Der Umweltausschuss der Stadt Wien hat diese Woche den Beginn der Planungen für eine neue Abfallbehandlungsanlage beschlossen. Sie soll neben der Reststoffdeponie Rautenweg in der Donaustadt entstehen und ist für die Behandlung von Restmüll und Sperrmüll vorgesehen. Eine Strategische Umweltprüfung wurde bereits durchgeführt.
Neue Anlage für wachsende Stadt
Hintergrund des Projekts ist die erwartete Bevölkerungsentwicklung Wiens. Bis 2055 soll die Einwohnerzahl der Stadt auf rund 2,4 Millionen Menschen steigen. Besonders stark fällt der prognostizierte Zuwachs in den Bezirken Floridsdorf und Donaustadt aus, wo die neue Anlage errichtet werden soll.
In der geplanten Anlage wird der angelieferte Müll zunächst sortiert und anschließend verbrannt. Wertstoffe wie Kunststoffe und Metalle werden dabei vor der Verbrennung herausgeholt und dem Recycling zugeführt. Diese Sortierung findet in den bestehenden drei großen Wiener Restmüllanlagen bislang nicht statt. Die bei der Verbrennung entstehende Abwärme wird in Strom und Wärme für Haushalte umgewandelt.
Der Baubeginn für die neue Anlage ist frühestens für 2030 vorgesehen, die Inbetriebnahme für 2034. Ab 2035 gelten durch die EU verpflichtende Recyclingquoten. Im selben Jahr müssen zudem die bestehenden Anlagen Flötzersteig und Spittelau saniert werden. Die Planung des Neubaus ist im aktuellen Regierungsprogramm der Wiener Stadtregierung festgeschrieben. Für Gutachten und Untersuchungen im Rahmen der Planung sind 13,7 Millionen Euro budgetiert.
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) erklärte, Wien solle durch die neue Anlage auch in Zukunft unabhängig im Bereich der Abfallwirtschaft bleiben.
Verpflichtende Recyclingquoten durch die EU
Die Europäische Union hat in den vergangenen Jahren die Vorgaben für die Kreislaufwirtschaft schrittweise verschärft. Ziel dieser Regelungen ist es, den Anteil an Abfällen zu verringern, der ohne vorherige Stofftrennung verbrannt oder deponiert wird. Kommunen und Abfallwirtschaftsbetriebe sind dadurch zunehmend gefordert, Sortiertechnik so auszubauen, dass verwertbare Materialien wie Metalle und Kunststoffe konsequent aus dem Restmüll herausgelöst werden, bevor dieser thermisch behandelt wird. Anlagen, die Sortierung und Verbrennung miteinander verbinden, gelten in diesem Zusammenhang als eine Möglichkeit, gesetzliche Vorgaben und praktische Entsorgungsbedürfnisse einer wachsenden Stadt zusammenzuführen.
Die energetische Nutzung der bei der Müllverbrennung entstehenden Abwärme ist in Ballungsräumen ein verbreitetes Prinzip der Fernwärmeversorgung. Dabei wird die bei hohen Temperaturen freigesetzte Energie in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in Strom und Fernwärme umgewandelt, die anschließend in bestehende Versorgungsnetze eingespeist werden können. Für Städte mit wachsender Bevölkerung bedeutet dies grundsätzlich, dass Entsorgungsinfrastruktur und Energieversorgung eng miteinander verknüpft geplant werden müssen, um sowohl steigende Abfallmengen als auch einen wachsenden Wärme- und Strombedarf abzudecken.







