Rudolf Buchbinder Saal in Grafenegg eröffnet
In Grafenegg ist am Freitagabend der neue „Rudolf Buchbinder Saal“ feierlich eröffnet worden. Der Saal ist der dritte Spielort auf dem Gelände und wurde mit einem Konzert eingeweiht, bei dem Rudolf Buchbinder selbst am Klavier auftrat.
Der neue Kammermusiksaal ist nach dem Intendanten des Grafenegg Festivals benannt und soll künftig vor allem für Kammermusik genutzt werden. Bei der Eröffnung wurde hervorgehoben, dass der Saal das Wirken Rudolf Buchbinders würdigt und als Meilenstein in der Weiterentwicklung des Kulturstandortes Grafenegg gilt.
Würdigung für Rudolf Buchbinder
Grafenegg-Geschäftsführerin Simone Bamberg hielt vor dem Eröffnungskonzert eine Festrede. Sie sprach von einer „Vision, die Wirklichkeit wurde“ und betonte, ohne Rudolf Buchbinder wäre Grafenegg nicht der Ort, der er heute ist. Mit dem neuen Konzertsaal werde Buchbinder geehrt und sein Name dauerhaft mit dem Ort verbunden.
Rudolf Buchbinder hatte im Vorfeld erklärt, es sei für ihn schwer zu begreifen, dass der Saal fertiggestellt und in Betrieb genommen werde. Nach dem Konzert zeigte er sich in seiner Dankesrede sehr erfreut über die ihm erwiesene Wertschätzung. Er sagte, dass einem zu Lebzeiten ein Saal gewidmet werde, gehe tief ins Herz.
In seiner Ansprache dankte Buchbinder dafür, dass Kultur in diesem Land nicht als Dekoration, sondern als Teil der Identität verstanden werde. Der Saal sei ein Bekenntnis, dass Kunst und Musik Zukunft, Räume und Vertrauen brauchen. Musik sei keine Nebensache, verbinde Menschen dort, wo Worte nicht mehr ausreichten, und schaffe Trost, Hoffnung, Erinnerung und Menschlichkeit. Der neue Saal solle ein lebendiger Ort werden, Kunst dürfe nie elitär erstarren. Buchbinder hob auch die Chance für Nachwuchsmusikerinnen und -musiker hervor, in dem nach ihm benannten Saal auftreten zu können.
Land Niederösterreich setzt auf Kulturentwicklung
Auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) sprach bei der Eröffnung. Sie sagte, Grafenegg ruhe sich nicht auf seinem Erfolg aus und bleibe in Bewegung. Der „Rudolf Buchbinder Saal“ schaffe neue Möglichkeiten für Kammermusik und innovative Konzertformate sowie für junge Ensembles und Programme, die einen anderen Rahmen als die große Bühne brauchen.
Sie bezeichnete den Saal als Würdigung eines Künstlers und als Ausdruck der kulturellen Entwicklung Niederösterreichs. Zudem sprach sie von einem Versprechen an die Zukunft, dass Niederösterreich die Kultur weiter hochhalte.
Umbau der ehemaligen Reitschule
Der „Rudolf Buchbinder Saal“ ist in der ehemaligen Reitschule von Grafenegg untergebracht. Der Gebäudekomplex wurde zwischen 1841 und 1845 im klassizistischen Stil errichtet, als maßgeblicher Planer wird Leopold Ernst genannt, der als Dombaumeister des Wiener Stephansdoms bekannt ist.
Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg und in der sowjetischen Besatzungszeit stark beschädigt und verfiel mangels finanzieller Mittel zu einer bewachsenen Ruine. 1978 erhielt die Reitschule nach einer Renovierung jenes Aussehen, für das sie bis 2024 bekannt war.
Von 2024 bis zur Eröffnung wurde die frühere Reitschule zum „Rudolf Buchbinder Saal“ umgebaut. Dabei wurden architektonische Elemente wie die Raumhöhe in den Originalzustand rückgeführt. Das in den 1980er-Jahren provisorisch errichtete Dach war flacher als das ursprüngliche, und die Fenster hatten in früheren Umbauten an Höhe eingebüßt. Heute hat das Gebäude wieder seine ursprüngliche Höhe. Der moderne Kammermusiksaal befindet sich im ersten Stock; seine Dachkonstruktion besteht aus einer kassettenartigen Struktur aus hellem Fichtenholz, Zwischenelemente aus Massivholz dienen der akustischen Gestaltung. Im Foyer vor dem Konzertsaal steht eine Büste von Rudolf Buchbinder.
Programm des Eröffnungskonzerts
Mit dem Eröffnungskonzert wurde der „Rudolf Buchbinder Saal“ als Kammermusiksaal in Betrieb genommen. Als erstes Werk im neuen Saal wählte Buchbinder die „Grande Sonate pathétique“ von Ludwig van Beethoven, die er als „klingendes Bekenntnis zur unbändigen Kraft der Musik“ bezeichnete.
Die Sopranistin Camilla Nylund trat ebenfalls im neuen Saal auf und wurde von Rudolf Buchbinder am Klavier begleitet. Sie sang „Morgen“ und „Zueignung“ von Richard Strauss. Anschließend spielte Buchbinder unter anderem das As-Dur-Impromptu D 899/4 von Franz Schubert sowie zwei weitere Miniaturen des Komponisten, die auch auf seiner CD „Schubert Treasures“ enthalten sind. Nach eigenen Angaben begleiten ihn die Impromptus Schuberts ein Leben lang.
Zum Abschluss interpretierte Buchbinder gemeinsam mit dem Steude Quartett den ersten Satz aus Antonín Dvořáks Klavierquintett A-Dur op. 81. Als Zugabe folgte der dritte Satz desselben Werkes. Die Musikerinnen und Musiker erhielten für das Eröffnungskonzert langen Applaus und Standing Ovations.
Feierliches Wochenende in Grafenegg
Grafenegg begeht im Jahr der Eröffnung des „Rudolf Buchbinder Saals“ seine 20. Saison. Das Wochenende von 29. bis 31. Mai ist der neuen Spielstätte gewidmet. Am Samstag sind Konzerte für die Sponsoren des Saals vorgesehen.
Für den Sonntag ist eine Matinee geplant, gefolgt von einem Tag der offenen Tür bei freiem Eintritt in Grafenegg.








