Kärnten hat in diesem Sommer ungewöhnlich hohe Temperaturen erlebt. Nach Angaben des EU-Klimawandeldienstes Copernicus war es im Juni und Juli in Europa noch nie so heiß wie 2026. In Kärnten wurden Temperaturen bis zu 38 Grad gemessen, in Klagenfurt gab es an 33 Tagen Werte über 30 Grad – ein neuer Rekord. Die anhaltende Hitze stellt Menschen im Bundesland vor unterschiedliche Herausforderungen, von der Suche nach Abkühlung bis zu gesundheitlichen Risiken.
Rekordhitze und die Suche nach kühlen Orten
Angesichts der hohen Temperaturen suchen viele Menschen in Kärnten gezielt Orte auf, an denen sie Abkühlung finden. Die Tropfsteinhöhle Griffen zählt dazu: Dort herrscht das ganze Jahr über eine konstante Temperatur von 7,5 Grad. Vereinsobfrau Herta Dobrounig berichtet, dass die Höhle jeden Tag geöffnet ist und jährlich rund 10.000 Besucher anzieht. In den Sommermonaten ist der Andrang besonders groß, fast jede Führung ist ausgebucht.
Auch Gewässer bieten Abkühlung, allerdings mit unterschiedlichen Temperaturen. Der Waidischbach führt Wasser aus den Karawanken mit etwa 15 Grad, während die Kärntner Badeseen im Schnitt eine deutlich wärmere Wassertemperatur von 26 Grad aufweisen.
Gesundheitliche Risiken bei schneller Abkühlung
Der plötzliche Wechsel von großer Hitze zu kaltem Wasser ist für den Körper nicht ohne Risiko. Stefan Neuwersch-Sommeregger, Intensiv-Oberarzt am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in St. Veit, weist darauf hin, dass beim schnellen Abkühlen in kaltem Wasser die Hautgefäße eng gestellt werden. Das Herz muss dadurch gegen einen erhöhten Widerstand anarbeiten.
Am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder wurden im heurigen Jahr mehr Patienten mit Hitzschlag behandelt als in den vergangenen Jahren. Die anhaltend hohen Temperaturen wirken sich damit auch unmittelbar auf die medizinische Versorgung im Bundesland aus.
Belastung für Obdachlose in der Tagesstätte Eggerheim
Besonders betroffen von der Hitze sind Menschen ohne festen Wohnsitz. Das Eggerheim der Caritas bietet Obdachlosen einen Garten mit Schatten und einem Brunnen als Rückzugsort. Christian Eile, Bereichsleiter der Caritas Kärnten, berichtet, dass täglich 70 bis 80 Besucher in die Einrichtung kommen. Die Tagesstätte hat damit ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Nach Einschätzung von Eile würden rund 20 Plätze mehr benötigt, um alle Bedürftigen aufnehmen zu können.
In Klagenfurt gibt es zudem großzügige Alkoholverbotszonen. Ergänzend existiert ein Projekt der sogenannten Klimaoasen, bei dem Menschen während großer Hitze in Kirchen Zuflucht finden können.
Hitzewellen und ihre unterschiedlichen Auswirkungen
Grundsätzlich wirken sich lang anhaltende Hitzeperioden auf verschiedene Bereiche des öffentlichen Lebens aus. Krankenhäuser verzeichnen bei extremen Temperaturen üblicherweise eine höhere Zahl an Behandlungen im Zusammenhang mit Kreislaufproblemen und Hitzeerkrankungen, da der Körper bei großer Hitze verstärkt belastet wird. Auch der Flüssigkeitshaushalt und die Regulierung der Körpertemperatur spielen dabei eine zentrale Rolle.
Für sozial schwächere Gruppen, insbesondere für Menschen ohne eigene Wohnung, stellt anhaltende Hitze eine besondere Herausforderung dar. Schattenplätze, Trinkwasserzugänge und kühle Rückzugsorte sind in solchen Phasen von besonderer Bedeutung. In vielen Städten und Gemeinden werden daher öffentliche Kühlmöglichkeiten geschaffen oder bestehende Einrichtungen wie Kirchen, Bibliotheken oder soziale Anlaufstellen für den Aufenthalt an heißen Tagen geöffnet.
Auch touristische und natürliche Kühlorte wie Höhlen gewinnen an heißen Tagen an Bedeutung. Sie bieten aufgrund ihrer konstanten, niedrigen Temperaturen unabhängig von der Außenwitterung eine verlässliche Abkühlung und werden in Hitzeperioden entsprechend stärker frequentiert. Bei natürlichen Gewässern hängt die Wassertemperatur hingegen stark von Quelle, Höhenlage und Zufluss ab, was zu deutlichen Unterschieden zwischen einzelnen Gewässern führen kann.








