Dubai im Instagram-Filter: Wie Influencer, Regulierungen und Medienkompetenz die Realität beeinflussen
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Influencer zeigen Luxus in Dubai: Zwischen Social Media, Regulierung und Medienkompetenz

Während international seit Wochen über den Krieg im Nahen Osten berichtet wird, präsentieren Influencer aus Dubai in sozialen Netzwerken weiterhin vor allem Bilder von Alltag, Luxus und scheinbarer Normalität. Fachleute sehen in diesen Inhalten ein systematisch wirkendes Zusammenspiel von wirtschaftlichen Interessen, Standortimage und staatlichen Rahmenbedingungen.

Gleichzeitig stellen Kommunikations- und Medienexpertinnen und -experten heraus, dass die Einordnung solcher Inhalte für Nutzerinnen und Nutzer zunehmend komplex wird und Medienkompetenz an Bedeutung gewinnt.

Konflikt im Nahen Osten und Bilder aus Dubai

Seit der Eskalation des Konflikts rund um den Iran sind auch die Vereinigten Arabischen Emirate stärker in den Fokus geraten. Internationale Medien berichten über Angriffe, beschädigte Infrastruktur und Einschränkungen im Flugverkehr im Zusammenhang mit dem Konflikt. Im Kontrast dazu zeigen zahlreiche Beiträge auf Plattformen wie TikTok oder Instagram ein weitgehend ungestörtes Leben in Dubai.

Viele Influencer-Beiträge aus Dubai zeigen Poolszenen, Fitnessvideos oder Restaurantbesuche. Beobachter sprechen von stark vereinheitlichten Inhalten mit ähnlichen Botschaften. Dubai wird dabei als Luxusmekka, Steueroase und sicherer Hafen beschrieben, auch wenn dieses Image seit Ende Februar als erschüttert dargestellt wird.

Influencer als wirtschaftliches System und Standortfaktor

Influencer werden als Teil eines eigenen wirtschaftlichen Systems beschrieben. Ihr Einkommen basiert häufig auf Kooperationen mit Unternehmen, wobei mit wachsender Reichweite in der Regel auch die Einnahmen steigen. Influencer vermitteln teilweise einen bestimmten Lebensstil, der für viele Nutzerinnen und Nutzer attraktiv wirkt.

Dubai gilt als attraktiver Standort für Influencer: niedrige Steuern, internationale Vernetzung und das Bild eines sicheren, wohlhabenden Ortes spielen dabei eine Rolle. Content Creator werden laut Darstellung gezielt von diesen Rahmenbedingungen angezogen. Auch Staaten und Unternehmen profitieren von der Sichtbarkeit durch Influencer; entsprechende Inhalte können zur Imagebildung beitragen, etwa im Tourismus oder bei der Ansiedlung von Arbeitskräften.

Regulierte Kommunikation in den Vereinigten Arabischen Emiraten

In den Vereinigten Arabischen Emiraten gelten klare und strenge Vorgaben für öffentliche Kommunikation. Wer Inhalte kommerziell verbreiten will, benötigt eine staatliche Lizenz. Kritik an Regierung oder gesellschaftlichen Zuständen kann rechtliche Konsequenzen haben. Behörden warnen davor, Gerüchte oder nicht bestätigte Informationen zu verbreiten; Verstöße können mit hohen Geldstrafen oder Haft geahndet werden.

Der in Dubai lebende Unternehmer Clemens Kohlbacher erklärt, dass sicherheitsrelevante Inhalte bewusst nicht verbreitet werden sollen, um „keine Panik zu verbreiten“. Diese Rahmenbedingungen beeinflussen, welche Inhalte veröffentlicht werden. Kritische oder sicherheitsrelevante Darstellungen sind in von Dubai aus verbreiteten Inhalten laut Darstellung selten zu sehen, während viele Beiträge ähnliche, überwiegend positive Aspekte hervorheben.

