In vier von sieben Wiener Spitälern des Wiener Gesundheitsverbundes sind die Bettenstationen zum Großteil nicht klimatisiert. Zentral gekühlt sind derzeit lediglich die Kliniken Floridsdorf und Landstraße sowie das AKH Wien. In den übrigen Häusern beschränkt sich die Kühlung auf besonders sensible Bereiche wie Operationssäle und Intensivstationen. In den Kliniken Donaustadt, Ottakring und teilweise auch Favoriten gilt bereits Hitzealarm.
Hitzealarm in mehreren Wiener Kliniken
Der Wiener Gesundheitsverbund betreibt insgesamt sieben Kliniken. In den nicht zentral klimatisierten Standorten sind ausschließlich OP-Säle, Intensivstationen und vergleichbar sensible Bereiche gekühlt, während die regulären Bettenstationen ohne durchgängige Klimatisierung auskommen müssen. Als Reaktion auf die anhaltend hohen Temperaturen hat der Gesundheitsverbund Akutmaßnahmen ergriffen, darunter Deckenkühlung und Beschattung.
Hannes Wölflingseder vom Fachbereich Gesundheit der Gewerkschaft vida erklärte, die Gebäude seien nicht auf langanhaltende hohe Temperaturen ausgelegt. ÖVP und FPÖ fordern in Wien vor diesem Hintergrund ein flächendeckendes Nachrüsten der Spitäler mit Klimaanlagen.
Michael Lischent vom Wiener Gesundheitsverbund verwies dagegen auf den baulichen Aufwand eines solchen Vorhabens. Ein flächendeckendes Nachrüsten in den bestehenden Altgebäuden sei mit zu hohem Aufwand verbunden. Als Probleme nannte er sowohl Hygiene- als auch Kostengründe. Bei neuen Spitalsbauten sind Klimaanlagen dagegen von Beginn an eingeplant, etwa im Neubau der Klinik Favoriten. Im Zuge solcher Modernisierungen sollen spitalstaugliche zentrale Klimaanlagen errichtet werden, die mit medizinischen Spezialfiltern vor Keimen schützen sollen.
Klimatechnik in älteren Spitalsgebäuden
Die Nachrüstung von Klimaanlagen in bestehenden Krankenhausbauten gilt grundsätzlich als technisch anspruchsvoll. Anders als in Neubauten, in denen Lüftungs- und Kühlsysteme von vornherein in die Statik und die Leitungsführung integriert werden können, müssen in älteren Gebäuden nachträglich Schächte, Leitungen und technische Anlagen eingebaut werden. Das kann tiefgreifende Eingriffe in die vorhandene Bausubstanz erfordern und ist entsprechend kosten- und zeitintensiv.
Hinzu kommt in Krankenhäusern eine besondere hygienische Anforderung an Klimatechnik. Zentrale Lüftungs- und Kühlsysteme müssen in medizinischen Einrichtungen so ausgelegt sein, dass sie nicht selbst zur Quelle einer Keimverbreitung werden. Üblicherweise kommen dafür spezielle Filtersysteme zum Einsatz, die Krankheitserreger und Partikel aus der Luft binden, bevor diese in sensible Bereiche wie Patientenzimmer oder Operationssäle gelangt. Solche Anforderungen erhöhen den technischen und finanziellen Aufwand zusätzlich gegenüber einer einfachen Klimatisierung, wie sie etwa in Büro- oder Wohngebäuden üblich ist.
Bei der Sanierung oder dem Neubau von Spitälern wird Klimatechnik daher in der Regel von Anfang an in die Gesamtplanung integriert, um spätere aufwendige Nachrüstungen zu vermeiden. Dieser Ansatz erklärt, warum neue Spitalsbauten durchgängig mit Klimaanlagen ausgestattet werden, während in bestehenden Altbauten häufig nur einzelne, besonders sensible Bereiche gekühlt werden. Die Umstellung eines gesamten Klinikbetriebs auf zentrale Klimatisierung ist daher meist ein langfristiger Prozess, der eng an größere Modernisierungs- oder Neubauprojekte gekoppelt ist.
Hinweis zur Faktenprüfung
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