Hitzewelle und Einsamkeit treiben immer mehr Vorarlberger zur Telefonseelsorge

Hinweis: Dieses Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt und dient der symbolischen Illustration. Es zeigt keine authentische Aufnahme des beschriebenen Ereignisses.

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In Vorarlberg melden sich derzeit täglich rund 45 Menschen bei der Telefonseelsorge. Grund ist unter anderem die anhaltende Hitzewelle, wie Raphael Latzer, der neue Leiter der Telefonseelsorge Vorarlberg, mitteilt. Anruferinnen und Anrufer beklagen sich demnach über die hohen Temperaturen, das Hauptthema der Gespräche bleibt jedoch Einsamkeit.

Starke Nachfrage bei der Telefonseelsorge im Sommer

Die Telefonseelsorge Vorarlberg verzeichnet in den Sommermonaten eine hohe Nachfrage. Neben der Hitze sprechen viele Ratsuchende über psychische Belastungen und Erkrankungen sowie über Probleme in der Familie oder bei der Erziehung. Heuer haben bereits 9.000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger die Telefonseelsorge kontaktiert.

Darunter waren 60 Anrufe, bei denen akute Krisen mit Suizid-Gedanken besprochen wurden. Das entspricht einer Zunahme von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwei Drittel der Ratsuchenden sind weiblich, die meisten von ihnen zwischen 40 und 60 Jahre alt.

Neben dem klassischen Telefonanruf kann die Telefonseelsorge auch per SMS, Whatsapp, Chat oder Mail erreicht werden. Diese Online-Beratung wird vor allem von jüngeren Menschen im Alter zwischen 13 und 30 Jahren genutzt. Österreichweit gingen heuer bereits 7.000 Online-Anfragen ein, in Vorarlberg waren es mehr als 100. Das entspricht einer Steigerung von 100 Prozent bei den Online-Anfragen im Land. Getragen wird das Angebot von 94 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, österreichweit gratis unter der Nummer 142.

Einsamkeit als wiederkehrendes Thema in Beratungsgesprächen

Einsamkeit gehört zu den häufigsten Themen in der telefonischen und Online-Beratung – nicht nur in Vorarlberg, sondern bundesweit und in vergleichbaren Beratungsangeboten. Grundsätzlich kann sich das Gefühl von Einsamkeit unabhängig vom Lebensalter oder der Lebenssituation entwickeln, etwa nach Verlusten, bei sozialer Isolation oder in Phasen persönlicher Umbrüche. Beratungsstellen wie die Telefonseelsorge bieten in solchen Situationen ein niederschwelliges, anonymes Gesprächsangebot, das unabhängig von Herkunft, Alter oder Problemlage genutzt werden kann.

Auch extreme Wetterlagen wie lang anhaltende Hitzeperioden können sich allgemein auf das Wohlbefinden auswirken. Hohe Temperaturen belasten grundsätzlich den Kreislauf, den Schlaf und die allgemeine Stressverarbeitung, was sich in einzelnen Fällen zusätzlich auf psychische Belastungen auswirken kann. Beratungsstellen berichten in Hitzeperioden häufig von einer erhöhten Kontaktaufnahme, wobei die Gründe für einen Anruf meist vielschichtig sind und selten auf einen einzelnen Auslöser zurückgehen.

Die Verlagerung eines Teils der Beratung auf digitale Kanäle wie Chat, SMS oder Mail folgt einem allgemeinen Trend in der psychosozialen Versorgung. Gerade jüngere Zielgruppen nutzen häufiger niederschwellige, schriftliche Kommunikationswege, da diese als anonymer empfunden werden und zeitlich flexibler nutzbar sind als ein klassisches Telefongespräch. Ehrenamtliche Strukturen, wie sie auch die Telefonseelsorge Vorarlberg nutzt, sind in der Krisenberatung in Österreich verbreitet und werden meist durch Ausbildung, Supervision und feste Einsatzpläne unterstützt, um eine durchgehende Erreichbarkeit sicherzustellen.