenprüfung
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