Entgelt-Transparenzrichtlinie: Uneinigkeit in Österreich hindert Fortschritte in der Lohngerechtigkeit
Dieses Thema Freunden empfehlen

Verhandlungen über Lohntransparenz in Österreich ohne Einigung

Österreich steht unter Zeitdruck, die EU-Entgelt-Transparenzrichtlinie umzusetzen. Bis Juni bleibt Zeit, um eine Lösung zu finden, doch eine Einigung ist derzeit nicht in Sicht.

Zwischen Regierung und Sozialpartnern wird heftig über die konkrete Ausgestaltung der neuen Vorgaben verhandelt. Auch in Vorarlberg liegen die Positionen von Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer weit auseinander.

Kontroverse um Umsetzung der EU-Richtlinie

Die EU-Entgelt-Transparenzrichtlinie soll für mehr Fairness beim Gehalt sorgen und stößt in der Wirtschaft auf massive Kritik. Für die Umsetzung der Vorgaben zur Lohntransparenz soll bereits der achte Entwurf vorliegen.

Arbeiterkammer und Gewerkschaft drängen auf einen Gesetzesentwurf zur Umsetzung. Die Arbeiterkammer unterstreicht die Bedeutung von Lohntransparenz und verweist darauf, dass es darum gehe, Einkommensunterschiede sichtbar zu machen.

AK Vorarlberg pocht auf mehr Transparenz

Bernhard Heinzle, Präsident der Arbeiterkammer Vorarlberg, sieht die Arbeitgeberseite bei der Umsetzung der Richtlinie als bremsenden Faktor. Er verweist darauf, dass aus Sicht der Arbeitgeber vor allem zusätzlicher Verwaltungsaufwand befürchtet werde.

Heinzle betont, in Vorarlberg gehe bei der Transparenz der Löhne nichts voran, obwohl Lohntransparenz dort seiner Einschätzung nach besonders wichtig wäre. Sie könne helfen, Löhne anzugleichen, insbesondere mit Blick auf Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Frauen seien nach seinen Angaben auch von Altersarmut besonders betroffen.

Nach der Darstellung von Heinzle geht es nicht um die Offenlegung einzelner Löhne, sondern um Durchschnittswerte für Abteilungen oder ganze Unternehmen. Als Beispiel wird genannt, dass eine Frau nach 20 Jahren im Unternehmen im Durchschnitt 400 Euro pro Monat weniger verdienen könnte als ein neu beginnender Mann.

Wirtschaftskammer warnt vor Bürokratie

Die Wirtschaftskammer fordert eine Kurskorrektur bei der Entgelt-Transparenzrichtlinie. Wirtschaftskammer-Präsident Karlheinz Kopf kritisiert die aktuelle Ausgestaltung der EU-Vorgaben und sieht mehr Nachteile als Fortschritte.

Kopf warnt, Österreich dürfe bei der Umsetzung weder zeitlich noch inhaltlich zum „Musterschüler im negativen Sinn“ werden. Er verlangt eine praxistaugliche Lösung, die nationale Besonderheiten berücksichtigt, und bezeichnet die Richtlinie in ihrer jetzigen Form als „bürokratischen Irrweg“.

Kopf betont zugleich, die Wirtschaftskammer bekenne sich klar zum Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Die Richtlinie schieße seiner Ansicht nach dennoch weit über das Ziel hinaus und würde ein bewährtes, gut funktionierendes System durch massive zusätzliche Bürokratie ersetzen.

Neue Berichtspflichten ab 2027 geplant

Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten sollen ab Juni 2027 verpflichtet sein, regelmäßig Berichte zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle vorzulegen. Damit sollen Unterschiede zwischen den Einkommen von Männern und Frauen systematisch erfasst werden.

Liegt die Lohnspanne bei mehr als fünf Prozent und kann nicht durch objektive Kriterien wie Qualifikation oder Berufserfahrung erklärt werden, ist eine gemeinsame Gehaltsbewertung vorgesehen. Diese Bewertung soll gemeinsam mit dem Betriebsrat oder mit Vertretern der Gewerkschaft erfolgen.

Sozialministerium hofft auf rasche Einigung

Sozialministerin Korinna Schumann sieht nach eigenen Angaben Handlungsbedarf, um bestehende Befürchtungen im Zusammenhang mit der Richtlinie auszuräumen. Sie hofft auf eine rasche Einigung zwischen den Verhandlungspartnern.

Schumann verbindet mit der Umsetzung der Entgelt-Transparenzrichtlinie die Erwartung eines großen Schritts in Richtung mehr Lohngerechtigkeit.