Außergewöhnliche Trockenheit belastet Landwirtschaft in Kärnten
In Kärnten ist es im April stellenweise bis zu 85 Prozent trockener gewesen als im langjährigen Durchschnitt. Die Landwirtschaftskammer rechnet infolge der anhaltenden Trockenheit mit deutlichen Ernteausfällen und hohen zusätzlichen Kosten für Bäuerinnen und Bauern.
Vertreter der Landwirtschaft informierten am Mittwoch bei einer Pressekonferenz über die aktuelle Situation. Kammerpräsident Siegfried Huber sprach von wenig erfreulichen Prognosen und verwies auf die besondere Frühzeitigkeit der Trockenperiode.
Erhebliche Ausfälle beim Grasschnitt und Gefahr für Tierbestände
Laut Huber ist der Grasschnitt mancherorts bereits ausgefallen. Er sprach von massiven Ausfällen beim ersten Grasschnitt von 50 bis 80 Prozent. Wenn jetzt gemäht werde und es nicht regne, falle nach seinen Angaben der zweite Grasschnitt aus. Es wird empfohlen, das wenige Futter auf den Wiesen bald zu ernten und Futter für die Tiere früh zu organisieren.
Huber sagte, ohne Regen werde es zu Notverkäufen von Tieren kommen. Solche Notverkäufe würden seiner Einschätzung nach den Marktpreis massiv drücken, ein starker Preisrückgang könne für manche Betriebe existenzbedrohend sein. Huber äußerte zugleich die Hoffnung auf Regen.
Wasserknappheit und Auswirkungen auf Ackerbau
In mehreren Regionen zeigen sich bereits deutliche Auswirkungen auf die Wasserversorgung. Im Lavanttal versiegen Quellen, auf manchen Wiesen gibt es keine Wasserversorgung mehr. Laut Bericht transportiert vielerorts die Feuerwehr Wasser, um Tiere zu versorgen. Der Wasserstand im Bleistätter Moor am Ossiacher See liegt 50 Zentimeter unter dem normalen Niveau.
Auch der Ackerbau ist betroffen. Der Mais keimt aktuell, vertrocknet aber in der Erde. Teilweise müssen Einsaaten verschoben werden. Teurer Mineraldünger wurde bereits eingebracht, kann aufgrund der Trockenheit aber nicht seine volle Wirkung entfalten.
Erwartete Ernteausfälle und Szenarien
Bleiben in den kommenden zehn Tagen starke Regenfälle von bis zu 50 Litern pro Quadratmeter aus, wird bei der Pressekonferenz mit einem Ernteausfall von 20 bis 70 Prozent gerechnet. Laut Darstellung wären erwartete Regenfälle, sollten sie eintreten, nur ein geringer Beitrag im Verhältnis zum Bedarf.
Als Worst-Case-Szenario wird beschrieben, dass es in den nächsten zwei bis drei Wochen überhaupt keinen Niederschlag gibt. In diesem Fall könnte es stellenweise gar keine Ernte geben. Huber erklärte, eine lang anhaltende Trockenheit sei oft im Spätsommer üblich, er könne sich in seinen 31 Jahren als Bauer jedoch nicht erinnern, dass es so früh im Jahr so trocken gewesen sei.
Forderungen zu Biodiversitätsflächen und Diskussion um Bewässerung
Als Sofortmaßnahme fordert die Landwirtschaftskammer von Bundesminister Norbert Totschnig die Freigabe von rund 9.000 Hektar Biodiversitätsflächen in Kärnten. Diese Flächen dürfen derzeit nicht oder nur eingeschränkt bewirtschaftet werden, die Regelung geht auf eine EU-Richtlinie zurück. Zu dieser Frage laufen laut Angaben bereits Gespräche auf politischer Ebene. Huber betonte, in der aktuellen Dürresituation gehe es um Futter und nicht um Prämien.
Huber verwies zudem auf Prognosen, wonach Kärnten in 20 bis 30 Jahren ein Klima wie in Udine haben werde. Bei einem solchen Klima bleibe aus seiner Sicht nur der Aufbau von Bewässerung. Im Zusammenhang mit einer geplanten Wasserschiene zwischen großen Städten in Mittelkärnten regte er an, diese zum Anlass zu nehmen, eine eigene Bewässerungsschiene zu bedenken.
Wald unter Stress und hohe Waldbrandgefahr
Auch der Wald steht laut Bericht unter deutlichem Stress. Er ist bereits durch den Borkenkäfer geschwächt. Huber beschrieb, dass sich der Wald in einem Samenjahr befindet; der extreme Pollenflug wird als Hinweis darauf genannt. Die Bäume kämpften ums Überleben und setzten nochmals Samen, sagte Huber. Wenn jetzt kein Regen komme, wisse man nicht, wie sich der Borkenkäfer heuer entwickeln werde.
Es wird von einer extremen Waldbrandgefahr berichtet. Auch der Blick auf die Almen ist trüb: Der Schneefall im Winter war geringer, Wiesen und Weiden auf den Almen bleiben im Mai teilweise braun.








