Drohnen-Testflug zum Kormoranmanagement am Bodensee durchgeführt
Am Bodensee ist erstmals Drohnentechnik eingesetzt worden, um die Ausbreitung von Kormoranen zu begrenzen. Das baden-württembergische Agrarministerium informierte über einen Testflug, bei dem Eier in Kormorannestern mit Öl behandelt wurden.
Mit dem Verfahren soll der Bruterfolg der Kormorane reduziert und der Fraßdruck auf gefährdete Fischarten im Bodensee gesenkt werden. Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) bezeichnete den Testflug als vollen Erfolg.
Test im Naturschutzgebiet Halbinsel Mettnau
Der Drohnen-Testflug fand am 8. April an einer Kormorankolonie im Untersee im Naturschutzgebiet Halbinsel Mettnau statt. Eingesetzt wurde eine speziell modifizierte Agrardrohne mit einem Gesamtdurchmesser von über zwei Metern und einem rund fünf Meter langen Karbon-Auslegearm.
Die Drohne konnte von einer Plattform auf einem Schiff gestartet und in die Kormorankolonie geflogen werden. Innerhalb von etwa 15 Minuten wurden vier Kormorannester auf unterschiedlichen Bäumen behandelt. Die in Baumkronen gelegenen Eier wurden dabei mit Öl benetzt, damit sie sich nicht weiterentwickeln und der Bruterfolg verringert wird.
Beobachtet wurde, dass die Kormorane ihre Nester erst bei geringem Abstand zur Drohne verließen und kurz nach dem Einsatz zurückkehrten. Andere Vogelarten wie Höckerschwäne oder Mittelmeermöwen wirkten nach Angaben des Ministeriums kaum beunruhigt. In diesem Jahr sei in allen Kormorankolonien am Bodensee ein sehr später Brutbeginn zu beobachten; in manchen scheinbar besetzten Nestern waren beim Test noch keine Eier vorhanden.
Teil eines Interreg-Projekts zum Fischartenschutz
Der Drohneneinsatz ist Teil des Interreg-Projekts „Fischartenschutz und Kormoranmanagement am Bodensee“, das 2025 von Baden-Württemberg gestartet wurde und bis 2028 läuft. Ziel ist die Verbesserung des Fischartenschutzes am Bodensee. An dem Projekt beteiligen sich Baden-Württemberg und Vorarlberg; Drohnenflüge sind ein Baustein der Maßnahmen.
Im Rahmen des Projekts wurden bereits zwei ausgewachsene Kormorane mit Sendern versehen, um ihr Bewegungsverhalten zu studieren. Interreg ist ein Regionalprogramm der EU zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit, an dem sich auch Nicht-EU-Staaten beteiligen können.
Die Ergebnisse und Erkenntnisse des Testfluges sollen in den kommenden Wochen ausgewertet und mit einem projektbegleitenden Expertenkreis besprochen werden. Diesem gehören Vertreterinnen und Vertreter des behördlichen und privaten Naturschutzes, der Fischerei und der Jagd an. Erst nach der Auswertung soll beurteilt werden, ob und wie weitere Drohnenflüge in größeren Kormorankolonien im Rahmen des Projekts geplant und durchgeführt werden können.
Vorarlberg verstärkt Kormoranmanagement
Auch Vorarlberg ist an dem Interreg-Projekt beteiligt und verstärkt seine Bemühungen, den Kormoranbestand am Bodensee zu kontrollieren. Das Land gibt jährlich rund 30.000 Euro für Kormoranmanagement und Kormoranmonitoring aus und beteiligt sich mit 18.400 Euro an dem laufenden Projekt.
Seit 2001 brüten Kormorane am Vorarlberger Bodenseeufer im Bereich der unter Naturschutz stehenden Fußacher Bucht. Die Bruten führten zu Konflikten mit der Fischerei. Nach Angaben des Landes liegt die Zahl der in Vorarlberg brütenden Kormorane seit etwa zehn Jahren bei rund 50 Paaren. Im Jahr 2023 wurden am Vorarlberger Ufer 53 erfolgreiche Bruten mit 154 flüggen Jungtieren gezählt.
Am gesamten Bodensee ist die Zahl der Kormorane zuletzt deutlich angewachsen. Ein einzelner Kormoran kann demnach gut ein halbes Kilogramm Fisch am Tag fressen.
Walter Niederer, Leiter der Kormoran-Arbeitsgruppe für Vorarlberg, erklärte Anfang des Jahres, Vorarlberg beteilige sich gern an dem Interreg-Projekt, weil das Management des Kormoranbestandes nur gemeinsam zielführend sei. Allfällige Ergebnisse des Drohnenprojekts in Deutschland würden nach seinen Worten der gesamten Region zugutekommen.








