Bei zwei großen Waldbränden im Föhrenwald im Gemeindegebiet von St. Egyden am Steinfeld im Bezirk Neunkirchen haben Hunderte Feuerwehrleute freiwillig und unentgeltlich mitgeholfen. Der Einsatz lenkt den Blick auf ein System, das in Österreich fast ausschließlich auf ehrenamtlicher Arbeit beruht: 99 Prozent aller Feuerwehrmänner und -frauen im Land sind freiwillig tätig. Berufsfeuerwehren gibt es nur in den sechs größten Städten Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt.
Freiwillige tragen den Einsatz im Föhrenwald
Die beiden Waldbrände im Föhrenwald bei St. Egyden am Steinfeld wurden von einer großen Zahl freiwilliger Kräfte bekämpft. Diese Feuerwehrleute leisteten ihren Dienst ohne Bezahlung. Damit steht der Einsatz im Bezirk Neunkirchen exemplarisch für die Struktur des österreichischen Feuerwehrwesens, in dem freiwillige Kräfte den weit überwiegenden Teil der Einsätze im ganzen Land bewältigen.
Österreich und Slowenien an der Spitze im weltweiten Vergleich
Roman Sykora, Generalsekretär des Weltfeuerwehrverbandes, verweist darauf, dass Österreich gemeinsam mit Slowenien im Verhältnis zur Einwohnerzahl weltweit die meisten freiwilligen Feuerwehrleute hat. Diese Struktur zeigt sich auch bei internationalen Hilfseinsätzen. Über den EU-Zivilschutzmechanismus haben österreichische Feuerwehrleute in den vergangenen zehn Jahren bei fast 100 Einsätzen in ganz Europa geholfen, unter anderem bei Waldbränden in Frankreich, Griechenland und Nordmazedonien. Derzeit steht ein Team aus Niederösterreich auf Sardinien in Bereitschaft.
Umgekehrt benötigte auch Österreich in diesem Zeitraum Unterstützung aus dem Ausland. Laut Angaben der Europäischen Kommission war das in den vergangenen zehn Jahren sechsmal der Fall. Beim Waldbrand im Raxgebiet im Jahr 2021 waren Löschhubschrauber und Löschflugzeuge aus Deutschland, Italien und der Slowakei in Niederösterreich im Einsatz.
Landesfeuerwehrkommandant fordert Unterstützung bei Spezialausrüstung
Für die Feuerwehren in Österreich stehen jährlich 140 Millionen Euro an Budget für das gesamte Bundesgebiet zur Verfügung. Niederösterreichs Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner fordert, dass die Bundesregierung die Feuerwehr bei der Anschaffung von Spezialausrüstung unterstützen soll. Genannt werden dabei etwa Großtankfahrzeuge oder Löschkübel für Hubschrauber. Ob das bestehende Budget für die aktuellen Anforderungen ausreicht, ist eine Einschätzung Fahrafellners und keine amtlich festgestellte Tatsache. Eine konkrete Erhöhung des Budgets ist bislang nicht beschlossen, sondern Gegenstand der Forderung des Landesfeuerwehrkommandanten.
Organisation des Feuerwehrwesens in Österreich
Das österreichische Feuerwehrwesen ist grundsätzlich föderal organisiert. Die Landesfeuerwehrverbände koordinieren die freiwilligen Feuerwehren in den jeweiligen Bundesländern, während in den größten Städten hauptberufliche Kräfte im Schichtbetrieb tätig sind. Freiwillige Feuerwehren rücken bei Bränden, Unwetterschäden, Verkehrsunfällen und technischen Notfällen aus und stellen in weiten Teilen des Landes die einzige flächendeckende Einsatzorganisation dieser Art dar. Die Ausrüstung reicht von Löschfahrzeugen über technisches Gerät bis zu Spezialausrüstung für Wald- und Vegetationsbrände, deren Beschaffung erhebliche Investitionen erfordert.
Der EU-Zivilschutzmechanismus ermöglicht es Mitgliedstaaten grundsätzlich, bei Katastrophen wie Waldbränden, Überschwemmungen oder Erdbeben Personal und Ausrüstung aus anderen europäischen Ländern anzufordern. Die Europäische Kommission koordiniert dabei die Vermittlung von Hilfeleistungen zwischen den beteiligten Staaten. Umgekehrt können nationale Einsatzkräfte im Rahmen dieses Mechanismus auch selbst international zum Einsatz kommen, etwa bei großflächigen Vegetationsbränden im südeuropäischen Raum, wie sie in den Sommermonaten wiederkehrend auftreten. Die Bereitschaft, Kräfte für solche Einsätze verfügbar zu machen, hängt dabei stets auch von der personellen und materiellen Ausstattung der jeweiligen nationalen Feuerwehrstrukturen ab.








