Die Ursache für den Kabelbrand beim Stellwerk Praterstern in Wien steht fest. Bei Verkabelungsarbeiten im Rahmen des S-Bahn-Wien-Upgrades wurde die Isolierung eines neu verlegten Kabelstrangs beschädigt. Beim Wiedereinschalten kam es dadurch zu einem Kurzschluss. Betroffen ist eine bestehende 15.000-Volt-Leitung im Bereich des Stellwerks, die während der Sommersperre nicht unter Spannung stand.
Kurzschluss nach Schäden an der Isolierung
Die Verkabelungsarbeiten, bei denen es zu dem Zwischenfall kam, sind Teil eines größeren Vorhabens: Im Zuge des S-Bahn-Wien-Upgrades werden hunderte Kabelstränge neu verlegt oder erneuert. Bei einem dieser Stränge wurde die Isolierung beschädigt. Als die betroffene Leitung wieder unter Spannung gesetzt wurde, kam es zum Kurzschluss, der den Brand auslöste.
Nach Angaben der ÖBB ist eine mutwillige Beschädigung oder ein Sabotageakt auszuschließen. Es handelte sich um ein bestehendes Kabel, das kürzer als ein Jahr außer Betrieb gewesen war. Eine einzelne Prüfung bestehender Kabel vor der Inbetriebnahme ist regulär nur dann vorgesehen, wenn diese länger als ein Jahr außer Betrieb waren. Das betroffene Kabel wurde deshalb vor der Wiederinbetriebnahme nicht einzeln geprüft.
Schäden an 20 Kilometern Kabel
Durch den Brand wurden insgesamt 20 Kilometer Kabel beschädigt. Diese Leitungen müssen getauscht werden. Die Behebung der Schäden dauert nach aktuellem Stand zumindest bis zum 7. September 2026.
Die ÖBB haben als Reaktion einen bereits vorbereiteten Fahrplan vorgezogen. Auf der Strecke vom Praterstern bis zum Hauptbahnhof Wien können derzeit keine Züge fahren. Nahverkehrszüge in Richtung Liesing starten deshalb beim Hauptbahnhof beziehungsweise teilweise in Meidling. Auch die Flughafenverbindung ist betroffen: Die Flughafenschnellbahn S7 verkehrt derzeit erst ab der Station Geiselbergstraße.
Stellwerke als neuralgische Punkte im Bahnbetrieb
Stellwerke steuern zentrale Funktionen im Bahnverkehr wie Weichen und Signale und bündeln dafür eine Vielzahl technischer Anlagen und Leitungen an einem Ort. Fällt ein Stellwerk aus oder ist es nur eingeschränkt funktionsfähig, wirkt sich das häufig nicht nur auf einen einzelnen Streckenabschnitt, sondern auf ein größeres Netz von Verbindungen aus, da viele Linien über solche Knotenpunkte geführt werden.
Bei umfangreichen Erneuerungsprojekten wie dem S-Bahn-Wien-Upgrade werden bestehende Anlagen üblicherweise über längere Zeiträume und in mehreren Bauphasen umgebaut. Dabei müssen alte und neue Kabelstränge parallel gehandhabt werden, während der laufende Betrieb möglichst aufrechterhalten bleiben soll. Bestehende Leitungen werden in solchen Projekten grundsätzlich nach festgelegten Regeln wiederinbetriebnahme-fähig gemacht, wobei sich der Prüfumfang unter anderem danach richtet, wie lange eine Leitung zuvor außer Betrieb war.
Größere Sperrpausen wie Sommersperren werden im Bahnbetrieb häufig genutzt, um umfangreichere Bau- und Umbauarbeiten an Gleisen, Stellwerken und Kabelanlagen durchzuführen, die im laufenden Fahrplanbetrieb nur schwer möglich wären. Kommt es dabei zu technischen Störungen, können sich Anpassungen im Fahrplan über die eigentliche Sperrpause hinaus fortsetzen, bis die betroffenen Anlagenteile wieder vollständig funktionsfähig sind.







