In Michelbach im Bezirk St. Pölten wird die Trinkwasserversorgung derzeit über einen Tankwagen sichergestellt, der Wasser aus Nachbargemeinden anliefert. Der Wagen, der sonst Milch transportiert, ist seit vier Wochen im Einsatz und bringt pro Woche rund 300 Kubikmeter Trinkwasser in die Gemeinde. Hintergrund ist eine versiegte Quelle: Von den drei Quellen, aus denen Michelbach bislang Wasser bezogen hat, liefert eine derzeit gar kein Wasser mehr.
Wasser aus Nachbargemeinden für rund 850 Einwohner
Die Gemeinde Michelbach mit ihren rund 850 Einwohnerinnen und Einwohnern kauft das benötigte Trinkwasser derzeit von Nachbargemeinden zu. Pro Kubikmeter zahlt die Gemeinde laut eigenen Angaben zwischen 15 und 17 Euro. Angesichts der angespannten Lage ruft Michelbach die Bevölkerung zum Wassersparen auf. Bürgermeister Gerhard Berger (ÖVP) und die Gemeindeverantwortlichen suchen zugleich nach zusätzlichen Quellen, um die Versorgung langfristig wieder eigenständig sicherstellen zu können.
Michelbach ist mit diesem Aufruf nicht allein. Auch die Gemeinden Pöggstall im Bezirk Melk, Weitra im Bezirk Gmünd und Laab im Walde im Bezirk Mödling appellieren an ihre Bevölkerung, sparsam mit Wasser umzugehen. Die Aufrufe betreffen damit mehrere Regionen in unterschiedlichen Teilen Niederösterreichs.
Erhöhter Verbrauch bei EVN Wasser
Der Versorger EVN Wasser, der zahlreiche Gemeinden in Niederösterreich mit Trinkwasser beliefert, verzeichnete im Juni einen Haushaltsverbrauch, der über dem Niveau des Vorjahres lag. Laut EVN Wasser hielten die hohen Verbrauchswerte ungewöhnlich lange an. Mittlerweile hat sich die Situation nach Angaben des Unternehmens jedoch wieder stabilisiert. Eine Versorgungskrise hat EVN Wasser nach eigenen Angaben nicht festgestellt, entsprechend wurden auch keine Wassersparmaßnahmen ausgerufen. Als Sprecher von EVN Wasser tritt in diesem Zusammenhang Jakob Denk auf.
Grundwasserneubildung und Quellschüttung bei Trockenheit
Grundsätzlich hängt die Ergiebigkeit von Quellen unmittelbar von der Menge des Niederschlags ab, der im jeweiligen Einzugsgebiet versickert und das Grundwasser neu bildet. Bleiben Regenfälle über längere Zeiträume aus oder verdunstet ein Großteil des Niederschlags bei hohen Temperaturen, sinkt der Grundwasserspiegel. Die Folge ist eine geringere Schüttung von Quellen, bis hin zu ihrem vollständigen Versiegen. Besonders anfällig sind dabei kleinere, lokale Quellen, wie sie viele niederösterreichische Gemeinden traditionell zur eigenen Wasserversorgung nutzen.
Kommunen, die auf solche Quellen angewiesen sind, verfügen häufig über begrenzte Möglichkeiten, kurzfristig auf Engpässe zu reagieren. Üblicherweise wird in solchen Fällen zunächst geprüft, ob benachbarte Gemeinden oder größere Versorger einspringen können, etwa durch Zukauf von Wasser oder eine Anbindung an bestehende Leitungsnetze. Bis eine dauerhafte Lösung gefunden ist, etwa durch die Erschließung neuer Quellen oder den Anschluss an ein überregionales Versorgungssystem, kann die Versorgung über Tankwagen eine Übergangslösung darstellen. Solche Transporte sind allerdings vergleichsweise aufwendig und kostenintensiv, da Wasser in größeren Mengen über die Straße bewegt werden muss.
Auch der Wasserverbrauch der Bevölkerung spielt bei der Belastung der Versorgungssysteme eine Rolle. In den Sommermonaten steigt der Bedarf typischerweise durch die Bewässerung von Gärten, das Befüllen von Pools oder einen allgemein höheren Wasserverbrauch bei warmen Temperaturen deutlich an. Fallen zusätzlich ergiebige Niederschläge über längere Zeit aus, verschärft sich die Situation für Versorger und Kommunen gleichermaßen. Aufrufe zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser sind in solchen Phasen ein verbreitetes Mittel, um Verteilnetze und vorhandene Ressourcen zu entlasten, ohne unmittelbar in die Versorgung eingreifen zu müssen.
Größere Versorgungsunternehmen wie EVN Wasser verfügen in der Regel über ein breiteres Netz an Quellen, Brunnen und Verbundleitungen, wodurch Schwankungen bei einzelnen Wasservorkommen leichter ausgeglichen werden können als bei kleinen Gemeinden mit nur wenigen eigenen






