Österreich hat die trockensten zwölf Monate seiner Messgeschichte hinter sich. Das teilte GeoSphere Austria mit. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1850 wurde noch nie ein derart geringer Niederschlag über einen Zeitraum von zwölf Monaten registriert. Damit handelt es sich um die trockenste Phase seit 176 Jahren.
Besonders betroffen ist Niederösterreich. Dort fehlen seit Jahresbeginn 43 Prozent des üblichen Niederschlags. Damit liegt das Bundesland unter allen österreichischen Bundesländern an der Spitze der Niederschlagsdefizite.
Massives Niederschlagsdefizit im Osten Österreichs
Von Ende Februar bis Anfang August 2026 fielen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland zusammengenommen nur rund 211 Millimeter Niederschlag. Üblich wären in diesem Zeitraum 405 Millimeter gewesen. In Niederösterreich und Wien liegt das Defizit damit bei 40 bis 50 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittel.
Wie ungleichmäßig sich die Trockenheit regional auswirkt, zeigt das Beispiel Poysdorf im Bezirk Mistelbach im Weinviertel. Dort hat es seit dem 8. Juli 2026 nicht mehr geregnet. Erst am Montagmorgen, dem 17. August 2026, fiel in einigen Regionen Niederösterreichs nach Wochen ohne Niederschlag wieder etwas Regen.
Zur langen Trockenphase kommt eine ungewöhnlich hohe Zahl an Hitzetagen hinzu. Seit Ende Februar wurden in Ostösterreich 26 Tage mit Temperaturen von mindestens 30 Grad gezählt. Das ist ein Rekordwert. An einzelnen Tagen wurden Temperaturen von bis zu 41 Grad gemessen. Klaus Haslinger, Klimaforscher bei GeoSphere Austria, ordnete die Daten für die Institution ein.
Wie Niederschlagsdefizite gemessen und eingeordnet werden
Grundsätzlich vergleichen Meteorologinnen und Meteorologen aktuelle Niederschlagsmengen mit langjährigen Mittelwerten, die auf Basis mehrjähriger Referenzperioden berechnet werden. Ein Niederschlagsdefizit beschreibt dabei die prozentuale Abweichung der tatsächlich gefallenen Regenmenge von diesem üblichen Wert für eine bestimmte Region und einen bestimmten Zeitraum.
Solche Defizite werden von Institutionen wie GeoSphere Austria regelmäßig ausgewertet, da langanhaltende Trockenperioden weitreichende Folgen haben können. Dazu zählen üblicherweise Auswirkungen auf die Landwirtschaft, etwa durch verringerte Bodenfeuchte und Ertragseinbußen bei Kulturpflanzen, sowie Belastungen für Wasserhaushalt und Grundwasserstände. Auch die Waldbrandgefahr steigt bei anhaltender Trockenheit in Kombination mit hohen Temperaturen erfahrungsgemäß an.
Die Zahl der Hitzetage, also Tage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad, gilt als weiterer wichtiger Indikator der Klimastatistik. In Kombination mit ausbleibendem Niederschlag verstärken hohe Temperaturen üblicherweise die Verdunstung von Bodenfeuchte, was Trockenperioden zusätzlich verschärfen kann. Meteorologische Messreihen wie jene der GeoSphere Austria, die bis ins Jahr 1850 zurückreichen, ermöglichen es, aktuelle Wetterphasen im langfristigen historischen Vergleich einzuordnen und Rekordwerte wie den nun registrierten zwölfmonatigen Niederschlagsmangel zu identifizieren.






