Seltenes Naturschauspiel in Rankweil: Sonnenstrahl durchdringt sechs Meter dicke Mauer zur Tag-und-Nachtgleiche

Hinweis: Dieses Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt und dient der symbolischen Illustration. Es zeigt keine authentische Aufnahme des beschriebenen Ereignisses.

Dieses Thema Freunden empfehlen

In der Landesgedächtniskapelle unter der Basilika Rankweil hat am 23. September 2026 ein besonderes Lichtspiel stattgefunden. Der ansonsten völlig dunkle Raum wird nur zweimal im Jahr von der Sonne erhellt. Ein Sonnenstrahl durchdringt dabei die fast sechs Meter dicke Mauer des Bauwerks und trifft auf eine Truhe mit Erinnerungsstücken an Opfer von Gewalt. Der Höhepunkt des Lichtspiels lag zwischen 17.45 und 18.15 Uhr.

Ein millimetergenau berechneter Lichteinfall

Die Landesgedächtniskapelle liegt tief im Fundament der Basilika Rankweil, unterhalb des Hauptschiffs. Es handelt sich um einen Felsenkeller ohne Fenster und ohne jeden Ausblick nach außen. Umso bemerkenswerter ist der Effekt, der sich zweimal jährlich einstellt: Ein schmaler Sonnenstrahl dringt durch die massive Mauer und fällt genau auf eine Truhe im Inneren des Raums. Dieses Lichtspiel wurde von Architekten millimetergenau berechnet, damit der Strahl exakt zum astronomischen Beginn des Herbstes beziehungsweise Frühlings auf sein Ziel trifft.

In der Truhe befinden sich drei Objekte. Dazu zählen zwei Totenbücher, in denen sämtliche Vorarlberger Gefallenen und Vermissten des Ersten und Zweiten Weltkriegs verzeichnet sind. Hinzu kommen ein Rosenkranz sowie eine schädelförmige Maske. Der Rosenkranz stammt vom seligen Carl Lampert, der ihn im Konzentrationslager bei sich trug.

Vom Kriegerdenkmal zum Ort für alle Gewaltopfer

Das Konzept für die Gedächtniskapelle entstand im Jahr 2009, umgesetzt wurde es 2012 durch das Architekturbüro Cukrowicz-Nachbaur. Die frühere Gedenkstätte, die den Gefallenen der beiden Weltkriege gewidmet war, wurde dabei zu einem Gedächtnisort für alle Opfer von Gewalt umgestaltet. Ausdrücklich eingeschlossen sind seither auch Euthanasieopfer. Zeitgleich wurde die benachbarte Fridolinszelle neu gestaltet. Sämtliche Oberflächen dieses Raums wurden in Freskotechnik mit Rebschwarz eingefärbt.

Tag und Nacht im Gleichgewicht

Grundlage für das Lichtspiel in Rankweil ist ein astronomisches Ereignis, das sich unabhängig von Ort und Bauwerk jedes Jahr wiederholt. Am 23. September 2026 begann der astronomische Herbst. Die Tag-und-Nachtgleiche fand um 02.05 Uhr MEZ statt, dem Zeitpunkt, an dem Tag und Nacht überall auf der Erde annähernd gleich lang sind. Die Sonne steht dabei exakt senkrecht über dem Äquator. Ein solches Ereignis gibt es astronomisch betrachtet nur zweimal im Jahr, jeweils Ende September und Mitte März.

Bei der Planung von Gebäuden, die einen präzisen Lichteinfall zu bestimmten Zeitpunkten nutzen, spielt der genaue Sonnenstand eine zentrale Rolle. Architekten berechnen dafür üblicherweise Einfallswinkel und Tageszeit über einen längeren Zeitraum im Voraus, um sicherzustellen, dass ein Lichtstrahl auch durch dicke Mauern oder enge Öffnungen exakt an einer vorgesehenen Stelle auftrifft. Solche Konstruktionen finden sich in unterschiedlichen kulturellen und religiösen Kontexten, etwa bei historischen Bauwerken, die auf Sonnwendtage oder Tagundnachtgleichen ausgerichtet sind. Die Genauigkeit solcher Effekte hängt von einer sorgfältigen Abstimmung zwischen Architektur und astronomischen Gegebenheiten ab.