Das Lorenz-Böhler-Traumazentrum in der Brigittenau erhält einen neuen Bettentrakt. Der Modulbau entsteht auf dem Areal des ehemaligen Parkhauses und soll im Dezember fertiggestellt werden. Die Eröffnung ist für Februar oder März 2027 geplant. Damit rückt eine Rückkehr des Standortbetriebs näher, der 2024 wegen Brandschutzmängeln teilweise abgesiedelt worden war.
Neubau nach Absiedlung wegen Brandschutzmängeln
Im Jahr 2024 hatte die spontane Teilschließung des Traumazentrums für Aufsehen gesorgt. Grund waren Mängel beim Brandschutz. Der Standort wurde in der Folge auf ambulanten Betrieb reduziert, Personal und Gerätschaften wurden nach Meidling verlegt. Rettungshubschrauber landen seither nicht mehr auf dem Dach des Gebäudes in der Brigittenau. Sanierungsmaßnahmen beschränkten sich bislang auf den Ambulanzbereich, während der alte Bettentrakt aktuell großteils verwaist ist. Behördenauflagen sehen derzeit die ständige Anwesenheit von Feuerwehrleuten vor.
Beim neuen Modulbau läuft bereits der Innenausbau. Nach der geplanten Eröffnung sollen Personal und Gerätschaften wieder von Meidling zurück in die Brigittenau übersiedelt werden. Thomas Beer, ärztlicher Leiter des Traumazentrums, ist an der Umsetzung des Vorhabens beteiligt.
Weniger Betten, neue Aufgabenverteilung zwischen den Standorten
Das neue Gebäude wird über drei Operationssäle, 56 Normalstationsbetten und vier Intensivbetten verfügen. Das entspricht etwa der Hälfte der Bettenzahl des früheren Krankenhauses. Diese Reduktion ist Teil einer strategischen Neuausrichtung, die bereits vor Jahren geplant war und unabhängig von der Absiedlung 2024 verfolgt wurde.
Im Zuge dieser Neuausrichtung soll der Standort Meidling künftig die Versorgung Schwerstverletzter übernehmen. Die AUVA verfügt mit dem Traumazentrum Meidling über ein weiteres Unfallkrankenhaus in Wien, das diese Aufgabe zusätzlich zum Standort Brigittenau übernehmen kann. In der Brigittenau sollen künftig vor allem planbare Behandlungen und Eingriffe stattfinden. Einen klassischen Schockraum wird es an diesem Standort nicht mehr geben, stattdessen ist eine Art Schockraum-Lightvariante vorgesehen.
Tagesklinik als tragende Säule während der Umbauphase
Während der Umbauphase hat die Tagesklinik einen wesentlichen Teil der Versorgung übernommen. Seit der Teilabsiedlung wurden dort rund 2.000 Eingriffe durchgeführt. Darunter befanden sich 680 arthroskopische Operationen an Knie-, Ellbogen- oder Handgelenken sowie mehr als 200 Kreuzbandoperationen. Langfristig soll im tagesklinischen Bereich eine Quote von 50 Prozent erreicht werden.
Tagesklinische Eingriffe und stationäre Versorgung
Grundsätzlich unterscheidet sich die tagesklinische Behandlung von einem stationären Krankenhausaufenthalt dadurch, dass Patientinnen und Patienten am selben Tag operiert und wieder entlassen werden, ohne über Nacht im Krankenhaus zu bleiben. Solche Eingriffe eignen sich vor allem für planbare Operationen mit überschaubarem Nachsorgebedarf, etwa im Bereich der Gelenkchirurgie. Eine höhere Quote tagesklinischer Behandlungen gilt in vielen Fachbereichen als Möglichkeit, Ressourcen wie Betten und Personal gezielter einzusetzen, während schwerere und komplexere Fälle in stationären Abteilungen mit entsprechender Infrastruktur versorgt werden. Die Aufteilung zwischen ambulanten, tagesklinischen und stationären Leistungen ist in der Unfallchirurgie ebenso wie in anderen medizinischen Fachgebieten ein wiederkehrendes Thema der Versorgungsplanung, das unabhängig von einzelnen Bauprojekten diskutiert wird.
Auch bauliche Vorgaben wie Brandschutzbestimmungen spielen bei der Planung von Krankenhausgebäuden grundsätzlich eine zentrale Rolle. Sie betreffen unter anderem Fluchtwege, Brandabschnitte und die technische Ausstattung von Gebäuden und werden von den zuständigen Behörden im Rahmen von Auflagen überprüft. Bei Abweichungen von diesen Vorgaben können Behörden Auflagen erteilen, die von baulichen Nachbesserungen bis zu organisatorischen Maßnahmen wie einer zusätzlichen Brandwache reichen können.