Beispiel eines Influencers und Wahrnehmung von „Propagandagefühl“

Der Influencer Marvin Teufl stammt aus Walpersdorf bei Herzogenburg im Bezirk St. Pölten und lebt mittlerweile in Wien. Plattformübergreifend folgen ihm mehr als 500.000 Menschen in den sozialen Medien. Er erklärt, dass er hauptsächlich Geld verdient, indem Firmen zu ihm kommen, die ein Produkt bewerben wollen, und dass er dafür bezahlt wird. Mit wachsender Reichweite steigen seiner Erfahrung nach auch die Einnahmen.

Teufl berichtet, dass sich viele Menschen von dem Bild Dubais „auf den ersten Blick täuschen“ ließen. Er verweist auf Fälle, in denen Influencer, die vor Ort wirtschaftlich tätig sind, nichts Negatives mehr berichten dürften. Im Zusammenhang mit manchen Dubai-Inhalten spricht er von einem „Propagandagefühl“ und vermutet, dass manche Influencer dafür bezahlt werden, das Land besser dastehen zu lassen. Zugleich wird festgehalten, dass im Einzelfall schwer überprüfbar ist, ob und in welchem Ausmaß solche Mechanismen systematisch gesteuert werden.

Teufl sagt: „Wenn du nicht negativ darüber berichten darfst, werden hauptsächlich positive Sachen darüber in Umlauf kommen.“ Er betont Authentizität als entscheidend, um langfristig glaubwürdig zu bleiben, und warnt: „Wenn die Leute merken, dass sie lügen, geht das Vertrauen weg.“

„Partizipative Propaganda“ und Vertrauen in Influencer

Fachleute sprechen von einem funktionierenden System, in dem Influencer wirtschaftlich profitieren und gleichzeitig ein positives Bild des Standorts vermittelt wird. Kommunikationswissenschaftler bezeichnen ähnliche Phänomene teilweise als „partizipative Propaganda“. Diese wird als Form der Imagekommunikation beschrieben, an der viele Akteure gleichzeitig beteiligt sind.

Entsteht durch die Häufung überwiegend positiver und ähnlicher Inhalte ein verzerrtes Gesamtbild, fehlen negative Aspekte weitgehend in der öffentlichen Wahrnehmung. Influencer bauen ihre Reichweite stark über Vertrauen auf, das durch persönliche Ansprache zusätzlich verstärkt wird. Wird dieses Vertrauen erschüttert, kann dies Folgen für die Bindung zur Community haben.

Widersprüchliche Wirklichkeiten und Rolle der Medienkompetenz

Wenn klassische Medien einerseits und soziale Plattformen andererseits unterschiedliche Bilder derselben Region liefern, können für Nutzerinnen und Nutzer widersprüchliche Informationen entstehen. Es wird schwieriger, Realität einzuordnen, wenn unterschiedliche Wirklichkeiten nebeneinanderstehen. Soziale Medien verstärken diesen Effekt, weil Inhalte schnell und oft ohne Kontext konsumiert werden.

Der Psychosomatiker Christoph Pieh, Leiter der Universitätsambulanz für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität für Weiterbildung Krems, verweist auf Studien, denen zufolge eine hohe Nutzung sozialer Medien mit Auswirkungen auf Wahrnehmung und psychische Gesundheit verbunden sein kann. Jüngere Zielgruppen nutzen soziale Medien intensiver und verbringen mehr Zeit mit entsprechenden Inhalten.

Medienkompetenz wird als zentraler Ansatz im Umgang mit digitalen Informationen genannt. Pieh spricht sich dafür aus, stärker zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden und Inhalte kritisch zu hinterfragen. Entsprechende Bildung könne helfen, mehr Sicherheit im Umgang mit digitalen Informationen zu gewinnen. Der ORF bietet dafür eine Reihe von Angeboten zur Stärkung der Medienkompetenz an.

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