Der Hallstätter Gletscher am Dachstein hat seit Beginn eines Messprogramms des Landes Oberösterreich im Jahr 2006 rund die Hälfte seines Eisvolumens verloren. Aus einst etwa 150 Millionen Kubikmetern Eis wurden innerhalb von 20 Jahren rund 76 Millionen Kubikmeter. Die Eisfläche schrumpfte in diesem Zeitraum um rund einen Quadratkilometer, was einer Fläche von knapp 150 Fußballfeldern entspricht.
Deutlicher Rückgang mit aktuellen Folgen
Laut Messungen schrumpft der Gletscher pro Jahr um rund einen Meter. Der Hallstätter Gletscher hatte früher eine Eisdicke von fast 200 Metern. Unter dem Kalkgestein befinden sich zudem tiefe Mulden, die den Untergrund zusätzlich prägen.
In diesem Sommer kam es zu zwölf Spaltenbergungen. Die Gletscherzungen sind mittlerweile sehr dünn geworden, was mit vermehrtem Steinschlag einhergeht. In der vergangenen Woche fiel in einer Spalte ein riesiger Felsblock von sicher zig Tonnen Gewicht. Um verbliebene Eisflächen zu schützen, werden Teile des Gletschers mit Vlies abgedeckt.
Geologe Klaus Reinruber bezeichnete den Sommer als besonders schwierig. Die Bergsteigerin Michelle Kraft aus Saarbrücken schilderte, dass sie bereits vor zehn Jahren auf dem Dachstein war und jetzt extrem viele Spalten bemerkt habe.
Langjährige Forschung am Dachstein
Seit rund 20 Jahren wird auf dem Dachstein geforscht. Beteiligt an diesem Forschungsprogramm sind die Universität Innsbruck, das Klimaressort des Landes Oberösterreich und die Energie AG. Tiefenbohrungen und Messungen an der Oberfläche liefern dabei laufend neue Daten über den Zustand des Gletschers. Umweltlandesrat Stefan Kaineder, Mitglied der Grünen, ist mit dem Klimaressort des Landes in dieses Programm eingebunden.
Beobachtung alpiner Eismassen
Grundsätzlich zählen Gletschermessungen zu den zentralen Instrumenten der Klimaforschung im Alpenraum. Über Tiefenbohrungen lässt sich die innere Struktur des Eises untersuchen, während Oberflächenmessungen Aufschluss über Ausdehnung, Höhenverlauf und Dicke geben. Solche Langzeitreihen ermöglichen es, Veränderungen über Jahrzehnte hinweg nachzuvollziehen und mit meteorologischen Daten in Beziehung zu setzen.
Schwindende Eismassen wirken sich dabei nicht nur auf die Gletscher selbst aus. Mit abnehmender Eisdicke verändert sich auch die Stabilität des umliegenden Untergrunds. Freigelegtes Fels- und Kalkgestein kann anfälliger für Steinschlag werden, insbesondere in Bereichen, die zuvor über lange Zeit vom Eis gestützt oder bedeckt waren. Für Bergsportlerinnen und Bergsportler bedeutet ein solcher Wandel, dass sich früher bekannte Routen und Gletscherpassagen im Lauf der Jahre verändern können, etwa durch neu entstehende Spalten oder dünner werdende Eisflächen.
Schutzmaßnahmen wie das Abdecken von Gletscherflächen mit speziellem Vlies werden an mehreren Standorten in den Alpen eingesetzt, um die Schmelze durch Sonneneinstrahlung zumindest lokal zu verlangsamen. Solche Maßnahmen betreffen in der Regel begrenzte Flächen und dienen vor allem dem Erhalt einzelner Bereiche, etwa im Umfeld von touristischer Nutzung oder wissenschaftlicher Beobachtung.








