In Kärnten hält die Trockenheit auch im Herbst an. Seit Jänner fehlen je nach Region rund zehn bis 30 Prozent des durchschnittlichen Niederschlags, wie der hydrographische Dienst des Landes mitteilt. Besonders betroffen sind das Lavanttal sowie das Gurk- und Glantal. In St. Andrä im Lavanttal kamen in den vergangenen 365 Tagen nicht einmal 600 Liter pro Quadratmeter zusammen. Landesweit gibt es derzeit keine einzige Gemeinde, die im vergangenen Jahr durchschnittlich viel Niederschlag verzeichnet hätte.
Niedrigwasser in Kärntens Flüssen und Seen
Die anhaltende Trockenheit macht sich auch an den Flüssen deutlich bemerkbar. In Lavamünd sind seit 1. Jänner rund 2,7 Milliarden Kubikmeter Wasser weniger durch die Drau geflossen als im langjährigen Durchschnitt. Das entspricht etwa dem Dreifachen des Wasservolumens des Wörthersees. Sämtliche Flüsse in Kärnten sind von der geringeren Abflussmenge betroffen und führen Niedrigwasser. Manche Gewässer weisen mittlerweile ausgetrocknete Stellen auf. Im Bereich der oberen Drau trocknen zudem Seitengewässer und ehemalige Au-Gewässer aus.
Auch bei den Seen zeigt sich die Trockenheit in den Pegelständen. Beim Wörthersee liegt der Mittelwasserwert bei 125 Zentimetern, aktuell werden rund 110 Zentimeter gemessen. Beim Ossiacher See beträgt der Mittelwert 124 Zentimeter, derzeit liegt der Pegel bei etwa 90 Zentimetern. Gleichzeitig liegen die Wassertemperaturen der Kärntner Seen weiterhin deutlich über den für die Jahreszeit üblichen Werten. Der Wörthersee weist aktuell rund 20 Grad Wassertemperatur auf. Zu den genannten Beobachtungen äußerten sich Gerhard Hohenwarter von der Geosphere Austria, Johannes Moser vom hydrografischen Dienst des Landes Kärnten sowie der Fischereisachverständige Wolfgang Honsig-Erlenburg.
Wasserhaushalt zwischen Niederschlag, Abfluss und Verdunstung
Der Wasserhaushalt einer Region hängt grundsätzlich vom Zusammenspiel mehrerer Faktoren ab: der Menge des Niederschlags, der Verdunstung, der Wasseraufnahme durch Böden und Vegetation sowie dem Abfluss über Bäche und Flüsse. Bleibt der Niederschlag über längere Zeiträume unter dem langjährigen Mittel, sinken in der Folge sowohl die Grundwasserstände als auch die Pegel von Flüssen und Seen. Besonders deutlich zeigt sich das in Talregionen mit ohnehin geringeren Niederschlagsmengen, wozu in Kärnten etwa das Lavanttal zählt.
Niedrigwasser in Flüssen hat üblicherweise mehrere Auswirkungen. Mit sinkendem Pegel verringert sich der Sauerstoffgehalt des Wassers, während sich sein Erwärmungsverhalten verändert, da geringere Wassermengen sich schneller aufheizen. Für die Gewässerökologie kann das grundsätzlich zu einer zusätzlichen Belastung werden, insbesondere wenn Niedrigwasser mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen zusammentrifft. Ehemalige Au-Gewässer und Seitenarme größerer Flüsse gelten dabei häufig als besonders empfindlich, da sie oft nur eine geringe Wassertiefe aufweisen und rascher austrocknen als der Hauptstrom.
Einordnung der Pegelstände
Die gemessenen Pegelstände an Kärntens Seen liegen zwar unter den langjährigen Mittelwerten, gelten aber derzeit noch als im grünen Bereich. In der Vergangenheit wurden bereits tiefere Wasserstände registriert. Große Regenmengen sind aktuell nicht in Aussicht. Ein feuchter Herbst und ein schneereicher Winter könnten die Entwicklung jedoch wieder in eine andere Richtung lenken.







