Nach einem mutmaßlichen Sabotageversuch an einem Umspannwerk in Nordrhein-Westfalen hat die Salzburg AG die Kontrollen an ihrem Stromnetz verstärkt. Am Donnerstagabend waren in der Nähe der deutschen Anlage Abschussvorrichtungen für pyrotechnische Gegenstände gefunden worden, nach dem Täter wird gefahndet. Auch in Salzburg beschäftigen sich Energieversorger, Feuerwehr und Bundesheer derzeit intensiv mit dem Schutz kritischer Infrastruktur.
Verstärkte Kontrollen am Salzburger Stromnetz
Die Salzburg AG betreibt in Salzburg ein Stromnetz mit einer Leitungslänge von 19.000 Kilometern, dazu kommen 29 Umspannwerke und mehr als 5.000 Trafostationen. Das gesamte Hochspannungsnetz ist nach dem sogenannten N-1-Prinzip ausgebaut, das heißt, der Ausfall einer einzelnen Anlagenkomponente führt nicht zu einem Versorgungsausfall. Christina Staude, Geschäftsführerin der Salzburg Netz GmbH, verwies zudem auf Investitionen des Unternehmens in Cybersicherheit.
Landesfeuerwehrkommandant Günter Trinker verwies darauf, dass in den Jahren 2017 und 2018 fast alle Feuerwehrhäuser in Salzburg mit Stromgeneratoren ausgestattet wurden. Diese Ausstattung ermöglicht es, bei einem Stromausfall zumindest an den jeweiligen Standorten weiterhin handlungsfähig zu bleiben.
Gesetzliche Vorgaben für kritische Einrichtungen
Seit März ist in Österreich das Resilienz-kritischer-Einrichtungen-Gesetz in Kraft. Es betrifft unter anderem Krankenhäuser, Kraftwerke und Lebensmittelversorger. Aus dem Gesetz ergeben sich Verpflichtungen zu regelmäßigen Risikoanalysen sowie zur Umsetzung von Resilienzmaßnahmen. Zusätzlich besteht eine Meldepflicht, wenn es zu Sicherheitsvorfällen kommt.
Zuständigkeiten am Flughafen Salzburg
Für den Schutz des Salzburger Flughafens bei einem möglichen Drohnenvorfall sind die Polizei und Austro Control gemeinsam zuständig. Bei Bedarf kann zusätzlich Unterstützung durch das Bundesheer angefordert werden. Eine fest stationierte Drohnenabwehr gibt es am Flughafen Salzburg derzeit nicht.
Beobachtungen rund um militärische Einrichtungen
Das Bundesheer beobachtet seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine eine Häufung verdächtiger Aktivitäten rund um militärische Einrichtungen. Konkret werden bei der Schwarzenbergkaserne immer wieder Drohnen gesichtet. In der Kaserne ist das Kommando der Luftstreitkräfte untergebracht.
Schutz von Energieinfrastruktur als dauerhafte Aufgabe
Der Schutz von Stromnetzen, Umspannwerken und anderen Einrichtungen der Energieversorgung gilt allgemein als komplexe Aufgabe, weil sich Anlagen häufig über große geografische Flächen erstrecken und nur teilweise dauerhaft bewacht werden können. Netzbetreiber setzen deshalb üblicherweise auf eine Kombination aus technischer Redundanz, wie sie etwa das N-1-Prinzip vorsieht, sowie auf Überwachungssysteme und organisatorische Notfallpläne. Ziel solcher Konzepte ist es, den Ausfall einzelner Anlagenteile abzufedern, ohne dass die Versorgung größerer Gebiete unterbrochen wird.
Auch der Schutz von Flughäfen vor Drohnen stellt Sicherheitsbehörden europaweit vor ähnliche Herausforderungen. Da unbemannte Fluggeräte klein, leise und schwer zu orten sind, sind Nachweis und Abwehr technisch aufwendig. In vielen Fällen erfolgt die Reaktion auf gemeldete Sichtungen deshalb im Zusammenspiel mehrerer Behörden, etwa der Flugsicherung, der Polizei und gegebenenfalls des Militärs, das über spezialisierte Mittel zur Luftraumüberwachung verfügt.
Gesetzliche Regelungen wie das Resilienz-kritischer-Einrichtungen-Gesetz zielen darauf ab, Betreiber besonders sensibler Infrastruktur zu verpflichten, Risiken systematisch zu erfassen und Vorfälle zeitnah zu melden. Damit soll sichergestellt werden, dass sich Behörden rascher ein Lagebild verschaffen können, wenn es zu Störungen oder Angriffen auf Einrichtungen kommt, die für die Grundversorgung der Bevölkerung wesentlich sind.







