Vorarlberg hat einen der heißesten Sommer seiner Messgeschichte hinter sich, und die Folgen reichen bis in die Wasserversorgung und die Wälder des Landes. Bei der ORF-Diskussionsreihe „Ein Ort am Wort“ am Dienstagabend im Gasthof Löwen in Tschagguns sprachen Fachleute aus Meteorologie, Forstwirtschaft und Wasserwirtschaft über die extremen Wetterlagen der vergangenen Wochen und Monate. Moderiert wurde die Runde von ORF-Moderator David Breznik.
Rekordwerte bei Hitzetagen
Meteorologe Klaus Marquardt nannte bei der Veranstaltung konkrete Zahlen zur Hitzebilanz des Jahres. In Bregenz wurden 49 Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad gezählt, in Bludenz waren es 55. In Fraxern kletterte das Thermometer an zwei Tagen über die 35-Grad-Marke. Laut Marquardt hatte es dort zuvor noch nie 35 Grad gegeben. Bereits der April sei trocken gewesen, im Mai habe es schon mehrere Tage mit über 30 Grad gegeben.
Landesforstdirektor Andreas Amann schilderte die Auswirkungen der Trockenheit auf den Wald. Die Wasservorräte im Waldboden seien nahezu aufgebraucht. Bäume würden unter Trockenstress ihre Blätter frühzeitig abwerfen, um Wasser zu sparen. Bei den Frühjahrsaufforstungen habe es zudem sehr große Ausfälle gegeben. Ob sich der Wald noch in den Winter retten könne, hänge laut Amann vom kommenden Regen ab.
Engpässe bei der Wasserversorgung
Matthias Nester von der Abteilung Wasserwirtschaft im Land Vorarlberg berichtete von Engpässen in neun Gemeinden. Diese konnten über bestehende Verbundleitungen gedeckt werden. Nester verwies zudem auf die Entwicklung der Grundwasserstände: Ein Viertel der Grundwasser-Messstellen im Land habe ein historisches Minimum erreicht. Die Niederschläge seit September 2024 lägen um mehr als ein Drittel unter dem Durchschnitt.
Um die Versorgungssicherheit zu erhöhen, wurde in den vergangenen Jahren das Netz an sogenannten Notverbünden ausgebaut. Während 2009 rund 30 Prozent der Wasserversorger über einen solchen Notverbund verfügten, sind es aktuell 60 Prozent. Nur vier Prozent der Bevölkerung werden derzeit von einem Wasserversorger ohne Notverbund versorgt. An weiteren Verbindungen wird laut Nester im Walgau und im Bregenzerwald gearbeitet.
Resistente Eschen aus dem Landesforstgarten
Als eine Reaktion auf die veränderten Bedingungen wurde im Landesforstgarten in Rankweil die erste Plantage mit resistenten Eschen angepflanzt. Die ersten Samen könnten dort in zwei bis drei Jahren geerntet werden.
Notverbund als Sicherheitsnetz der Wasserversorgung
Ein Notverbund verbindet unterschiedliche Wasserversorgungsnetze miteinander, sodass im Bedarfsfall Wasser aus einem Netz mit ausreichender Versorgung in ein Gebiet mit Engpässen geleitet werden kann. Solche Verbundlösungen gelten in der Wasserwirtschaft grundsätzlich als wichtiges Instrument, um kurzfristige Ausfälle einzelner Quellen oder Brunnen abzufedern, etwa infolge von Trockenheit, technischen Störungen oder erhöhtem Bedarf. Gerade in Regionen mit kleinteiliger, kommunal organisierter Wasserversorgung wird der Ausbau solcher Netzverbindungen häufig über mehrere Jahre hinweg schrittweise vorangetrieben.
Auch in der Forstwirtschaft ist der Umgang mit klimatischen Extremen kein neues Thema. Bei anhaltender Trockenheit geraten Bäume unter Stress, was sich unter anderem in vorzeitigem Blattfall, verringertem Wachstum und einer höheren Anfälligkeit für Schädlinge äußern kann. Die Auswahl und Züchtung widerstandsfähigerer Baumarten beziehungsweise Sorten gilt in diesem Zusammenhang als längerfristige Strategie, um Wälder besser an veränderte klimatische Bedingungen anzupassen. Solche Vorhaben benötigen jedoch in der Regel mehrere Jahre, bis erste Ergebnisse etwa in Form von Saatgut vorliegen.
Unsichere Aussichten für die kommenden Monate
Zur weiteren Entwicklung äußerte sich Klaus Marquardt bei der Diskussion zurückhaltend. Ein nennenswerter Niederschlag sei in dieser Woche nicht in Sicht. Es gebe zwar erste Indizien, dass es im November nasser werden könnte, die Vorhersage dazu sei aber unsicher. Ob der kommende Winter mild ausfällt, sei aufgrund einer dünnen Datenlage ebenfalls offen







